Bernstein hebt Kursziel für Novo Nordisk-Aktie an - Underperform bleibt: Das steckt hinter dem Widerspruch
Bernstein hebt das Kursziel für die Novo-Nordisk-Aktie von 200 auf 203 dänische Kronen an, an der skeptischen Einschätzung ändert sich jedoch nichts.
- Bernstein hebt das Kursziel für Novo Nordisk auf 203 dänische Kronen an
- Grund ist vor allem die Aufnahme von Coramitug ins Bewertungsmodell
- Das Haus bleibt bei 'Underperform' und erwartet weiter US-Gegenwind
Bernstein bleibt bei Novo Nordisk skeptisch, obwohl das Analysehaus sein Kursziel für die Aktie anhebt: Grund ist ein rechnerischer Modelleffekt, keine geänderte operative Einschätzung des Wegovy-Konzerns.
Coramitug hebt die Schätzungen rechnerisch
Das Analysehaus hat den Spätphasen-Kandidaten Coramitug erstmals in sein Bewertungsmodell aufgenommen, wie Bernstein am Montag Marketscreener zufolge mitteilte. Dadurch stiegen die Prognosen für Konzernumsatz und operativen Gewinn der Geschäftsjahre 2026 bis 2031 um 2 bis 5 Prozent, die EPS-Schätzungen für den Zeitraum um 2 bis 4 Prozent. Bernsteins Annahme für die durchschnittliche jährliche EPS-Wachstumsrate kletterte dadurch auf 3,7 Prozent, nach zuvor 3,4 Prozent. Damit liegt der Wert weiterhin 420 Basispunkte unter dem der europäischen Wettbewerber von Novo Nordisk. Der Schritt reiht sich in eine Serie vorsichtiger Anhebungen ein: Im März 2026 hatte Bernstein die Abdeckung mit 'Underperform' und einem Kursziel von 175 Kronen gestartet, im Mai 2026 folgte eine Anhebung auf 200 Kronen. Die Einstufung 'Underperform' blieb dabei unverändert.
EPS-Prognosen bleiben unter dem Konsens
Die neuen EPS-Schätzungen für 2026 bis 2031 liegen bis zu 15 Prozent unter dem Analystenkonsens von Bloomberg, begründete Bernstein den Ausblick. Das Haus rechnet weiterhin mit Marktanteilsverlusten bei injizierbaren GLP-1-Präparaten und mit Preisrückgängen auf dem US-Markt. Das Bull-Bear-Spektrum bleibt negativ, Kurstreiber sind kaum in Sicht.
Bei den GLP-1-Präparaten zur Gewichtsreduktion erwartet Bernstein in den USA sowohl bei Spritzen als auch bei Tabletten Marktanteilsverluste an Eli Lilly. Bei der Wegovy-Tablette dürfte bis 2028 ein Großteil der Marktanteile an das Lilly-Produkt Foundayo gehen. Zusätzlich belasten sinkende Preise im US-GLP-1-Markt die Margen des Konzerns.
Modellkorrektur statt Trendwende
Die Anhebung ist eine Modellkorrektur: Sie beruht auf der Aufnahme eines einzelnen Pipeline-Kandidaten ins Bewertungsmodell, nicht auf einer veränderten Einschätzung des US-Kerngeschäfts mit Wegovy und Ozempic. Für die Investitionsthese bleiben laut Bernstein die Preisentwicklung im US-GLP-1-Markt und der Wettbewerb mit Eli Lilly die entscheidenden Faktoren.
Novo Nordisk-Aktie: Bewertung und Wachstumsannahmen
Das im Kursziel von 203 Kronen enthaltene KGV von rund 10 für 2026 hält Bernstein trotz der schwächeren Wachstumsaussichten nicht für übertrieben: In der globalen Bewertungsanalyse für Pharma-Konzerne impliziert dieser Wert weiterhin eine Prämie gegenüber Aktien wie Sanofi, das Bernstein mit 'Outperform' einstuft. Kritischer sieht das Haus die im Aktienkurs eingepreiste Wachstumsannahme: Eine Rückrechnung des DCF-Modells zeigt ein ewiges Wachstum von 5 Prozent, was angesichts der zwischen 2026 und 2032 anstehenden Patentabläufe für Semaglutid hoch angesetzt ist.
Die Novo-Nordisk-Aktie reagierte am Montag mit einem Aufschlag von 0,34 Prozent auf 306,15 Dänische Kronen auf das Analystenupdate.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Novo Nordisk, JHVEPhoto / Shutterstock.com