TKMS-Aktie mit Rückenwind: Umsatz wächst kräftig - Jahresziele erhöht
Der Marineschiffbauer TKMS wird für das laufende Geschäftsjahr dank des anhaltenden Rüstungsbooms erneut optimistischer.
Vor allem bei Atlas Electronics sowie bei Überwasserschiffen geht das Unternehmen von einem starken Wachstum aus, wie die Tochter des Industriekonzerns thyssenkrupp am Mittwoch in Kiel mitteilte. Das U-Bootgeschäft dürfte hingegen moderat zulegen. In den ersten neun Monaten schnitt TKMS besser ab als erwartet. An den Mittelfristzielen halten die Kieler fest.
Die Nachfrage sei sehr stark, sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard in einer Konferenz. Jetzt gehe es auch stark darum, die Aufträge abzuarbeiten. "Alle haben Geld, aber keine Zeit mehr. Früher hatten sie alle Zeit, aber kein Geld." Auffällig sei infolge des Iran-Kriegs eine neue Nachfrage aus Anrainerstaaten des Persischen Golfs etwa zum Thema Minenräumung.
2025/26 (per Ende September) soll der Umsatz nun um 10 bis 12 Prozent steigen. Bislang hatte TKMS 2 bis 5 Prozent in Aussicht gestellt. Bereits nach dem ersten Quartal hatte TKMS seine Umsatzprognose erhöht. Die bereinigte Marge auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bis zu 6,5 Prozent erreichen. Hier standen bislang über 6 Prozent auf dem Zettel. Analysten erwarteten dabei bereits eine Marge von 6,4 Prozent.
Bernstein-Experte Adrien Rabier schrieb in einer ersten Einschätzung von "sehr starken Quartalszahlen". In Erwartung einer Beschleunigung im maritimen Elektroniksegment hält er es für möglich, dass der Marineschiffbauer im nächsten Quartal seine mittelfristigen Ziele aufstockt.
In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit legte von 98 Millionen auf 110 Millionen Euro zu. Unter anderem höhere Verwaltungskosten drückten die entsprechende Marge um 0,3 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Die Zahlen lagen über den Erwartungen der Analysten.
"Unsere operative Leistungsfähigkeit konnten wir noch einmal verbessern. Besonders im Segment Submarines, das den größten Anteil an unserem Orderbuch stellt, wurde das bereinigte Ebit um 300 Prozent gesteigert", erklärte Konzernchef Oliver Burkhardt.
Der Auftragseingang ging hingegen deutlich zurück: von 8,6 auf 3,6 Milliarden Euro. Allerdings hatte TKMS im Vorjahr von zwei Großaufträgen profitiert. Der Auftragsbestand liegt bei rund 20 Milliarden Euro.
Dabei dürfte TKMS in den kommenden Quartalen im Neugeschäft wieder deutlich zulegen. Nach Ende des Quartals wurde - wie bereits bekannt - der Vertrag über die Beschaffung von vier Fregatten mit Option auf vier weitere zur Stärkung der Deutschen Marine unterzeichnet. Dieser wird im vierten Quartal als Auftragseingang verbucht. Dabei handelt es sich den Angaben zufolge um den größten Überwasser-Auftrag in der Geschichte von TKMS.
Des Weiteren ist TKMS der bevorzugte Bieter für bis zu zwölf U-Boote im Rahmen des kanadischen U-Boot-Programms, welches ein Volumen allein für die Boote von über 15 Milliarden Euro haben würde. Burkhardt hofft, dies bis zum Ende des Kalenderjahres in einen finalen Vertrag zu gießen. Zudem hat TKMS weitere große Aufträge in Aussicht, etwa aus Indien, Brasilien und Deutschland.
Um die Nachfrage bedienen zu können arbeitet TKMS weiter am Hochlauf seiner Werft in Wismar. Allerdings habe der Konzern, die Profitabilität im Blick, sagte Burkhardt.
So hatte der Konzern Ende Juli sein Angebot für die German Naval Yards Kiel zurückgezogen. Die Parameter hätten nicht mehr zusammengepasst, so Burkhardt. An der Werft ist auch Rheinmetall interessiert. Anstelle zu starke eigene Kapazitäten aufzubauen prüfe TKMS "gezielt internationale Kooperationsmöglichkeiten für zukünftige Projekte, etwa die mögliche Nutzung von Produktionskapazitäten der spanischen Werft Navantia".
"Die planmäßige und konsequente Abarbeitung unseres Auftragsbestands hat für TKMS nach wie vor höchste Priorität", erklärte Finanzvorstand Paul Glaser. "Unsere mittelfristigen Ziele, inklusive der weiteren Margensteigerung auf über 7 Prozent, bestätigen wir vollumfänglich."
So reagierte die TKMS-Aktie
Eine von TKMS nochmals erhöhte Prognose wird von den Anlegern gefeiert. Die Aktien des Marineschiffbauers schnellten am Mittwoch in der Spitze um bis zu 15,7 Prozent nach oben. Erstmals seit Februar gelang ihnen kurzzeitig der Sprung über die 100-Euro-Marke. Letztlich wurden 94,20 Euro für die Anteile bezahlt (+8,53 Prozent).
Die TKMS-Rally wirkte sich auch positiv auf das Stimmungsbild in der ganzen deutschen Rüstungsbranche aus: Rheinmetall gewannen 2,28 Prozent auf 1.168,20 Euro, RENK notierten 0,16 Prozent höher bei 50,24 Euro und HENSOLDT stiegen schlussendlich um 1,79 Prozent auf 92,12 Euro.
Im laufenden Geschäftsjahr will TKMS den Umsatz nun um 10 bis 12 Prozent steigern, was eine deutliche Erhöhung im Vergleich zur alten Spanne von 2 bis 5 Prozent bedeutet. Die operative Marge soll außerdem statt bei über 6 Prozent nun bei 6,5 Prozent. Im dritten Geschäftsquartal hatte das Unternehmen für beide Kennziffern die Erwartungen deutlich übertroffen, betonte der Citigroup-Experte Charles Armitage.
Laut dem Bernstein-Fachmann Adrien Rabier liegt der Analystenkonsens margenseitig bereits dem neuen Ziel nahe, doch für das Wachstum glaubt er an einen deutlichen Anstieg. In Erwartung einer Beschleunigung im maritimen Elektroniksegment hält der Analyst es für möglich, dass TKMS im nächsten Quartal seine mittelfristigen Ziele aufstockt.
"Interessanterweise wurde der frühere Hinweis auf eine 'Beschleunigung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte' aus der mittelfristigen Prognose gestrichen", erwähnte vor diesem Hintergrund der Analyst Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB. Dies deute darauf hin, dass das Management perspektivisch von einem Wachstum ausgehe, das über der bisher genannten Steigerung um jährlich zehn Prozent liege.
Rieck erwartet für das Schlussquartal nochmals einen deutlichen Anstieg des Auftragsbestands, der sich Ende Juni schon auf gut 20 Milliarden Euro belaufen habe. Diese Zahl garantiert dem Unternehmen derzeit die Beschäftigung für etwa acht Jahre. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres war der Umsatz auf knapp 1,9 Milliarden Euro gestiegen.
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KIEL (dpa-AFX)
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