Wird Warren Buffetts Fehler korrigiert? Warum Greg Abel bei der McDonald's-Aktie wieder zugreifen könnte
Warren Buffett nannte den Ausstieg bei McDonald's einst seinen eigenen Fehler. Jetzt wächst die Spekulation, ob Nachfolger Greg Abel das Kapitel neu aufschlägt.
- Berkshire Hathaway verkaufte sein McDonald's Paket Ende der 1990er Jahre
- Warren Buffett nannte den Ausstieg selbst einen großen Fehler
- Abel sitzt auf einem Kassenbestand in Rekordhöhe von 397 Milliarden US-Dollar
Ein Fehler, den Warren Buffett nie schönredete, rückt wieder in den Fokus der Anleger: Berkshire Hathaway trennte sich Ende der 1990er Jahre von seinem Aktienpaket an McDonald's. Nun hält "The Motley Fool" es für wahrscheinlich, dass Nachfolger Greg Abel die Fast-Food-Kette zurück ins Portfolio holt. Für Anleger, die Abels Kapitalstrategie verfolgen, ist das mehr als ein Gedankenspiel. Es zeigt, nach welchem Muster der neue Berkshire-Chef sein Rekordkapital von rund 397 Milliarden US-Dollar einsetzen könnte.
Warum die McDonald's-Aktie ins Beuteschema von Berkshire passt
Hinter der Burger-Kette steckt laut "The Motley Fool" im Kern ein Immobilien- und Lizenzgeschäft im Fast-Food-Gewand. Rund 95 Prozent der Restaurants werden von Franchisenehmern betrieben, McDonald's selbst kassiert margenstarke Gebühren und Mieten, während die Betreiber das operative Risiko tragen. Daraus entsteht ein kapitalschonendes, gut planbares Geschäft, genau jene Qualität, nach der Buffett sein gesamtes Berufsleben gesucht hat. Dazu kommen eine der bekanntesten Marken der Welt, spürbare Preissetzungsmacht und eine Dividende, die seit fast 50 Jahren in Folge steigt. Ein breiter Burggraben, verlässliche Gewinne und wachsende Ausschüttungen - das ist genau das Profil, für das Berkshire Hathaway eigentlich steht.
Ein Fehler ohne Ablaufdatum
Schmerzhaft wird die Geschichte dadurch, dass Buffett die Qualität des Geschäfts durchaus erkannt hatte. Ende 1996 hielt Berkshire rund 30 Millionen McDonald's-Aktien, ein Anteil von 4,3 Prozent im Wert von etwa 1,4 Milliarden US-Dollar. Innerhalb von zwei Jahren verkaufte Buffett die gesamte Position und räumte den Fehler in seinem Aktionärsbrief von 1998 unumwunden ein. Das Aktienpaket wäre heute nach Berechnungen von "The Motley Fool" mehr als 10 Milliarden US-Dollar wert, ohne die Dividenden der vergangenen Jahrzehnte mitzurechnen.
Was Abel als Berkshire Chef bereits gezeigt hat
Seit Jahresanfang führt Abel die Geschäfte, während Buffett als Chairman im Hintergrund bleibt. Schon seine erste große Übernahme, ein Wohnungsbauunternehmen für rund 6,8 Milliarden US-Dollar, lief nach Berichten von CNBC bemerkenswert zügig und ohne große Abstimmung mit Buffett. Dieser lobte öffentlich, wie CNBC berichtet: "Er hat das schneller und reibungsloser hinbekommen, als ich es je gekonnt hätte."
Im ersten Quartal 2026 wuchsen zugleich die Cash-Reserven des Konzerns auf ein Rekordniveau von rund 397 Milliarden US-Dollar, während Berkshire weiterhin mehr Aktien verkaufte als kaufte. Genau diese Kombination aus Kaufbereitschaft bei Qualität und Geduld bei der Bewertung ist das Muster, in das ein McDonald's-Rückkauf passen würde.
Die Grenzen der Prognose
"The Motley Fool" macht dabei selbst deutlich, dass es sich lediglich um eine Prognose handelt, keine Gewissheit. McDonald's ist nicht günstig bewertet - und Berkshire könnte anderswo attraktivere Gelegenheiten finden. Auch der Konzern selbst ist mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis nahe dem eigenen Zehnjahresschnitt derzeit weder ein Schnäppchen noch überteuert. Ob Abel tatsächlich zugreift, bleibt daher offen, das Argument zielt weniger auf eine konkrete Wette als auf das Muster, nach dem der neue Chef investiert.
Der nächste Pflichttermin für Beobachter ist die 13F-Meldung zum zweiten Quartal, die Mitte August fällig wird. Erst dort würde sich zeigen, ob Abel bei McDonald's oder einem vergleichbaren Titel bereits eingestiegen ist.
Berkshire Hathaway bewegt sich mit seinen Barreserven in Rekordhöhe in einem historisch hoch bewerteten Marktumfeld, ein verfrühter oder überteuerter Einstieg bei McDonald's würde kurzfristig auf die Kapitalrendite drücken.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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