Bafin-Chef will Eigenkapitalhinterlegung für Zinsänderungsrisiken


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor sollten nach Ansicht von Mark Branson, Chef der Bundesagentur für Finanzdiensteistungsaufsicht (Bafin), zu regulatorischen Reaktionen führen. Branson sprach sich bei der Vorlage des Jahresberichts 2022 dafür aus, Banken vorzuschreiben, ihre Zinsänderungsrisiken künftig mit Eigenkapital zu hinterlegen. Gleiches gelte für das Risiko rascher Mittelabzüge von Banken.

Werbung

"Für Zinsänderungsrisiken gibt es noch immer keine verpflichtenden Mindestanforderungen für das Eigenkapital in der Säule I des Regelwerks für Banken", sagte Branson laut veröffentlichtem Redetext. Diese Risiken können zwar mit den aufsichtlichen Instrumenten der Säule II abgefedert werden - "doch ich denke, wir sollten hier nachbessern".

Der Bafin-Chef räumte ein, dass sich der Baseler Ausschuss vor einigen Jahren mit der Idee der Eigenkapitalunterlegung für Zinsänderungsrisiken in der Säule I beschäftigt, diese aber verworfen habe. "Möglich, dass die Idee angesichts der jüngsten Ereignisse nun bessere Chancen hätte", sagte er.

Liquiditätskennziffer LCR nicht mehr zeitgemäß

Branson warnte außerdem, dass die Kennziffer, mit der die kurzfristige Liquiditätsausstattung von Instituten gemessen wird - die Liquidity Coverage Ratio (LCR) - nicht mehr den aktuellen Anforderungen genüge. Diese Kennziffer bemisst den Anteil an hochliquiden Aktiva, die Institute vorhalten müssen, um selbst unter schwerem Stress 30 Tage lang allen Nettozahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Werbung

"Das Problem ist nur, dass Einlagen mittlerweile sehr viel schneller abgezogen werden können, als man bei der Verabschiedung der Liquidity Coverage Ratio nach der Finanzkrise annahm", gab Branson zu bedenken. Daher müssten die Behörden sehr genau prüfen, an welchen Stellen die die Liquiditätsregeln nachschärfen sollten. "Und auch das besser in Säule I des Regelwerks als in Säule II", sagte Branson.

Banken hatten für Zinsschock bisher genug Reserven

Branson zufolge ist das deutsche Bankensystem stabil. Allerdings hatten nach seinen Angaben mehrere kleinere deutsche Institute größere offene Zinsrisikopositionen. Der Zinsanstieg löste starke Wertberichtigungen in ihren Wertpapierportfolien aus. Insgesamt waren es Branson zufolge bei den kleineren Instituten knapp 13 Milliarden Euro. Für den Zinsschock im vergangenen Jahr hätten diese Institute ausreichend hohe Reserven oder Kapitalpolster gehabt, um Verluste auffangen zu können.

Bafin begleitet einige Institute besonders eng

"Aber die stillen Reserven sind nun aufgebraucht", sagte Branson. Eine Handvoll kleiner Institute mit geringen Reserven und Kapitalpuffern und aktuell hohen Zinsänderungsrisiken begleite die Bafin besonders eng. "Bisher sehen wir hier aber keine Gefahr für eine systemische Krise. Trotzdem sollten wir uns überlegen, wie diese Risiken noch besser eingedämmt werden könnten."

Werbung

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

May 09, 2023 05:00 ET (09:00 GMT)