Aktien von SK hynix und Samsung stürzen ab: Aktionäre fordern höhere Gewinnbeteiligung am KI-Boom
Trotz Rekordgewinn bleibt die Antwort auf eine drängende Anlegerfrage bei SK hynix und Samsung aus - und die Aktien erhalten dafür eine deutliche Quittung.
- SK hynix-Aktie bricht in Seoul zweistellig ein, auch Samsung-Aktie tiefrot
- Netto-Cashreserve deutlich über der von NVIDIA und der gemeinsamen der sechs übrigen Magnificent Seven
- Samsung und SK hynix wollen Ausschüttungspläne zeitnah vorlegen
Die SK hynix-Aktie geriet in Seoul am Donnerstag deutlich unter Druck und verlor letztlich 10,37 Prozent auf 1.495.000 Won. Auch die Samsung-Aktie gab kräftig nach und büßte bis zum Handelsende in Südkorea 6,3 Prozent auf 230.500 Won ein. Der Kurssturz markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer Debatte, die sich seit den jüngsten Quartalszahlen zuspitzt: Investoren fordern von SK hynix und Samsung Electronics einen deutlich größeren Anteil der Rekordgewinne aus dem KI-Boom, den beide Chipriesen bislang nur vage in Aussicht gestellt haben.
Ausschüttungsquote bleibt bei der Hälfte des freien Cashflows
Bis zum Jahresende dürften Samsung Electronics und SK hynix zusammen rund 263 Milliarden US-Dollar an Netto-Cashreserven halten, wie Berechnungen von Reuters zeigen. Das ist mehr als das Doppelte der geschätzten 102 Milliarden US-Dollar von NVIDIA und übertrifft die addierte Kassenlage der übrigen sechs Konzerne aus den sogenannten Magnificent Seven. Trotzdem halten beide Unternehmen bislang an einer Ausschüttungsquote von der Hälfte des freien Cashflows fest. Micron Technology hatte im Juni 2026 angekündigt, künftig den gesamten freien Cashflow an die Aktionäre zurückzugeben, und setzte damit einen Maßstab, an dem sich SK hynix und Samsung nun messen lassen müssen.
Aktien von SK hynix und Samsung: Fondsmanager werden lauter
Der Londoner Fondsmanager Richard Clode von Janus Henderson Investors, dessen Fonds SK hynix-Aktien hält, kritisiert die Strategie der südkoreanischen Unternehmen gemäß Reuters deutlich: Wer an einer Ausschüttung von rund 50 Prozent des freien Cashflows festhalte, ende mit einer ineffizienten Bilanz. Aus seiner Sicht nährt eine zurückhaltende Kapitalrückführung die Erzählung, das KI-Geschäft sei nur ein zyklischer Boom und kein dauerhafter Wachstumstreiber. Ähnlich unzufrieden äußerte sich auch der in Singapur ansässige Fondsmanager Kim Kyu-shik von Vista Global Asset Management nach der jüngsten Telefonkonferenz von SK hynix. "Ich war nach dem Call wirklich wütend", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
Auch bei Privatanlegern wächst der Unmut. Wie Reuters berichtet, startete die Investorenplattform ACT in dieser Woche eine Kampagne, um Samsung zu einer außerordentlichen Aktionärsversammlung zu bewegen und ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von rund 32 Milliarden US-Dollar durchzusetzen. ACT-Vertreter Lee Sang-mok verwies darauf, dass verunsicherte Kleinanleger nach dem jüngsten Kursrutsch dringend ein Signal von der Konzernführung erwarten würden. Der Vorwurf: Beiden Unternehmen fehle es an Dringlichkeit, die Sorgen der Aktionäre ernst zu nehmen.
Samsung und SK hynix bleiben vage, Analysten erhöhen den Druck
Konkrete Zusagen blieben zuletzt aus. SK hynix erklärte im Rahmen der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen lediglich, das Unternehmen prüfe zusätzliche Maßnahmen zur Steigerung der Ausschüttungen und wolle noch innerhalb des Jahres 2026 Details vorlegen. Samsung teilte in einer Stellungnahme mit, die eigene Ausschüttungspolitik für dieses und die kommenden Jahre zu diskutieren, und stellte weitere Informationen in Kürze in Aussicht. JPMorgan senkte laut Reuters am Mittwoch das Kursziel für die SK hynix-Aktie und begründete den Schritt damit, dass eine klare Haltung zur Kapitalallokation nötig sei, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.
Der Streit reicht über die Bilanzpolitik der beiden Chipriesen hinaus und rührt am sogenannten Korea-Discount, der niedrigeren Bewertung koreanischer Aktien gegenüber internationalen Wettbewerbern. Sowohl Samsung als auch SK hynix liegen bei den Ausschüttungen hinter Technologiekonzernen wie Apple und Taiwan Semiconductor Manufacturing. Aadil Ebrahim von der Klay Group verwies laut Reuters auf das Kapitalrückführungsprogramm von Apple aus dem Jahr 2013, als der Konzern bis 2015 rund 100 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurückgeben wollte und das Rückkaufvolumen versechsfachte. Für ihn ist eine bessere Kapitalallokation kein Widerspruch zu den milliardenschweren Investitionsplänen: Samsung und SK hynix hatten zuletzt zusammen 3.200 Billionen Won, umgerechnet rund 2,07 Billionen US-Dollar, an Investitionen in Südkorea zugesagt, um die Nachfrage aus dem KI-Geschäft zu bedienen.
Ob sich die Kritik in konkrete Zahlen übersetzt, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen: Samsung und SK hynix haben angekündigt, ihre Ausschüttungspläne bald zu konkretisieren. Anleger werden genau darauf achten, ob die angekündigten Details über die bisherige Marke von 50 Prozent des freien Cashflows hinausgehen.
Bettina Schneider, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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