Event Study

Gefährliche Streaming-Reichweite: Wie Netflix-Dokus Aktien von VW, Boeing & Co. zum Absturz bringen


Gefährliche Streaming-Reichweite: Wie Netflix-Dokus Aktien von VW, Boeing & Co. zum Absturz bringen

Netflix als Kursfaktor? Was zunächst nach Clickbait klingt, ist das Ergebnis einer neuen Event-Study im Journal of Business Economics. Skandal-Dokumentationen auf Netflix drücken die Aktienkurse der jeweils porträtierten Unternehmen - spürbar und anhaltend, obwohl die zugrunde liegenden Affären meist längst öffentlich bekannt waren.

Die Autoren (Gregor Dorfleitner, Pedro Piccoli) untersuchen 12 Netflix-Titel und die Reaktion der zugehörigen Aktien. Das zentrale Ergebnis: Nach Veröffentlichung fallen die Kurse signifikant - und der Rückgang wird in den Wochen danach nicht "zurückgekauft". Im Durchschnitt liegt die kumulative abnormale Rendite nach rund drei Monaten bei -15,3 Prozent. Auffällig: Die negativen Abweichungen werden erst nach etwa vier Wochen statistisch signifikant - die Informationen werden also graduell eingepreist, nicht schlagartig.

Werbung

Heftige Kursverluste um 72 Prozent

Konkrete Beispiele aus der Stichprobe: In "Dirty Money" (Netflix-Serie) werden u. a. Volkswagen (Diesel/NOx) und HSBC (Geldwäschevorwürfe) aufgegriffen. In "Downfall: The Case Against Boeing" steht Boeing im Fokus (737-MAX-Katastrophen). "White Hot: The Rise & Fall of Abercrombie & Fitch" beleuchtet die Kontroversen rund um Abercrombie & Fitch - ein Fall, der in den Daten besonders stark ausschlägt. Die Aktie verlor als Reaktion über 72 Prozent ihres Wertes. Auch "The Social Dilemma" (u. a. Facebook und Twitter) ist Teil der Untersuchung.

Aufmerksamkeit wird entscheidender Faktor

Warum bewegt eine Doku Kurse, wenn die Fakten bekannt sind? Die Studie spricht klar für Aufmerksamkeit als Treiber: Nach Release steigen sowohl Handelsvolumina (im Schnitt +17%) als auch Google-Suchanfragen zu den betroffenen Firmen (im Schnitt +15%). Zudem zeigt sich erst nach Veröffentlichung eine signifikant negative Beziehung zwischen (hohem) Volumen und Renditen - ein Muster, das vorher nicht existiert. Wettbewerber-Aktien laufen im selben Zeitraum nicht ähnlich, was gegen reine Branchen-Effekte spricht.

Die vier Learnings für Anleger

Was heißt das für Privatanleger? Erstens: Reputationsrisiken sind nicht "abgehakt", nur weil ein Skandal juristisch oder medial Jahre zurückliegt - Reichweite und Storytelling können eine zweite Bewertungsrunde auslösen. Zweitens: Wer Einzelaktien hält, sollte neben Quartalszahlen auch Narrativ-Risiken im Blick haben (Streaming, Social, virale Aufmerksamkeit). Drittens: Für Trader kann das ein Event-Risiko sein - für Langfristinvestoren ein Reminder, dass "bekannt" nicht gleich "eingepreist" bedeutet. Viertens: Eine Netflix-Programmvorschau als Teil des nächsten Eventkalenders ist nicht die schlechteste Idee.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Netflix, dennizn / Shutterstock.com

Werbung

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.