Bonität im Blick

Oracle-Aktie erholt sich deutlich: Sorgen um KI-Ausgaben bleiben jedoch bestehen


Oracle-Aktie erholt sich deutlich: Sorgen um KI-Ausgaben bleiben jedoch bestehen

Nach einem herben Kursrutsch dreht die Oracle-Aktie am Mittwoch deutlich ins Plus, doch die Debatte um die Schulden des Konzerns ist damit nicht beendet.

  • Oracle kämpft mit einer Erholung gegen die Sorgen der Anleger um seine Bilanz
  • Ratingagenturen und Kreditausfallversicherungen senden seit Wochen Warnsignale
  • Neue Partnerschaft mit einem Quantencomputer-Spezialisten sorgt für Aufsehen
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Die Oracle-Aktie hat sich am Mittwoch im NASDAQ-Handel deutlich erholt, nachdem sie am Tag zuvor kräftig nachgegeben hatte. Anleger bleiben dennoch nervös, weil der Softwarekonzern seinen milliardenschweren Ausbau der KI-Infrastruktur überwiegend mit Fremdkapital finanziert und Ratingagenturen die Bonität mehrfach infrage gestellt haben.

Deutliches Plus für Oracle-Aktie nach herbem Rückschlag

Die Oracle-Aktie war am Dienstag im NASDAQ-Handel um 3,69 Prozent auf 145,48 US-Dollar gefallen. Am Mittwoch drehte sich jedoch der Wind: So legte das Papier zuletzt um 5,33 Prozent auf 153,23 US-Dollar zu und machte seine Vortagesverluste wett. Die Gegenbewegung fällt in eine Phase, in der der Softwarekonzern zum Symbol für die Sorgen der Anleger über die schuldenfinanzierten KI-Ausgaben der Branche geworden ist, wie Reuters analysierte. Anders als die großen Technologiekonzerne, die ihre Cloud-Investitionen überwiegend aus eigenen Kassenreserven stemmen, muss Oracle seinen Infrastrukturausbau in großem Umfang über Fremdkapital und langfristige Leasingverträge finanzieren.

Die Zahlen dahinter sind beträchtlich: Oracles Verschuldung lag zuletzt bei rund 129,5 Milliarden US-Dollar, etwa das 4,3-Fache des EBITDA, während vergleichbare Werte bei Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta laut Reuters unter dem Faktor 1 liegen. Hinzu kommen rund 260 Milliarden US-Dollar an Rechenzentrums-Leasingverträgen, die bislang nicht als Schulden verbucht werden. Der freie Cashflow rutschte im Geschäftsjahr 2026 auf minus 23,7 Milliarden US-Dollar, während die Investitionsausgaben für Rechenzentren um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden US-Dollar stiegen. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 rechnet Oracle mit einer Netto-Investitionssumme von rund 70 Milliarden US-Dollar.

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Ratingagenturen und Kreditmärkte warnen

S&P Global Ratings hatte die Bonität von Oracle bereits Anfang Juli von BBB auf BBB- herabgestuft. Moody's Ratings hatte schon im Februar auf einen negativen Ausblick mit der Einstufung Baa2 verwiesen, weil kein anderer Hyperscaler beim KI-Infrastrukturaufbau so stark verschuldet und cashflow-negativ sei wie Oracle.

Um den Kapitalbedarf zu decken, hatte Oracle im Geschäftsjahr 2026 bereits 43 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden sowie 5 Milliarden US-Dollar über Eigenkapital aufgenommen. Für 2027 sind weitere rund 40 Milliarden US-Dollar an kombinierter Finanzierung geplant, darunter ein Aktienprogramm über bis zu 20 Milliarden US-Dollar.

Wachstumsversprechen und Quantencomputer-Partnerschaft

Dem Bilanzrisiko steht ein wachsender Auftragsbestand gegenüber: Die Remaining Performance Obligations erreichten zuletzt 638 Milliarden US-Dollar, gestützt unter anderem durch den Fünfjahresvertrag mit OpenAI über rund 300 Milliarden US-Dollar, der 2027 beginnt. Ein großer Teil dieses Auftragsbestands entfällt jedoch auf diesen einen Kunden, dessen finanzielle Stabilität außerhalb von Oracles Kontrolle liegt. Am Dienstag hatten Oracle und der Quantencomputer-Spezialist Quantinuum eine mehrjährige strategische Partnerschaft bekanntgegeben: Quantinuums Quantencomputer Helios soll in einem US-Rechenzentrum von Oracle Cloud Infrastructure für hybride Quanten-KI-Anwendungen bereitgestellt werden.

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Helios ist nach Angaben der Unternehmen ein 98-Qubit-System mit einer Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von 99,921 Prozent, das kommerziell bereits im November 2025 gestartet war und laut Oracle und Quantinuum weniger als ein Prozent der Leistungsaufnahme führender Supercomputer benötigt. Ein konkreter kommerzieller Nutzen der Technologie zeichnet sich nach Angaben der Beteiligten aber erst mittelfristig ab. Regulatorischer Gegenwind traf zudem das gemeinsame Rechenzentrumsprojekt mit OpenAI namens Project Jupiter: Die Aufsichtsbehörden von New Mexico lehnten die Genehmigung für die zugehörige Gaspipeline zum zweiten Mal ab und verwiesen auf Umweltbedenken sowie einen zu geringen Nutzen für den Bundesstaat.

Ob sich die Erholung vom Mittwoch verstetigt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie die Kreditmärkte die weitere Finanzierung des KI-Ausbaus bewerten. Der nächste Zahlentermin ist vorläufig für Mitte September 2026 vorgesehen und dürfte weiteren Aufschluss über Cashflow und Investitionsplanung liefern.

Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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