Deutschland steuert auf massives Wohnproblem für Senioren zu
BERLIN (Dow Jones)--Deutschland steht laut einer Wohnungsbau-Studie des Pestel-Instituts ein "massives Alters-Wohnproblem" bevor und steuert ohne politische Gegensteuern beim Wohnungsbau in ein Desaster. Über 21 Millionen Menschen würden in 20 Jahren zur Altersgruppe 67plus gehören. Dabei prallten steigende Wohnkosten auf stagnierende Einkommen.
"Die Konsequenz daraus wären eigentlich massenhaft Umzüge in kleinere - also günstigere - Wohnungen. Aber genau davon gibt es zu wenige: Deutschland steuert sehenden Auges auf die 'Graue Wohnungsnot' zu. Seniorenwohnungen sind Mangelware Nummer eins", warnte der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil an Senioren, die für ihren Lebensunterhalt auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, in den kommenden 15 Jahren deutlich steigen wird. Wenn die Wohnkosten - auch durch die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen - weiter wie im Tempo der letzten Jahre steigen sollten, würden viele Senioren, die damit heute längst noch nicht rechnen, ihren Konsum einschränken müssen.
"Für die Senioren von morgen - und das sind insbesondere die geburtenstarken Jahrgänge - wird es finanziell eng", sagte Günther. Deutschland fehlten aktuell bereits 700.000 Wohnungen. "Der Wohnungsmarkt ist schon jetzt am Ende. Wenn politisch nicht ganz schnell und enorm viel für den Neubau und den Umbau getan wird, droht Deutschland endgültig ein Desaster beim Wohnen", so der Experte.
Die Bundesregierung konzentriere sich derzeit stark auf den Klimaschutz. Dabei drohe das seniorengerechte Bauen und Sanieren in Vergessenheit zu geraten. Das Institut fordert von Bund und Ländern daher eine Doppelsanierungsstrategie, um dringend gebrauchte Seniorenwohnungen zu schaffen. Senioren- und Klimaschutz-Sanierungen müssten gekoppelt werden.