DSGV-Präsident fordert Hilfen für mittelständische Unternehmen


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat angesichts derzeit hoher Energiepreisbelastungen Hilfen für mittelständische Unternehmen angemahnt. "Die stark gestiegenen Preise für Gas und auch Strom bringen auch Unternehmen an den Rand der Belastungsgrenze, die an sich grundsolide aufgestellt sind. Wenn wir gemeinsam die wirtschaftliche Bedrohung durch Russland bestehen wollen, dann benötigen diese Unternehmen Hilfe", sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis bei der Vorstellung des S-Mittelstands-Fitnessindex, für den die Bilanzen für 2021 von über 300.000 Firmenkunden der Sparkassen-Finanzgruppe ausgewertet worden seien.

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Schleweis wies darauf hin, dass sich in der Corona-Phase öffentliche Förderprogramme als sehr effizientes Hilfsmittel erwiesen hätten. Wegen der Vielzahl der betroffenen Unternehmen sei jetzt aber eine klare Begrenzung der Energiepreise das wirksamste Mittel zur Unterstützung. Die wichtigste Aufgabe der Wirtschaftspolitik sei es deshalb, die Strom- und Gaspreise nach oben zu begrenzen und dafür zu sorgen, dass der Strompreis nicht mit einem politischen Gaspreis davongaloppiere. Zugleich forderte Schleweis konsequentes Sparen von Energie in Unternehmen und in Privathaushalten. "Wenn wir unsere industrielle Basis in Deutschland - und damit Arbeitsplätze - schützen wollen, dann müssen Unternehmen wie Privathaushalte im Durchschnitt mindestens 20 Prozent Energie einsparen."

Deutschland stünden zweifellos einige sehr schwierige Jahre bevor. "Die deutschen Unternehmen gehen solide und finanziell sehr robust in die bevorstehende Krise", betonte der DSGV-Präsident zwar. Durch den Krieg in der Ukraine und den Stopp der Gaslieferungen aus Russland müsse die deutsche Wirtschaft aber viel schneller als gedacht den Umbau Richtung Nachhaltigkeit bewerkstelligen. "Vor uns allen liegen anstrengende und in Teilen auch entbehrungsreiche Jahre. Wir sollten uns aber klarmachen: Aus zwingenden Gründen des Klimaschutzes hätten wir alle ohnehin Energieverbräuche reduzieren und hin zu regenerativen Energien umsteuern müssen", betonte er.

Die Herausforderung sei jetzt, dass dies in sehr kurzer Zeit und vor allem gleichzeitig stattfinden müsse. Schleweis zeigte sich bei einer Online-Pressekonferenz allerdings überzeugt, dass Deutschland in einigen Jahren besser als vor der aktuellen Krise dastehen könne, wenn diese Kraftanstrengung gelinge. Schleweis attestierte den mittelständischen Unternehmen, maßgeblich zur Krisenresilienz Deutschlands beizutragen. Nur mit diesen Unternehmen könne es eine erfolgreiche energetische Transformation geben. Mit einer Eigenkapitalquote von durchschnittlich "weiterhin knapp 40 Prozent" stehe das Kapital zur Verfügung, das für die anstehenden energetischen Investitionen nötig sei.

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Die Zinswende der Europäischen Zentralbank werde sich "erst auf lange Sicht als wesentlicher Faktor in der Kostenstruktur der Unternehmen auswirken". Über 80 Prozent der Sparkassenkredite an Unternehmen und Selbstständige seien langfristige Kredite mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Primär werde die Ertragslage von den Materialpreisen und von Lohnsteigerungen beeinflusst. Für einzelne Branchen, etwa die kapitalintensive Immobilienbranche, seien steigende Zinsen "allerdings durchaus eine ernstzunehmende Herausforderung", sagte Schleweis. Eine Insolvenzwelle sah der DSGV-Präsident anhand aktueller Daten nicht unmittelbar drohen. "Derzeit sind in unserem Frühwarnsystem noch keine Krisenzeichen zu sehen, aber sie sind auch nicht auszuschließen", sagte er.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

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September 13, 2022 05:30 ET (09:30 GMT)