Novo Nordisk-Aktie leichter: US-Richter lässt Aktionärsklage zur CagriSema-Studie zu
Ein US-Richter lässt Teile der Aktionärsklage gegen Novo Nordisk zu, mitten im Abwehrkampf gegen Eli Lilly.
- US-Richter lässt zentrale Aktionärsklage gegen Novo Nordisk zu
- Anleger werfen dem Konzern irreführende Angaben zur CagriSema-Studie vor
- Parallel läuft ein Rechtsstreit mit Eli Lilly wegen Werbeaussagen
Ein US-Bundesrichter hat entschieden, dass sich Novo Nordisk einem zentralen Betrugsvorwurf im Zusammenhang mit der Studie zum Abnehm- und Diabetesmedikament CagriSema stellen muss. Wie Reuters berichtet, wies US-Bezirksrichter Robert Kirsch in Trenton (New Jersey) mehrere Teile der Aktionärsklage ab, ließ den Kern der Vorwürfe jedoch zu.
Die Novo-Nordisk-Aktie zeigt sich positiv und steigt zeitweise 0,56 Prozent auf 337,28 DKK. Parallel befindet sich der Konzern in einem Rechtsstreit mit dem US-Konkurrenten Eli Lilly.
Aktionäre sehen sich über Studiendesign getäuscht
Auslöser der Klage ist der starke Kursrückgang der Novo-Nordisk-ADRs am 20. Dezember 2024. Damals hatte Novo Nordisk mitgeteilt, dass CagriSema in der Studie "Redefine 1" einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20,4 Prozent erreicht habe. Damit blieb das Ergebnis sowohl unter dem unternehmenseigenen Ziel von 25 Prozent als auch unter der von Investoren häufig als Vergleich herangezogenen Marke von 22,5 Prozent für das Konkurrenzpräparat Zepbound von Eli Lilly.
Die Kläger werfen Novo Nordisk außerdem vor, das Studiendesign nachträglich verändert zu haben. Statt einer festen Dosierung hätten die Teilnehmer ihre CagriSema-Dosis selbst steuern dürfen, sodass lediglich 57 Prozent die höchste Dosierungsstufe erreichten. Nach Ansicht der Kläger habe dies Zweifel an der Verträglichkeit des Medikaments aufgeworfen, die gegenüber Anlegern nicht ausreichend offengelegt worden seien.
Richter lässt Kernvorwurf zu
Nach Angaben von Reuters sieht das Gericht ausreichende Anhaltspunkte dafür, dass Martin Holst Lange, damals Entwicklungschef und heute Chief Scientific Officer von Novo Nordisk, die Verträglichkeit von CagriSema irreführend dargestellt haben könnte, indem er den Eindruck eines unveränderten Dosierungsschemas vermittelte.
Andere Teile der Klage wies Richter Kirsch hingegen ab. Dazu zählen Vorwürfe angeblich irreführender Aussagen zu festen Dosierungen. Auch Langes Prognose eines Gewichtsverlusts von mindestens 25 Prozent wertete das Gericht als unverbindliche Zielsetzung und nicht als Grundlage für einen Betrugsvorwurf. Über die inhaltliche Berechtigung der verbliebenen Vorwürfe wurde damit noch nicht entschieden. Novo Nordisk äußerte sich auf Anfrage von Reuters zunächst nicht zu dem Beschluss.
Parallel läuft Rechtsstreit mit Eli Lilly
Die Entscheidung fällt in eine Phase verschärften Wettbewerbs auf dem Markt für Abnehmmedikamente. Novo Nordisk hatte seinerseits am 21. Juli Eli Lilly wegen aus Sicht des Unternehmens irreführender Werbung verklagt. Dabei geht es um Werbeaussagen, in denen höhere Dosierungen der Präparate Zepbound und Mounjaro niedrigeren Dosierungen von Wegovy und Ozempic gegenübergestellt worden sein sollen.
Über den Antrag von Novo Nordisk auf eine einstweilige Verfügung gegen diese Werbekampagne soll ein Bundesrichter in Trenton am 27. August entscheiden.
Der Ausgang beider Verfahren ist derzeit offen. Weder über die verbliebenen Vorwürfe in der CagriSema-Klage noch über den Antrag gegen Eli Lilly wurde bislang in der Sache entschieden. Die Rechtsunsicherheit für beide Unternehmen dürfte daher zunächst bestehen bleiben.
Benedict Kurschat, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: JHVEPhoto / Shutterstock.com, Novo Nordisk