DIHK: Immer mehr Betriebe von Azubi-Mangel betroffen
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt für Unternehmen nach einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) angespannt. Immer mehr Betriebe fänden nicht genügend Auszubildende, teilte die Kammerorganisation mit. Mit einem neuen Allzeithoch von 47 Prozent sei knapp die Hälfte der Ausbildungsbetriebe im Bereich der Industrie- und Handelskammern (IHK) betroffen. Bei mehr als 30.000 Betrieben sei noch nicht einmal eine Bewerbung angekommen. Besonders vergeblich suchten Gastronomie, Industrie und Handel nach Auszubildenden, so die aktuelle Ausbildungsumfrage der DIHK, die auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres fuße.
"Doch es gibt auch erfreuliche Entwicklungen: Die aktuellen Zahlen zu Ausbildungsvertragsabschlüssen von Ende Juli sind leicht positiv. Es bestehen insgesamt gute Aussichten, dass 2023 mehr Betriebe und Azubis über einen Ausbildungsvertrag zueinander finden als im Vorjahr", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Bis Ende Juli seien knapp 207.000 neue Ausbildungsverträge im IHK-Bereich gezählt worden und damit 3,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. "Das ist ein Silberstreif am Horizont, aber noch lange keine Entspannung", betonte Dercks aber. Eine Prognose für das gesamte Jahr könne noch nicht abgegeben werden.
Die Gründe für die insgesamt weiter angespannte Lage am Ausbildungsmarkt seien vielfältig. "Vor allem schlägt der demografische Wandel durch. Die Jahrgänge dünnen immer weiter aus", so Dercks. Heute gebe es rund 100.000 weniger Schulabgängerinnen und Schulabgänger als noch vor zehn Jahren. Das führe unter anderem dazu, dass bald bis zu 400.000 Beschäftigte mehr den Arbeitsmarkt verließen als neue hinzukämen. "Es gibt zudem eine Zwischenphase nach dem Schulabschluss, in der viele junge Menschen noch nicht wissen, was sie machen sollen", erklärte Dercks. "Sie gehen auf Reisen, fangen ein Studium an oder bleiben erst einmal ohne Beschäftigung zuhause."
Die mangelnde berufliche Orientierung sei deshalb ein zweites großes Problem für den Ausbildungsmarkt. Um dem entgegenzuwirken, wollten acht von zehn Unternehmen ihr Engagement auf diesem Gebiet intensivieren. Konkret bieten laut Umfrage 61 Prozent der Unternehmen mehr Praktikumsplätze und damit praktische Einblicke in den Betriebsalltag an. Auch das Angebot an Veranstaltungen (48 Prozent) und digitalen Möglichkeiten (26 Prozent) steige. Mehr Ausbildungsbotschafter und Azubiscout-Angebote wollen demnach 16 Prozent der Betriebe nutzen, um zielgruppengerecht für die beruflichen Perspektiven einer dualen Berufsausbildung zu werben.
"Viele Unternehmen strengen sich sehr an, Nachwuchskräfte zu finden und an sich zu binden", konstatierte Dercks. "Die Bedürfnisse der Azubis stehen dabei immer häufiger im Vordergrund." Arbeiten in flachen Hierarchien (62 Prozent) und mit moderner IT-Technik (49 Prozent) seien Maßnahmen, mit denen die Betriebe auf die Wünsche eingingen. Finanzielle Anreize wie durch Zuschüsse zur Mobilität oder zum Wohnen wollten 42 Prozent der Unternehmen anbieten. Dercks rief die Politik auf, das Engagement der Unternehmen zu unterstützen. Die Lehrpläne in den Jahren vor dem Schulabschluss sollten etwa die berufliche Orientierung stärker berücksichtigen.