DIW-Konjunkturbarometer überwindet Marke von 100 Punkten
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat im April einen deutlichen Sprung auf nun 101,5 Punkte gemacht - fast 10 mehr als im März. Damit liege der Barometerwert erstmals seit gut einem Jahr wieder leicht über der neutralen 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeige, betonte das Institut.
"Nach dem Einbruch zum Jahreswechsel dürfte nun der erhoffte Aufschwung einsetzen", sagte DIW-Konjunkturforscher Timm Bönke. Dabei werde vor allem die anziehende Industrieproduktion - auch in den energieintensiven Wirtschaftszweigen - zum Wachstum beitragen.
"Zu Euphorie sollte das aber nicht verleiten", so DIW-Konjunkturforscherin Geraldine Dany-Knedlik. Zwar hätten die zuletzt wieder niedrigeren Energiepreise sowie die stärkere Auslandsnachfrage die Produktion gestärkt. Allerdings lasteten die hohe Inflation und damit weiterhin niedrige Reallöhne auf den verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte.
Insbesondere die deutsche Industrie befinde sich derzeit aber auf Erholungskurs. Die Unternehmen könnten wieder etwas zuversichtlicher auf das Jahr 2023 blicken. Dennoch sei nur mit einer allmählichen Verbesserung der Lage zu rechnen, da die nur allmählich wieder anlaufende Weltwirtschaft bremse. Dämpfend auf die Investitionstätigkeit wirkten darüber hinaus sowohl die weiterhin vorherrschende wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit als auch die deutlichen Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank.
Bei den Dienstleistungen seien die Geschäftserwartungen in Deutschland im April nach einer Aufholphase sogar wieder etwas zurückgegangen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze zuletzt leicht rückläufig gewesen. Das Konsumklima habe zwar die Talsohle durchschritten, aber es herrsche noch Pessimismus vor. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit weiterhin niedrig, was den privaten Verbrauch stütze. Die deutsche Wirtschaft spüre den Frühling, sie sei aber durch die hohe Inflation und die Energiekrise immer noch deutlich angeschlagen und dürfte in diesem Jahr keine allzu große Dynamik entfalten.
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April 26, 2023 04:32 ET (08:32 GMT)