Börsenbeben

KOSPI verliert 40 Prozent in einem Monat: Wie Südkorea gegen die Börsenkrise kämpfen möchte


KOSPI verliert 40 Prozent in einem Monat: Wie Südkorea gegen die Börsenkrise kämpfen möchte

Südkoreas Leitindex KOSPI rutscht weiter ab, während die Regierung fieberhaft nach einem Ausweg aus der Verlustspirale sucht.

  • KOSPI verliert binnen eines Monats fast 40 Prozent an Wert
  • Südkoreas Aufseher kappen Investitionen in gehebelte Aktienfonds
  • Samsung und SK hynix melden Rekordgewinn trotz des Kursverfalls
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Südkoreas Notenbank und die wichtigsten Finanzaufseher haben laut Reuters am Mittwochabend nach tagelangen Kursverlusten Sofortmaßnahmen beschlossen, mit denen sie den Handel mit gehebelten Einzelaktienfonds eindämmen wollen. Der Leitindex KOSPI ist binnen eines Monats um rund 40 Prozent eingebrochen und hat seit seinem Rekordhoch im Juni etwa 2 Billionen US-Dollar an Marktwert verloren. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern dürfte die Wirkung der neuen Regeln jedoch begrenzt bleiben, weil sie nicht am eigentlichen Kernproblem ansetzen: dem hohen Hebel innerhalb der betroffenen Fonds.

Kappung für Hebelprodukte, doch Kritik bleibt

Die Aufseher wollen die Investitionssumme pro Anleger in gehebelte Einzelaktien-Fonds begrenzen und die Handelskosten für die betroffenen ETFs anheben. Diese Produkte hatten die größten Werte des KOSPI zuletzt zu wahren Achterbahnfahrten gemacht. Citigroup-Ökonom Kim Jin-wook attestiert den Maßnahmen einen dämpfenden Effekt auf die Volatilität, ist laut Reuters aber überzeugt: Eine Liquiditätsgarantie wie ein Marktstabilisierungsfonds hätte "eine größere Wirkung". Anders als die Aufsicht in Hongkong, die bereits in diesem Monat direkt den Hebel der Produkte gedeckelt hat, tastet Südkorea die bestehenden Positionen der Anleger nicht an. Kritiker bemängeln zudem, dass die heimischen Regeln wirkungslos bleiben, solange identische gehebelte Produkte in New York und Hongkong weiterhin gehandelt werden können.

Trauerkränze vor dem Parlament

Der Unmut über die Verluste hat sich zu offenem Protest ausgeweitet. Vor dem Parlamentsgebäude in Seoul liegen rund 40 Trauerkränze, mit denen Bürger gegen den Umgang der Regierung mit den gehebelten Fonds demonstrieren. Finanzminister Koo Yun-cheol entschuldigte sich am Mittwoch im Parlament dafür, die Produkte ohne ausreichende Prüfung zugelassen zu haben. Der Druck reicht inzwischen bis in die Reihen der Regierungspartei: Der Kandidat für den Parteivorsitz der Demokratischen Partei, Jung Chung-rae, forderte am Mittwoch eine vorübergehende Aussetzung des Handels mit gehebelten Einzelaktien-ETFs, nachdem heftige Kursschwankungen den KOSPI zeitweise unter die Marke von 6.000 Punkten gedrückt hatten.

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Südkoreas Aktien im Blick: Rekordgewinne bei Samsung und SK Hynix ändern nichts

Besonders bitter für Anleger: Der Kurssturz fällt in eine Phase außergewöhnlich starker Geschäfte der beiden größten Indexschwergewichte. Samsung Electronics und SK hynix wiesen für ihr jüngstes Quartal zusammen einen Gewinn von rund 150 Billionen Won aus, umgerechnet etwa 100 Milliarden US-Dollar, und das ausgerechnet in dem Monat, der für den KOSPI zum bislang größten Monatsverlust der Indexgeschichte wird. Der Handel bleibt zugleich auffällig ruhig, was Marktbeobachter als Zeichen dafür deuten, dass viele Anleger auf eine Erholung hoffen und ihre Positionen halten. Ausländische Investoren dagegen ziehen sich zurück: Sie verkauften im Juli laut Reuters Aktien im Wert von netto 18,5 Billionen Won, umgerechnet rund 13 Milliarden US-Dollar.

Ob die Kappung der Investitionssummen die Talfahrt tatsächlich bremst, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen. Ein weiterer Beobachtungspunkt ist, ob sich die Demokratische Partei den Rufen von Jung Chung-rae nach einer vorübergehenden Aussetzung des ETF-Handels anschließt.

Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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