S&P 500 vor der Sommerkorrektur? Warum Aktien aus diesen Sektoren jetzt profitieren könnten
Der S&P 500 sendet ein charttechnisches Warnsignal. Diese Sektoren könnten laut Experten nun zu den Gewinnern zählen.
- Zehnjahresrendite steigt auf höchsten Wochenschluss seit Januar 2025
- Ölpreis und Dollarindex brechen technisch klar nach oben aus
- Diese Aktien gelten laut Charttechnikern als Ausweichziele
Eine seltene Häufung von drei technischen Ausbrüchen hat den US-Aktienmarkt zuletzt unter Druck gesetzt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, der Ölpreis und der US-Dollar durchbrachen laut MarketWatch in der vergangenen Woche wichtige Widerstandsmarken, während der Iran-Konflikt zusätzlich für Nervosität sorgte. Der S&P 500 fiel daraufhin unter seine 50-Tage-Linie, ein Signal, das viele Chartanalysten als Warnzeichen für kurzfristige Trends werten. Zusätzlichen Druck brachten enttäuschende Quartalszahlen von Alphabet und Tesla, die auf die Technologiebranche und den Trend rund um künstliche Intelligenz drückten.
Drei Ausbrüche als Warnsignal
Am deutlichsten zeigt sich die Verschiebung bei der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die üblicherweise auch die Hypothekenzinsen in den USA beeinflusst. Wie MarketWatch berichtet überwand sie Ende Juli den bisherigen Schlusskurs-Widerstand vom 19. Mai bei 4,66 Prozent und beendete die 30. Kalenderwoche bei 4,68 Prozent, dem höchsten Wochenschluss seit Januar 2025. Auch der Ölpreis der Sorte WTI kletterte über seine 50-Tage-Linie. Der ICE US-Dollar-Index bestätigte zudem den Ausbruch aus einer langfristigen Konsolidierung, nachdem ein Flaggenmuster im Juni und Juli den vorherigen Aufwärtstrend erneut bestätigt hatte.
S&P 500 verliert wichtige Trendlinie
Die Kombination dieser drei Ausbrüche bezeichnet Craig Johnson, Chef-Charttechniker bei Piper Sandler, gemäß MarketWatch als technisches Dreifachsignal für den Gesamtmarkt. Es drückte den S&P 500 unter seine 50-Tage-Linie und damit unter eine Marke, an der sich viele Marktteilnehmer orientieren. Johnson spricht von einer "möglichen Korrektur in diesem Sommer". Gleichzeitig sieht er in dem Rückschlag auch eine Chance: Nach seiner Einschätzung könnte er zu einer defensiveren Umschichtung in Sektoren führen, die charttechnisch bereits Stärke zeigen.
Energie- und Finanzwerte als mögliche Ausweichziele
Der Energiesektor zählt laut MarketWatch zu den möglichen Nutznießern dieser Umschichtung: Der Energy Select Sector SPDR ETF (XLE) kletterte zeitweise über seine 50-Tage-Linie und nähert sich dem Ausbruch aus einem Flaggenmuster in Richtung des vorherigen Aufwärtstrends. Noch stärker falle die Chartlage beim Finanzsektor aus: Der Financial Select Sector SPDR ETF (XLF) markierte im Juli ein Rekordhoch, nachdem seine 50-Tage-Linie Anfang Juni einen wichtigen Unterstützungstest bestanden hatte. Fundamental untermauert wird das durch die Berichtssaison: Wie MarketWatch berichtet übertraf der Finanzsektor laut FactSet-Analyst John Butters die Erwartungen für das zweite Quartal deutlich und wies das größte Umsatzwachstum aller elf Sektoren im S&P 500 auf. Steigende langfristige Zinsen kommen Banken zusätzlich zugute, weil sie die Zinsspanne zwischen langlaufenden Ausleihungen und kurzfristiger Refinanzierung vergrößern, heißt es.
Auch Industrie, Versorger und Gesundheit gefragt
Neben Energie- und Finanzwerten verwies Johnson laut MarketWatch auch auf Industrie-, Versorger- und Gesundheitswerte, die zuletzt relative Stärke oberhalb ihrer jeweiligen 50-Tage-Linien zeigten. Für Anleger, die trotz der Warnsignale investiert bleiben wollen, liefert das zumindest Anhaltspunkte, in welchen Marktbereichen sich die Kursbewegung von der breiten Schwäche des Gesamtmarkts abkoppelt.
Ob sich die Sektorrotation fortsetzt, dürfte sich in den kommenden Wochen vor allem am Ölpreis zeigen. Ein nachhaltiger Anstieg über die Mai-Hochs zwischen 105 und 107 US-Dollar würde den Aufwärtstrend bestätigen, während ein Rückfall unter die 50-Tage-Linie bei rund 84 US-Dollar die charttechnische These wieder infrage stellen würde.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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