Nach starken Zahlen: Analysten heben reihenweise die Kursziele für die Coca-Cola-Aktie an
Nach starken Quartalszahlen von Coca-Cola melden sich binnen kürzester Zeit mehrere Analysehäuser zu Wort. Ihre neuen Einschätzungen zeichnen ein auffällig einheitliches Bild.
- Coca-Cola schlägt im Quartal die Erwartungen und hebt die Jahresprognose an
- Gleich mehrere Analysehäuser heben nach den Zahlen die Kursziele an
- Bewertung nähert sich laut Wells Fargo einem mehrjährigen Höchststand
Die Coca-Cola-Aktie gewann am Mittwoch an der NASDAQ 0,97 Prozent auf 89,13 US-Dollar, nachdem die Papiere des Getränkekonzerns nach starken Quartalszahlen bereits am Vortag kräftig zulegten.
Binnen weniger Stunden melden sich daraufhin gleich mehrere Analysehäuser zu Wort und schrauben ihre Kursziele nach oben - ein auffällig einheitliches Bild, das die Frage aufwirft, wie viel von der positiven Reaktion bereits im Kurs steckt und wo die eigentlichen Knackpunkte der Story liegen.
Zahlen übertreffen die eigene Prognose
Im zweiten Quartal, das am 3. Juli endete und dessen Zahlen Coca-Cola am Dienstag veröffentlichte, steigt der Nettoumsatz um 7 Prozent auf 13,4 Milliarden US-Dollar, organisch (non-GAAP) legt das Geschäft um 6 Prozent zu. Das Betriebsergebnis wächst um 9 Prozent, währungsbereinigt vergleichbar (non-GAAP) bleiben davon 6 Prozent Plus übrig, bei einer operativen Marge von 34,9 Prozent nach 34,1 Prozent im Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie klettert um 16 Prozent auf 1,03 US-Dollar, bereinigt (non-GAAP) um 11 Prozent auf 0,97 US-Dollar.
Getragen wird das Wachstum auch von der Fußballweltmeisterschaft, die der Konzern nach eigenen Angaben für eine globale Kampagne in mehr als 180 Märkten genutzt hat, mit einem Volumenplus von 5 Prozent bei Trademark Coca-Cola und 8 Prozent bei Powerade. Für das Gesamtjahr hebt der Konzern die Prognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie (non-GAAP) von zuvor 8 bis 9 Prozent auf nun 9 bis 10 Prozent Wachstum an und rechnet mit einem freien Barmittelzufluss (non-GAAP) von rund 12,4 statt zuvor 12,2 Milliarden US-Dollar.
Kursziele wandern geschlossen nach oben
Nach der Zahlenvorlage schließen sich RBC Capital Markets, JPMorgan, UBS, Jefferies, TD Cowen, Citi und Wells Fargo binnen weniger Stunden der positiven Lesart an. Alle sieben Häuser heben ihre Kursziele an und lassen ihre Kaufempfehlungen unverändert, die neuen Kursmarken liegen zwischen 95 und 104 US-Dollar. Am weitesten nach oben wagen sich die UBS und Jefferies mit jeweils 104 US-Dollar, wobei Jefferies das Ziel von zuvor 95 US-Dollar anhebt, den größten Einzelsprung der Runde. Zum letzten Schlusskurs von 88,27 US-Dollar würde das ein Aufwärtspotenzial von 17,82 Prozent bedeuten.
RBC und JPMorgan loben Tempo und Stabilität
RBC-Analyst Nik Modi schreibt, der Getränkekonzern habe erneut stark abgeschnitten. Die Resultate hätten die Tiefe, Vielseitigkeit und Beständigkeit des Geschäftsmodells in einem zunehmend volatilen konjunkturellen Umfeld unter Beweis gestellt. JPMorgan-Analystin Andrea Teixeira ordnet die Zahlen ähnlich ein und schreibt, der Konzern habe wieder einmal eine starke Performance abgeliefert, zugleich schraubt sie ihre Gewinnprognosen für die bereinigten Ergebnisse je Aktie für 2026 und 2027 leicht nach oben. Beide Häuser stützen ihre Anhebung damit weniger auf einen einzelnen Ausreißer als auf die Breite der Entwicklung über nahezu alle Regionen und Markensegmente hinweg.
Rückenwind aus Nordamerika, aber nicht überall gleich stark
TD-Cowen-Analyst Robert Moskow begründet seine Kaufempfehlung mit soliden Mengenzuwächsen und einer verbesserten Prognose, besonders positiv wertet er die Entwicklung in Nordamerika, wo der organische Umsatz und das Volumen die Erwartungen deutlich übertreffen, gestützt von wirksamem Ertragsmanagement, Innovationen und der Vermarktung rund um die Fußballweltmeisterschaft. Tatsächlich weist der Bericht für Nordamerika ein währungsbereinigt vergleichbares Betriebsergebnis (non-GAAP) von plus 12 Prozent im Quartal aus, deutlich über dem Konzerndurchschnitt von 6 Prozent. Zusammen mit der Margenausweitung und Marktanteilsgewinnen in den meisten Regionen sieht Moskow damit laut eigener Aussage ein insgesamt positives Rendite-Profil für die Aktie bestätigt.
Nicht jede Region trägt das positive Bild gleich stark mit: In Europa, dem Nahen Osten und Afrika sinkt das währungsbereinigt vergleichbare Betriebsergebnis (non-GAAP) im Quartal um 5 Prozent, in Asien-Pazifik verliert Coca-Cola in Indien Marktanteile im Geschäft mit alkoholfreien Fertiggetränken.
Warum die Bewertung zum Risiko werden könnte
In Sachen Bewertung sehen einige Häuser sogar Risiken: Wells Fargo schreibt zum eigenen Kursziel von 95 US-Dollar, die Bewertung nähere sich hohen Marken, das sei ein Diskussionspunkt, die fundamentalen Daten rechtfertigten die Einstufung aber weiterhin. Jefferies wiederum sieht die Wachstumsdynamik bis 2027 und 2028 anhalten und hält die Konsensschätzungen trotz schwieriger Vergleichsbasis und volatiler Verbraucher für "zu niedrig".
Wer die Aktie im Depot hält oder über einen Einstieg nachdenkt, sollte im Blick behalten, dass die aktuellen Kursziele überwiegend auf einem einzelnen starken Quartal beruhen und die Bewertung nach der jüngsten Kursbewegung historisch eher am oberen Rand liegt.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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