Drittes Geschäftsquartal

KI-Boom reicht nicht: Margen-Enttäuschung schickt Infineon-Aktie tief ins Minus


KI-Boom reicht nicht: Margen-Enttäuschung schickt Infineon-Aktie tief ins Minus

Infineon hat seinen operativen Gewinn im dritten Geschäftsquartal 2025/26 wegen starker Nachfrage und eines Rekordumsatzes erheblich gesteigert.

"Immer mehr unserer Zielmärkte zeigen einen positiven Trend", sagte Vorstandschef Jochen Hanebeck. Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren blieben der wichtigste Wachstumstreiber, zusätzlich gäben weltweit steigende Investitionen in die Netzinfrastruktur Rückenwind. Auch im Automobilbereich zögen die Aufträge spürbar an, so der CEO.

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Infineon habe mit mehreren führenden Kunden aus dem Bereich der KI-Rechenzentren mehrjährige Vereinbarungen über Kapazitätsreservierungen geschlossen oder verhandele darüber. Diese umfassten ein Umsatzvolumen im insgesamt hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich und seien mit Vorauszahlungen verbunden.

Der operative Gewinn für die Monate April bis Juni - das sogenannte Segmentergebnis - erreichte 797 Millionen Euro und lag damit 22 Prozent über dem Wert von Januar bis März, wie der Halbleiterkonzern aus dem Großraum München mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 809 Millionen Euro Segmentergebnis gerechnet.

Bei einem Umsatz von 4,17 Milliarden Euro - ein Plus von 9 Prozent zum Vorquartal und laut CEO ein neuer Quartalsrekord - entspricht das einer Marge von 19,1 Prozent. Damit hat Infineon seine Quartalsziele erfüllt. Analysten hatten im Schnitt für das zweite Quartal mit 4,13 Milliarden Euro Umsatz und 19,6 Prozent Marge gerechnet.

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Die Jahresprognose wurde bestätigt, die Umsatzerwartung aber konkretisiert. Infineon peilt nunmehr 16,3 Milliarden Euro Umsatz an, das wäre ein Plus von 11 Prozent, nachdem bislang von einem deutlich steigenden Umsatz die Rede war. Das Wachstum im Automotive-Geschäft wird dabei unter dem Konzernschnitt erwartet. Die Segmentergebnismarge wird weiterhin bei rund 20 Prozent gesehen.

Im vierten Quartal wird ein Umsatz von rund 4,7 Milliarden Euro prognostiziert und die Segmentergebnismarge bei etwa 23 Prozent.

Infineon fährt sein KI-Geschäft im neuen Jahr "wesentlich" hoch

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Im Geschäft mit Leistungshalbleitern für die Stromversorgung klassischer KI-Rechenzentren wird Infineon in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro mehr Umsatz einfahren als bislang geplant. Für das neue Geschäftsjahr 2026/27 stellte Vorstandschef Jochen Hanebeck ebenfalls mehr als bisher geplant in Aussicht. Details werde es bei Vorlage der Bilanz im November geben, sagte er in der Telefonpressekonferenz zu den Drittquartalszahlen. "Wir erwarten, dass diese Anpassung wesentlich sein wird", so Hanebeck.

Bislang sahen die Planungen so aus, dass Infineon für das nächste Geschäftsjahr Kapazitäten für KI-Rechenzentren mit einem Umsatzvolumen von 2,5 Milliarden Euro schaffen wollte. "Dieser Teil unseres Geschäfts ist in Allokation", sagte Hanebeck. Die Nachfrage nach KI-Stromversorgungslösungen übersteige weiterhin das verfügbare Angebot.

Noch in diesem Jahr ergebe sich die Möglichkeit, das Umsatzvolumen in diesem Geschäft von bisher geplanten 1,5 auf 1,6 Milliarden Euro auszuweiten. "Das ist einfach dass hier unsere Operations einen guten Job gemacht hat und mehr herausbringt", so der Manager. So würden etwa Kapzitäten umgewidmet. In Dresden hat Infineon eine neue Fabrik eröffnet, wo derzeit die Anlagen hochgefahren werden.

Infineon gilt als führender Lieferant von Leistungshalbleitern für den Betrieb von KI-Rechenzentren. Mit mehreren Kunden wurden und werden aktuell Reservierungsvereinbarungen geschlossen, die nach Aussage von Hanebeck bestimmte Chip-Volumina festlegen, aber nicht den Preis. Insgesamt gehe es aber um ein Umsatzvolumen im insgesamt hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich. Außerdem gebe es gewisse Anzahlungen. Für Infineon steige dadurch die Planungssicherheit.

Infineon-Aktie fällt - Rekordumsatz stellt Anleger nicht zufrieden

Die Aktien von Infineon zollen am Mittwoch nach den vorgelegten Zahlen ihrer jüngsten Erholung wieder Tribut. Der Chipkonzern berichtete zwar von einem Rekordumsatz dank des KI-Booms, Börsianer sprachen aber dennoch von einem durchwachsenen Ergebnis im dritten Geschäftsquartal. Schwache Aspekte habe es mit Blick auf die Profitabilität gegeben.

Dies drückte den Kurs des Chipkonzerns am Mittwochdeutlich ins Minus nach einem kurzzeitig noch soliden Handelsauftakt: Die Aktie von Infineon geriet am Mittwoch via XETRA unter Druck und gab letztlich 5,71 Prozent auf 60,08 Euro nach. Seit dem Mehrmonatstief vom vergangenen Donnerstag hatten die Titel aber auch bis zu 19 Prozent zugelegt. Gleichzeitig zeichnen sich auch an der US-Börse Nasdaq Gewinnmitnahmen bei einigen Technologiewerten ab. Vor allem bewegen sich dort die Titel von SpaceX und AMD nach Zahlen vorbörslich stark im Minus.

Für das Geschäftsjahr wurde Infineon mit seiner Prognose etwas konkreter mit dem Ziel einer Umsatzsteigerung um elf Prozent, während die Margenprognose bekräftigt wurde. Im dritten Quartal habe die Profitabilität etwas unter dem Konsens gelegen, schloss der Jefferies-Experte Janardan Menon aus den Zahlen. Mit Blick auf das Schlussquartal hieß es auch, der Umsatzausblick wirke besser, während die Marge enttäusche.

Die operative Marge hatte sich im dritten Geschäftsquartal um zwei Prozentpunkte auf 19,1 Prozent verbessert. Andrew Gardiner von der Citigroup ordnete ein, dass sich die Konsenserwartungen durch ihren jüngsten Anstieg bereits der 20-Prozent-Marke genähert hätten. Fundamental entwickele sich der Konzern in die richtige Richtung, doch der Markt habe sich mit seinen Prognosen noch schneller verändert.

In der Summe ergab sich aus den Infineon-Zahlen am Mittwoch kein Treiber neuer KI-Fantasie, wie es ihn zuletzt vom KI-Datenunternehmen Palantir gegeben hatte. Die davon ausgelöste Rally müssen Anleger erst einmal verarbeiten, wie der fast unverändert erwartete Leitindex NASDAQ 100 zeigt. Im Falle von AMD hatten sich einige Analysten noch optimistischere Aussagen mit Blick auf die KI-Aussichten erhofft. Die Titel des Prozessor-Spezialisten büßten vorbörslich mehr als acht Prozent ein.

DOW JONES / FRANKFURT (dpa-AFX Broker)

Bildquellen: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images, 360b / Shutterstock.com

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