DIW-Konjunkturbarometer geht im Juni erneut zurück


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt im Juni bei 89,5 Punkten und ist somit gegenüber Mai noch einmal leicht gefallen. "Immer noch liegt der Wert deutlich unter der neutralen 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum angibt", betonte das Institut. Der jüngste Rückgang sei vor allem auf eine pessimistischere Stimmung in den Unternehmen zurückzuführen, deren Geschäftserwartungen sich laut Umfragen zuletzt merklich eingetrübt hätten. Aus dieser Momentaufnahme müsse aber nicht zwingend eine schlechtere wirtschaftliche Lage folgen.

Werbung

"Die weitere Entwicklung hängt insbesondere davon ab, ob die Weltwirtschaft wie vom DIW Berlin erwartet weiter moderat expandiert und die Inflation schrittweise zurückgeht", sagte Timm Bönke, Co-Leiter des Bereichs Prognose und Konjunkturpolitik im DIW. "Eine geringere Teuerung würde vor allem die Kaufkraft der Haushalte und den privaten Konsum stützen." Starke Zuwächse bei den Bruttolöhnen und -gehältern dürften nach Erwartung des Instituts im Zusammenspiel mit steuerlichen Entlastungen wie Inflationsausgleichsprämie, die Kauflaune der Haushalte über den Sommer ankurbeln.

Vor allem bei der Industrie habe sich die Lage zuletzt verdüstert. Zwar stütze der noch hohe Auftragsbestand, der dank einer deutlichen Entspannung bei den Lieferketten vermehrt abgearbeitet werden könne, die Produktion. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland seien allerdings im Frühjahr etwas rückläufig gewesen, sodass auch der Auftragsbestand leicht gesunken sei. Dämpfend insbesondere auf die Investitionstätigkeit wirkten zudem die deutlichen Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank.

"Angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft und der nach wie vor steigenden Zinsen ist kurzfristig nicht mit einer Verbesserung der Lage zu rechnen", erklärte DIW-Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt. Im Zuge der vom DIW erwarteten weltwirtschaftlichen Erholung dürfte die Industrie in der zweiten Jahreshälfte aber wieder etwas positivere Impulse für die deutsche Wirtschaft liefern. Bei den Dienstleistungen sei die Stimmung etwas besser als in der Industrie, doch auch hier hätten sich die Aussichten eingetrübt. Das Konsumklima habe zwar die Talsohle durchschritten, aber die Verbraucher blickten immer noch pessimistisch in die Zukunft.

Werbung

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/apo

(END) Dow Jones Newswires

June 28, 2023 04:46 ET (08:46 GMT)