DIHK: Digitalisierung tritt laut Umfrage auf der Stelle


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die Unternehmen bleiben bei einer durchwachsenen Selbsteinschätzung in puncto Digitalisierung. Wie auch im Vorjahr gaben sie in einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Digitalisierungsstand im Durchschnitt die Note "befriedigend" (2,9), wie die DIHK mitteilte. Dabei setzen die Betriebe vieles daran aufzuholen. Angesichts der schnellen Entwicklung der Technologie und wirtschaftlicher Herausforderungen gelinge der Sprung nach vorn aber kaum. So gäben 37 Prozent nach 36 Prozent im Vorjahr einen Mangel an zeitlichen und unverändert 34 Prozent einen Mangel an finanziellen Ressourcen als Haupthemmnis der digitalen Transformation an.

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"Durch steigende Preise und Fachkräftemangel werden die Unternehmen gezwungen, bei ihren eigenen Digitalisierungsbemühungen Prioritäten zu setzen", so DIHK-Hauptgeschäftsführungsmitglied Ilja Nothnagel. "Beim Blick in die Motive für Digitalisierung macht sich das starke Bedürfnis der Unternehmen für Effizienz und Flexibilität bemerkbar." 43 Prozent der Unternehmen nach 39 Prozent im Vorjahr wollten so ihre laufenden Kosten senken, 75 Prozent nach zuvor 51 Prozent nutzten die Digitalisierung zur Flexibilisierung von Arbeitsabläufen - etwa durch ortsunabhängige Inspektion mithilfe von Virtual-Reality-Brillen. Auch ein starker Anstieg des mobilen Arbeitens fließe hier mit ein.

Die Fokussierung auf Flexibilität und Effizienz schränke den Spielraum für innovative Entwicklungen und neue Geschäftsmodelle ein, so die Umfrage unter mehr als 4.000 bundesweiten Betrieben, die laut DIHK zu ihren eigenen Motiven und Herausforderungen bei der Umsetzung der Digitalisierung befragt wurden. So seien Themen wie strategische Unternehmensentwicklung (32 Prozent nach 37 Prozent im Vorjahr), Nutzensteigerung (28 nach zuvor 30 Prozent) oder Neuentwicklungen (26 nach 31 Prozent) rückläufig gegenüber dem Vorjahr. "Das zeigt, dass die Unternehmen zwar in schrittweise Veränderungen investieren, große strategische Sprünge allerdings derzeit hintenanstellen müssen."

Mangel an IT-Fachkräften als Hemmnis

Neben den unternehmensinternen Herausforderungen hemmten auch externe Faktoren die zügige Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben: 21 Prozent der Unternehmen klagten über den anhaltenden Mangel an IT-Fachkräften. Vor allem Betriebe mit mehr als 1.000 Beschäftigten nennen den IT-Fachkräftemangel laut den Angaben mit 34 Prozent sogar als zweitgrößte Herausforderung. Regularien und bürokratischer Aufwand werden demnach als weitere Hemmnisse genannt: So verspürten 16 Prozent der Unternehmen große Unsicherheit bei der Umsetzung rechtlicher Vorgaben, bei den kleineren Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sogar 23 Prozent.

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Mit voranschreitender Digitalisierung, Datennutzung und Vernetzung nimmt laut der Erhebung auch das Risiko für Unternehmen zu, Opfer von digitaler Erpressung, Sabotage und Spionage zu werden. Sicherheitsrisiken blieben für die Unternehmen daher große Herausforderungen (20 Prozent nach 23 Prozent im Vorjahr). Zwar hätten die Unternehmen dieses Risiko häufig bereits erkannt und technische Vorkehrungen getroffen. Doch das Risiko bleibe bestehen - wie nicht zuletzt die jüngsten Attacken zeigten. Um die Herausforderungen meistern zu können, benötigen die Unternehmen auch Veränderungen bei den Rahmenbedingungen.

"Die Politik darf digitalpolitische Vorhaben nicht auf die lange Bank schieben", forderte Nothnagel. "Was wir jetzt brauchen, sind praxistaugliche regulatorische Anforderungen, die angemessen und rechtssicher ausgestaltet sind." Besonders datenschutzrechtliche Unklarheiten müssten beseitigt werden. Prozesse vor allem zwischen Unternehmen und Verwaltungen sollten schnell und digital abgewickelt werden können. "Die Unternehmen brauchen ein breites Unterstützungsangebot", forderte er. Benötigt würden neben spezifischen Anlaufstellen und Fördermöglichkeiten vor allem niedrigschwellige Basisangebote für die ersten Schritte. Darüber hinaus seien Kompetenzaufbau und leistungsfähiges Internet weitere wichtige Voraussetzungen.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/jhe

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February 14, 2023 04:00 ET (09:00 GMT)