Alphabet-Aktie im Fokus: Wie günstig ist der Tech-Riese wirklich?
Nach ihrem Kursrutsch in Folge der Quartalsvorlage konnte sich die Alphabet-C-Aktie wieder etwas fangen. Was Analysten Anlegern jetzt zu einem möglichen Einstieg raten.
- Google Cloud wächst im zweiten Quartal um 82 Prozent
- Alphabet erhöht die Kapitalausgaben für 2026
- Morningstar hält die Aktie trotz Rücksetzer weiter für unterbewertet
Die Alphabet-Aktie der Klasse C sprang am Montag an der NASDAQ letztlich um 4,44 Prozent auf 372,47 US-Dollar und erholte sich damit weiter von ihrem Einbruch nach den Quartalszahlen, die vor zwei Wochen vorgelegt wurden. Im Dienstagshandel stieg das Papier um 0,77 Prozent auf 375,35 US-Dollar. Die Google-Aktie war nach Vorlage der Quartalszahlen letztlich knapp sieben Prozent auf 318,34 US-Dollar abgesagt, die A-Aktie zeigte sich zu dem Zeitpunkt derweil 7,13 Prozent schwächer bei 317,69 US-Dollar. So wies der Internetkonzern für das zweite Quartal zwar einen Rekordgewinn aus, dieser stammt allerdings größtenteils aus Bewertungseffekten und sagt wenig über das eigentliche Geschäft aus.
Cloud-Geschäft treibt das Wachstum
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar und übertraf die im Vorfeld erwartete Marke von rund 117 Milliarden US-Dollar. Google Cloud lieferte erneut das stärkste Wachstum: Die Erlöse der Sparte schnellten um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar nach oben, das operative Ergebnis verdreifachte sich auf 8,8 Milliarden US-Dollar. Auch das Werbegeschäft rund um die Google-Suche wuchs kräftig, die Erlöse legten um 17 Prozent auf 63,3 Milliarden US-Dollar zu. Der Auftragsbestand von Google Cloud stieg zugleich auf 514 Milliarden US-Dollar.
Der Rekordgewinn trügt
Unter dem Strich wies Alphabet ein Ergebnis je Aktie von 9,11 US-Dollar aus, nach 2,31 US-Dollar im Vorjahresquartal. Von diesem Sprung stammen aber 6,26 US-Dollar aus einem einmaligen Bewertungsgewinn von rund 99 Milliarden US-Dollar auf Minderheitsbeteiligungen, unter anderem an der Raumfahrtfirma SpaceX. Ohne diesen bilanziellen Effekt lag das bereinigte Ergebnis je Aktie bei rund 2,85 US-Dollar und blieb damit knapp unter der Analystenschätzung von 2,89 US-Dollar. Das operative Geschäft wuchs solide, verfehlte im Kern aber die hohen Erwartungen knapp.
Was Analysten und Morningstar sagen
Nach der Vorlage der Zahlen am 22. Juli 2026 reagierten Anleger zunächst verschreckt. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth senkte sein Kursziel am selben Tag von 460 auf 420 US-Dollar, beließ die Einstufung aber auf Overweight und riet, Kursrücksetzer für Zukäufe zu nutzen. Die kanadische Bank Royal Bank of Canada bestätigte die Einstufung Outperform mit einem Kursziel von 425 US-Dollar, Jefferies beließ sein Kursziel von 445 US-Dollar. Auch Morningstar hält mit einer 4-Sterne-Bewertung an seiner Fair-Value-Schätzung von 433 US-Dollar fest und sieht die Aktie weiterhin als moderat unterbewertet an.
Morningstar begründet die unverändert positive Bewertung mit dem Blick auf das Gesamtbild. Die hohen Investitionen stuft das Analysehaus als wertschöpfend ein, weil sich die eigentliche Rendite aus dem KI-Ausbau nach eigener Einschätzung erst ab 2027 zeigen dürfte, wenn auch die Hardware-Verkäufe an Fahrt gewinnen. Chefstratege David Sekera erklärte am 27. Juli 2026 in einem Podcast-Interview, ihm habe die Aktie schon vor dem Kursrücksetzer gefallen, und nach dem Rückgang gefalle sie ihm nur noch besser. Zugleich räumt Morningstar ein, dass die branchenweite Investitionswelle bei den großen Cloud-Anbietern zunehmend zur Frage wird, ob sich die Milliardensummen in messbaren Erträgen niederschlagen. Für Anleger mit langem Zeithorizont bleibt Alphabet aus Sicht des Analysehauses trotzdem ein Kandidat, den kurzfristige Schwankungen nicht abschrecken sollten.
Alphabet-Aktie: Kapitalausgaben und Regulierung als Risiko
Für die weitere Bewertung bleiben zwei Punkte zentral. Erstens schraubt der Konzern seine Investitionen in KI-Infrastruktur weiter hoch: Die Prognose für 2026 stieg von zuvor 180 bis 190 auf nun 195 bis 205 Milliarden US-Dollar, allein im zweiten Quartal flossen 44,9 Milliarden US-Dollar in neue Rechenzentren und Server. Der freie Cashflow rutschte dadurch erstmals in der Unternehmensgeschichte ins Minus, um 5,9 Milliarden US-Dollar im Quartal. Zweitens wächst der regulatorische Druck: Die EU-Kommission verhängte am 23. Juli 2026 eine Strafe von 890 Millionen Euro gegen Google wegen wettbewerbswidriger Praktiken bei der Suchmaschine und dem App-Marktplatz Google Play, was neue Spannungen mit der US-Regierung auslösen könnte.
Martina Köhler, Julia Walter, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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