EZB besorgt über Stabilitätsrisiken durch Energiehändler
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) macht sich nach der Verstaatlichung von Uniper Sorgen über die Risiken für die Finanzstabilität, die von Energiehändlern ausgehen. In ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht weist die EZB darauf hin, dass diese Unternehmen sowohl über Kredite als auch über die Absicherung von Marktrisiken mit dem Bankensektor verbunden sind.
Mit dem Anstieg der Energiepreise in diesem Jahr haben sich die Einschussanforderungen für Futures und Swaps, die von Energieerzeugern und -verteilern genutzt werden, fast um das Doppelte erhöht. Das ist einerseits erwünscht, weil Marktteilnehmer so vor dem gestiegenen Gegenparteirisiko geschützt werden.
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Unternehmen, mehr Liquidität und Sicherheiten vorzuhalten, was sie dazu veranlasst, Kreditlinien bei ihren Banken in Anspruch zu nehmen und die Einschussanforderungen zu reduzieren, indem sie auf andere Börsen oder auf OTC-Kontrakte ausweichen.
Bei Over-the-Counter-Kontrakten wickeln die Geschäftspartner ihre Geschäfte direkt miteinander ab und nicht über eine zentrale Gegenpartei. Solche Transaktionen sind schwerer für Aufsichtsbehörden zu durchschauen.
"Während die bisherigen Marktentwicklungen keine unmittelbaren Bedenken hinsichtlich der Finanzstabilität aufwerfen, kann eine anhaltende Abhängigkeit vom OTC-Segment zu einer Anhäufung von Gegenparteiausfallrisiken - vor allem für Banken - führen", warnt die EZB.
In ihrem Bericht weist sie außerdem darauf hin, dass das "open interest" in Erdgas-Futures bei der ICE Endex seit Ende 2021 gesunken sei, sich aber bei der European Energy Exchange (EEX) vervierfacht habe. Noch sei das nicht besorgniserregend, aber bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung müsse darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer Konzentration der Risiken in einem Markt oder bei einer Gegenpartei komme.