Commerzbank-Aktie: Übernahme durch UniCredit nimmt wichtige Hürde bei der Bafin
Ein formaler Bescheid der Bafin bringt neue Bewegung in die Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit, denn jetzt ist die EZB am Zug.
- Bafin stuft Antrag von UniCredit auf Mehrheitsbeteiligung an Commerzbank als vollständig ein
- EZB prüft nun binnen 60 Arbeitstagen, Verlängerung um bis zu 20 Tage möglich
- UniCredit hält bereits fast die Hälfte der Commerzbank-Stimmrechte
Der Übernahmekampf um die Commerzbank rückt einen entscheidenden Schritt näher an eine Entscheidung: Die Bafin hat den Antrag der italienischen UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung Ende Juli 2026 als vollständig eingestuft und zur Entscheidung an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Für Anleger heißt das: Die nationale Vorprüfung im sogenannten Inhaberkontrollverfahren ist abgeschlossen, die eigentliche Entscheidung liegt nun bei der EZB als zuständiger Bankenaufsicht.
Was die Vollständigkeitserklärung bedeutet
Im Inhaberkontrollverfahren prüft die Bafin zunächst formal, ob ein Antrag auf eine bedeutende Beteiligung an einer Bank alle nötigen Unterlagen enthält. Erst danach reicht sie ihn mitsamt einer Einschätzung an die EZB weiter, die als Aufsicht über beide Institute die endgültige Entscheidung trifft. Ab der Weiterleitung läuft eine gesetzliche Frist von 60 Arbeitstagen, die sich um bis zu 20 weitere Arbeitstage verlängern lässt, sollte die EZB zusätzliche Informationen anfordern. Marktbeobachter gehen mehrheitlich davon aus, dass die Genehmigung erteilt wird, weil die EZB UniCredit und Commerzbank aus ihrer laufenden Aufsicht bereits seit Jahren direkt kennt.
Wie die Anteile verteilt sind
UniCredit hatte im Rahmen ihres Übernahmeangebots bis zum Ende der Annahmefrist am 3. Juli 2026 rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient bekommen. Zusammen mit der zuvor aufgebauten Position summiert sich der wirtschaftliche Anteil der Italiener damit auf rund 47,6 Prozent des Kapitals, entsprechend knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte, sobald die angedienten Papiere formal ins Depot gebucht sind. Über weitere Finanzinstrumente ohne Stimmrecht hält UniCredit zusätzliche gut 11 Prozent. Die Bundesregierung bleibt mit rund 12,7 Prozent zweitgrößter Aktionär und hat wiederholt bekräftigt, ihren Anteil nicht im Rahmen des Angebots an UniCredit zu übertragen, weil weder der gebotene Preis noch das Vorgehen angemessen seien.
Welche Hürden noch offen sind
Neben der EZB-Entscheidung fehlen der UniCredit noch die Zustimmungen der zuständigen EU-Kartellbehörden, der deutschen Außenwirtschaftsprüfung nach der sogenannten Golden-Power-Regelung, der US-Notenbank Federal Reserve sowie der polnischen Finanzaufsicht. Läuft das Verfahren ohne größere Verzögerungen, könnte UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank nach Einschätzung von Marktbeobachtern bereits im Herbst 2026 übernehmen, im ungünstigeren Fall Anfang Dezember. Der Vorstandschef von UniCredit, Andrea Orcel, rechnet nach eigenen Angaben mit einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung möglicherweise noch im vierten Quartal 2026 und will kurz danach die nötigen Schritte zur Kontrollausübung einleiten.
Wie sich die Führung der Commerzbank positioniert
Auf Seiten der Commerzbank zeichnet sich inzwischen zumindest vorsichtige Gesprächsbereitschaft ab. Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp signalisierte intern inzwischen Offenheit für einen Austausch mit der UniCredit, nachdem der Vorstand das Angebot ursprünglich als zu niedrig zurückgewiesen und stattdessen auf einen eigenständigen Wachstumskurs gesetzt hatte.
Der nächste konkrete Termin liegt bereits unmittelbar bevor: Am 6. August 2026 legt die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vor, zudem ist am gleichen Tag ein Gespräch zwischen Orlopp und Orcel geplant. Diese dürften ein wichtiger Gradmesser dafür sein, wie sich die festgefahrene Lage zwischen beiden Banken weiterentwickelt.
Am Mittwoch zeigte sich die UniCredit-Aktie an der italienischen Börse schließlich um 0,68 Prozent tiefer bei 84,88 Euro, während Commerzbank-Papiere im XETRA-Handel 0,76 Porzent auf 39,35 Euro nachgaben.
Carolin Ludwig, Martina Köhler, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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