DIHK: Stimmung in der Automobilindustrie hat sich gebessert
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Zu Jahresbeginn hat sich die Stimmung in der Automobilindustrie im Vergleich zum Herbst laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) "merklich gebessert". Überschwänglicher Optimismus sei aber unpassend, denn zahlreiche Risiken könnten der Branche weiteres Ungemach bereiten. Wie eine DIHK-Sonderauswertung der Konjunkturumfrage zeigt, erholt sich die Automobilindustrie zu Jahresbeginn leicht, aufgrund nachlassender Lieferengpässe und aufgehellter Exporterwartungen. Gleichzeitig bleibe die Zukunft unsicher, denn strukturelle Herausforderungen wie der Fachkräftemangel oder die langfristige Energiesicherheit seien ungelöst.
In der Umfrage liegen die Bewertungen der Geschäftslage nach Angaben der Kammerorganisation unter dem 20-Jahres-Durchschnitt. Dennoch bewerteten 31 Prozent der Kraftfahrzeugbauer ihre derzeitige Lage als gut. Dieser Anteil liege deutlich über dem jener Unternehmen mit negativer Geschäftslage (13 Prozent). Die positiveren Erwartungen bezüglich der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten beruhten insbesondere auf einem deutlichen Rückgang der pessimistischen Einschätzungen.
Nur noch 12 Prozent der Kraftfahrzeugbauer gingen von einer Verschlechterung ihrer Geschäfte aus, im Herbst sei es noch genau die Hälfte der Unternehmen gewesen. Hingegen sei der Anteil der Optimisten auf 19 Prozent angewachsen. Die Geschäftserwartungen entsprächen damit etwa dem langjährigen Schnitt. Leicht über dem Durchschnitt bewegten sich die Zulieferer: Hätten hier noch im Herbst fast 60 Prozent pessimistisch in die Zukunft geblickt, seien es mittlerweile nur noch 11 Prozent. Hier habe sich der Anteil der Optimisten von 7 auf 15 Prozent mehr als verdoppelt.
"Dem verhaltenen Optimismus in der Automobilindustrie stehen jedoch Risiken und Lasten gegenüber", betonte die DIHK. Nach drei Jahren Corona-, Lieferketten- und Energiepreiskrise sei die Finanzlage der Autobauer angespannt: 37 Prozent meldeten eine problematische Finanzlage, darunter insbesondere Liquiditätsengpässe und Eigenkapitalrückgänge. Zusätzliche Belastungen verursachten auch die zur Inflationsbekämpfung angehoben Zinsen: 13 Prozent der Unternehmen beklagten einen erschwerten Fremdkapitalzugang und jeder zehnte Betrieb eine hohe Fremdkapitalbelastung.
Noch stärker trübten strukturelle Risiken die Aussicht: Das mit Abstand größte Geschäftsrisiko bleibe trotz zuletzt gesunkener Strom- und Gaspreise das Risiko Energie- und Rohstoffpreise mit 93 Prozent. Mehr als jedes zehnte Unternehmen gab laut DIHK an, deswegen Produktion ins Ausland verlagern zu müssen. Bei den Zulieferern seien es sogar 14 Prozent. Zudem habe der Fachkräftemangel in der Branche einen Höchststand erreicht (64 Prozent). Darüber hinaus sähen drei von fünf Unternehmen auch in den gestiegenen Arbeitskosten ein ernstzunehmendes Geschäftsrisiko.
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March 07, 2023 04:52 ET (09:52 GMT)