Bärenmärkte meistern: Was Anleger aus der Geschichte lernen können
Kursrückgänge von 20 Prozent und mehr gehören zum Marktzyklus dazu. Die Frage ist, wie Anleger darauf reagieren.
• Ein Bärenmarkt ist definiert als ein Rückgang von mehr als 20 Prozent vom Höchst- zum Tiefststand im S&P 500
• Bärenmärkte dauern im Schnitt rund 14 Monate
• Nicht der Kursverfall selbst, sondern der Verkauf während der Baisse führt zu dauerhaftem Schaden am Portfolio
Was einen Bärenmarkt definiert
Die Schweizer Großbank UBS grenzt in ihrem "Bear Market Guidebook" den Bärenmarkt klar von kleineren Rücksetzern ab: Verluste zwischen 10 und 20 Prozent gelten demnach als "Bull Market Correction", alles darunter als gewöhnlicher "Dip" oder "Pullback". Erst ab einem Rückgang von mehr als 20 Prozent vom Höchststand spricht die Bank von einem echten Bärenmarkt. Die Schwelle sei zwar bis zu einem gewissen Grad willkürlich gewählt, filtere aber historisch zuverlässig kurzfristige, schmerzhafte Korrekturen von länger andauernden Abwärtsphasen heraus.
Dabei unterscheidet die UBS zwischen zwei Phasen: der eigentlichen Drawdown-Phase, in der die Kurse fallen, und der anschließenden Erholungsphase bis zum nächsten Allzeithoch. Nach Berechnungen der Bank verbringen Aktien rund zwei Drittel der Zeit auf oder nahe einem Rekordhoch, Bärenmärkte seien damit die Ausnahme, nicht die Regel.
Wie lange und wie tief Bärenmärkte historisch waren
Konkrete Zahlen liefert Charles Schwab, auf Basis von CFRA-Daten zu den vergangenen zwölf US-Bärenmärkten im S&P 500. Die kürzesten Phasen dauerten demnach nur rund drei Monate (1987 und 1990), während der längste Bärenmarkt zwischen 1946 und 1949 rund drei Jahre andauerte. Im Durchschnitt liege die Dauer bei etwa 14 Monaten.
Beim Ausmaß der Verluste zeigt sich eine ähnliche Bandbreite: Der mildeste Bärenmarkt 1990 kostete den S&P 500 rund 20 Prozent, der bislang schwerste während der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 etwa 59 Prozent über 27 Monate hinweg. Im Mittel hätten frühere Bärenmärkte einen Rückgang von rund 34 Prozent gebracht.
Dem stellt Schwab die Erholungsphasen gegenüber: Ein Bullenmarkt dauere im Schnitt etwa 60 Monate und bringe einen durchschnittlichen Kursanstieg von rund 165 Prozent, die Statistik spreche damit historisch klar für die längerfristige Anlage in Aktien.
Der Unterschied zwischen Schmerz und Schaden
Zentral in der UBS-Analyse, ist die Unterscheidung zwischen "Pain" und "Damage": Kursverluste auf dem Papier seien zunächst nur schmerzhaft, aber temporär. Erst wenn Anleger während eines Kurseinbruchs tatsächlich verkaufen, würden Verluste realisiert und dauerhafter Schaden entstehe, zusätzlich verpasse man dann die anschließende Erholung. Besonders gefährdet seien laut der UBS Ruheständler, die ohne ausreichende Liquiditätsreserve gezwungen sein könnten, in der Baisse Teile ihres Portfolios zu verkaufen, um laufende Ausgaben zu decken.
Als Gegenmittel nennt die UBS eine durchdachte Liquiditätsstrategie: Bargeld und kurzlaufende Anleihen sollen laufende Ausgaben abdecken, damit das langfristig angelegte Portfolio nicht während einer Schwächephase angetastet werden muss.
Konkrete Strategien für die Bärenmarkt-Phase
Über das reine Durchhalten hinaus nennt die UBS mehrere Ansätze, mit denen sich Verluste in einer Baisse aktiv abfedern lassen. Dazu zählt etwa das gezielte Realisieren von Verlusten zu steuerlichen Zwecken (Tax-Loss-Harvesting), das laut UBS-Schätzung im Zeitverlauf rund 0,5 Prozentpunkte an zusätzlicher Rendite nach Steuern pro Jahr bringen kann. Auch regelmäßiges Rebalancing - also die Wiederherstellung der ursprünglichen Portfolio-Gewichtung - zähle zu den Maßnahmen, die unabhängig von der Dauer der Erholung tendenziell positiv wirken.
Von direkten Absicherungsstrategien gegen Kursverluste rät die UBS dagegen eher ab: Wer sich gegen jede Abwärtsbewegung absichern wolle, zahle dafür in der Regel mit einer spürbar geringeren Rendite in Aufwärtsphasen, und die seien historisch deutlich häufiger als Bärenmärkte.
Markus Maier, Redaktion finanzen.net
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