Bundesbank setzt auf langsame Korrektur bei Häuserpreisen
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die spekulativen Übertreibungen bei den deutschen Wohnimmobilienpreisen werden sich nach Einschätzung der Bundesbank langsam korrigieren. Die Bundesbank begründet diese Einschätzung damit, dass Haushalte laut einer Umfrage für 2023 im Schnitt einen Rückgang des Preis-Miete-Verhältnisses - also des Bewertungsniveaus - von weniger als 10 Prozent erwarteten. Unklar ist nach Angaben der Bundesbank allerdings, wie hoch in den Umfragen der Anteil der Energieeffizienz am Rückgang der Überbewertung veranschlagt wird.
Das Risiko abrupter Korrekturen besteht nach Aussage der Bundesbank insbesondere bei der rein spekulativen Komponente der Überbewertung. Darunter wird derjenige Teil der Überbewertung verstanden, der sich ausschließlich aus der Aussicht auf zukünftig weitere Preisanstiege speist. Die Bundesbank ermittelt diese spekulative Komponente im Rahmen eines Online Panel. Anhaltspunkte für diese korrekturanfälligen Übertreibungen liegen dann vor, wenn in einer bereits überbewerteten Region weiter zunehmende Überbewertungen erwartet werden.
Im Jahresmittel 2022 waren Wohnimmobilien nach Einschätzung der Bundesbank um 20 bis 30 Prozent überbewertet, und laut der jüngsten Befragung von Mai 2023 rechneten die beteiligten Haushalte noch in 10 Prozent der Regionen mit zunehmenden Bewertungsniveaus. 2022 waren es im Schnitt noch 50 Prozent gewesen. "Die Befragungsdaten für 2023 deuten auf eine breit angelegte, überschaubare Ermäßigung der spekulativen Komponenten hin und nicht auf drastische Korrekturen", folgert die Bundesbank.
In der Hälfte der Regionen, für die dieser Befund zutrifft, wurden Preisrückgänge von weniger als 2,5 Prozent erwartet. In etwa drei Viertel dieser Kreise wurden Preisrückgänge von höchstens 5 Prozent erwartet. "Das bedeutet, dass der zu erwartende Abbau der Überbewertungen ohne allzu deutliche Preisrückgänge bei Wohnimmobilien ablaufen dürfte", analysiert die Bundesbank. Dies liege auch daran, dass kaum Nachlässe bei den Wohnungsmieten erwartet würden.
Nicht ganz klar ist laut Bundesbank allerdings, wie hoch der Stellenwert des Energieeffizienzgrades bei der Preisfindung am Immobilienmarkt ist. "Umfragebasierte Preisangaben sind nicht per Konstruktion qualitätsangepasst", gibt sie zu bedenken.
Die in der Befragung vom Mai 2023 erwarteten Preisrückgänge könnten daher zum Teil auch höhere Preisabschläge für Objekte mit niedrigerer Energieeffizienz widerspiegeln. Dementsprechend sei es schwieriger, die Rückgänge der Preis-Miete-Verhältnisse auf eine geringere Bedeutung spekulativer Motive zurückzuführen. "Der geordnete Abbau spekulativer Motive könnte daher geringer sein als es die Rechnungen nahelegen und das Risiko noch ausstehender abrupter Preiskorrekturen größer." Allerdings betreffe dieses Problem nur Gebäude, nicht die Grundstücke.
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August 21, 2023 06:02 ET (10:02 GMT)