Bundesbank warnt vor "Entankerung" von Inflationserwartungen
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Bundesbank hat vor einer "Entankerung" der Inflationserwartungen im Euroraum gewarnt. In ihrem aktuellen Monatsbericht für Januar weist sie darauf hin, dass eine anhaltend hohe Inflation zu dauerhaft höheren Finanzierungskosten führen könnte, weil Investoren von Anleiheemittenten eine höhere Prämie für Inflationsrisiken fordern. "Der historisch beobachte Gleichlauf von Inflation und Terminprämie ist ein Warnsignal für die europäische Geldpolitik", heißt es in dem Bericht.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte mit Angebotsschocks haben laut Bundesbank gezeigt, dass selbst nach einer Disinflation wie in den 1980er Jahren die Terminprämie - ist sie einmal gestiegen - zunächst auf hohem Niveau verharrt. "Der Inflationsbekämpfung ist deshalb höchste Priorität einzuräumen, um zu gewährleisten, dass die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik erhalten bleibt", schreibt die Bundesbank.
Anderenfalls drohe sich die Unsicherheit der Marktteilnehmer über die Inflationsentwicklung mittel- und langfristig in eine Entankerung der Inflationserwartungen zu übertragen. Gegenwärtig sind die Terminprämien nach Bundesbank-Angaben im historischen Vergleich sehr niedrig, was vor allem auf die Ankaufprogramme sowie die - vor allem für Bundesanleihen relevante - Wertpapierknappheit zurückzuführen sei. "Hier hat sich Rückschlagspotenzial aufgebaut", befindet die Bundesbank.
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January 23, 2023 06:00 ET (11:00 GMT)