Honeywell Aerospace-Aktie stürzt ab: Schwache Bilanz und gekappte Prognose verschrecken Anleger
Enttäuschende Quartalszahlen und eine gesenkte Prognose sorgen bei Anlegern von Honeywell Aerospace für Ernüchterung und lösen einen kräftigen Kursrückgang aus.
- Honeywell Aerospace-Aktie nach Zahlen unter Druck
- Nettogewinn bricht im zweiten Quartal um rund 70 Prozent ein
- Honeywell Aerospace kappt seine Wachstums- und Ergebnisprognose für 2026
Die Honeywell Aerospace-Aktie steht am Donnerstag im NASDAQ-Handel deutlich unter Druck: Der Titel gibt zeitweise 20,25 Prozent auf 162,41 US-Dollar ab. Auslöser ist die erste Quartalsbilanz des Unternehmens als eigenständiger Konzern, die der Luftfahrt- und Verteidigungszulieferer gestern vorlegte. Zwar wuchs der Umsatz um 5 Prozent auf 4,5 Milliarden US-Dollar, doch der Nettogewinn brach von 852 auf 256 Millionen US-Dollar ein, ein Rückgang von rund 70 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Außerdem kappte das Management seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich, was die Verkaufswelle bei Anlegern zusätzlich befeuert.
Honeywell Aerospace-Aktie: Prognose für 2026 gekappt
Besonders schwer wiegt für Anleger die Anpassung des Ausblicks. Wie aus der offiziellen Pressemitteilung hervorgeht, rechnet Honeywell Aerospace für das laufende Geschäftsjahr nun nur noch mit einem organischen Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent, nachdem das Unternehmen zuvor 7 bis 9 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Auch beim pro forma bereinigten EBIT auf Basis der eigenständigen Struktur rutscht die Zielspanne von 4,65 bis 4,75 Milliarden auf 4,35 bis 4,45 Milliarden US-Dollar. Erstmals nennt das Unternehmen zudem eine Spanne für das bereinigte Ergebnis je Aktie von 7,60 bis 7,90 US-Dollar. Vorstandschef Jim Currier begründete den Schritt damit, die Prognose an die "unter Beweis gestellten Fähigkeiten" der Lieferkette anzupassen.
Sondereffekte und Zinskosten drücken auf den Gewinn
Der Gewinneinbruch ist zu einem großen Teil auf die Kosten der Aufspaltung von Honeywell International zurückzuführen, die inzwischen als Honeywell Technologies firmiert. Allein die Transaktionskosten der Abspaltung summierten sich im Quartal auf 329 Millionen US-Dollar, nach 17 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Hinzu kommen erstmals Zinsaufwendungen von 200 Millionen US-Dollar für die neu aufgenommene Verschuldung als eigenständiges Unternehmen, die im Vorjahresquartal noch bei null lag. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sackte dadurch um 32 Prozent auf 1,87 US-Dollar ab, während das unbereinigte Ergebnis je Aktie sogar um 71 Prozent auf 0,78 US-Dollar einbrach. Auch das bereinigte EBIT gab um 7 Prozent auf rund 1,0 Milliarden US-Dollar nach, belastet von rund 100 Millionen US-Dollar an Abspaltungskosten und Abschreibungen auf Vorräte.
Operatives Wachstum hält trotz der Belastungen an
Abseits der Sondereffekte zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Auftragsbestand wuchs zum Quartalsende auf 18,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und die Bestellungen der vergangenen zwölf Monate legten um 8 Prozent zu, getragen von der Sparte Defense and Space. Im Aftermarket-Geschäft mit Ersatzteilen und Wartung stiegen die Erlöse um 8 Prozent auf 2,0 Milliarden US-Dollar. Auf Segmentebene tut sich allerdings eine Schere auf: Während der Bereich Control Systems sein bereinigtes Ergebnis um 8 Prozent steigern konnte, brach es bei Engines and Power Systems um 32 Prozent ein, weil ein ungünstiger Produktmix und höhere Kosten den Effekt höherer Preise mehr als aufzehrten.
Für Anleger dürfte in den kommenden Monaten entscheidend sein, ob sich die von Currier angesprochenen Lieferkettenprobleme wie geplant entschärfen und ob die im dritten Quartal vorgelegten Zahlen bereits innerhalb der neuen, niedrigeren Zielspanne für das zweite Halbjahr liegen.
Bettina Schneider, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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