KOSPI mit Aktien von SK hynix und Samsung im Rallymodus: Wie US-Tech-Zahlen den starken Rebound erklären
Nach zuletzt kräftigen Verlusten drehen Südkoreas Chip-Schwergewichte vor dem Wochenende in den Rally-Modus, ausgelöst von Zahlen, die tausende Kilometer entfernt veröffentlicht wurden.
- Aktien von SK hynix und Samsung gewinnen ja rund 30 Prozent nach zuvor tagelangem Ausverkauf
- Microsoft und Amazon übertreffen mit starkem Cloud-Wachstum die Erwartungen
- Analysten sehen trotz Erholung weiter Sorgen um KI-Investitionen und Bewertung
Nach dem schärfsten Kursverfall des laufenden Jahres kehrt sich die Stimmung bei Südkoreas Speicherchip-Riesen vor dem Wochenende abrupt um. Die Aktien von SK hynix und Samsung Electronics schießen am Freitag kräftig nach oben, das Papier von SK hynix klettert bis zur Schlussglocke um 29,95 Prozent auf 1.718.000 KRW, während Anteilsscheine von Samsung um 26,81 Prozent auf 262.500 KRW hochschossen. Die beiden südkoreanischen Tech-Giganten trieben dadurch auch den KOSPI an, der schlussendlich um 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte kräftig zulegte. Der Auslöser für diese Kehrtwende kam jedoch nicht aus Seoul, sondern aus Redmond und Seattle: Microsoft und Amazon haben mit ihren Quartalszahlen nämlich genau jene Sorge zumindest vorerst zerstreut, die zuvor den Ausverkauf bei Speicherchip-Aktien befeuert hatte, nämlich die Frage, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz überhaupt auszahlen.
Was Microsoft und Amazon vorgemacht haben
Microsoft legte bereits am Mittwoch seine Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor und übertraf mit 90,01 Milliarden US-Dollar Umsatz den Konsens von rund 87,6 Milliarden deutlich. Die Cloud-Sparte Azure wuchs um 43 Prozent, mehr als von Analysten erwartet, während das Unternehmen seine Investitionsausgaben nahe der bisherigen Prognose hielt. Einen Tag später, am gestrigen Donnerstag, meldete Amazon einen Umsatz von 200,6 Milliarden US-Dollar und übertraf damit den Konsens von etwa 196,5 Milliarden. Die Cloud-Sparte AWS wuchs um 37 Prozent - das schnellste Tempo seit 18 Quartalen und deutlich über der von Analysten erwarteten Rate von rund 31 Prozent. Beide Konzerne zeigten damit, dass sich die milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren bereits im Wachstum niederschlagen.
Doch nicht jede Reaktion fiel positiv aus. Meta Platforms, das am selben Abend wie Microsoft berichtete, steigerte den Umsatz um rund 28 Prozent, wurde vom Markt aber mit deutlichen Kursverlusten abgestraft, weil Anleger die Marge des Konzerns kritisch sahen. Die pauschale Lesart eines branchenweiten Freibriefs für KI-Ausgaben greift damit zu kurz: Der Markt belohnt derzeit selektiv jene Konzerne, deren Cloud-Wachstum die Investitionen sichtbar rechtfertigt, und straft jene ab, bei denen die Rendite noch nicht erkennbar ist.
SK hynix-Aktie und Samsung-Aktie: Rekordzahlen als Ausgangspunkt, nicht als Auslöser
Der vorherige Ausverkauf bei SK hynix und Samsung in der laufenden Woche fiel bemerkenswerterweise in eine Phase, in der beide Unternehmen selbst Rekordergebnisse gemeldet hatten. SK hynix wies am Mittwoch für das zweite Quartal einen Umsatz von 79,32 Billionen Won aus, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, der operative Gewinn stieg um 557 Prozent auf 60,54 Billionen Won. Beide Werte verfehlten dennoch die Analystenschätzungen, unter anderem weil Auslieferungen des neuen Speicherchips HBM4 laut Unternehmensangaben teilweise ins zweite Halbjahr verschoben wurden. Samsung Electronics legte gestern ebenfalls Rekordzahlen vor: Der Umsatz stieg um 130 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 171,5 Billionen Won, der operative Gewinn kletterte um 1.814 Prozent auf 89,5 Billionen Won.
Der vorangegangene Kurseinbruch speiste sich damit weniger aus schwachen Geschäftszahlen als aus der Sorge, ob die Bewertungen der Speicherchip-Branche der KI-Nachfrage bereits vorausgeeilt sind, verstärkt durch stark gehebelte Positionen einzelner Anleger.
Warum die Erholung nicht unumstritten ist
Der Kurssturz der vergangenen Handelstage hatte an der Korea Exchange bereits einen Handelsstopp ausgelöst, ein Hinweis auf die Rolle gehebelter Positionen im aktuellen Marktumfeld. Finanzminister Koo Yun-cheol kündigte am Mittwoch an, mögliche Regeländerungen für gehebelte Aktienprodukte zu prüfen, um die Marktstabilität zu verbessern. Die Erholung bei SK hynix, Samsung und dem KOSPI fällt damit in ein Umfeld, das strukturell weiterhin störanfällig bleibt: Ein Großteil der Bewegung dürfte auf das Eindecken leerverkaufter beziehungsweise gehebelter Positionen zurückgehen und nicht allein auf eine veränderte fundamentale Einschätzung der Speicherchip-Nachfrage.
Ob sich die Erholung stabilisiert, dürfte sich auch daran zeigen, ob die südkoreanische Regierung die von Koo Yun-cheol in Aussicht gestellte Prüfung strengerer Regeln für gehebelte Aktienprodukte tatsächlich umsetzt und wie SK hynix und Samsung im weiteren Jahresverlauf über den Hochlauf der nächsten HBM-Generation berichten.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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