EZB-Direktor Panetta: Energiewende muss nicht zu höherer Inflation führen
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Übergang zu klimafreundlicheren Formen der Energieversorgung muss nach Aussage von EZB-Direktor Fabio Panetta nicht zwangsläufig zu einer höheren Inflation führen. In einer Veranstaltung des italienischen Bankenverbands wies Panetta darauf hin, dass dieser Prozess eine Reihe von Angebots- und Nachfrageeffekten auslösen würde, die technologieabhängig seien und teilweise staatlich beeinflusst werden könnten.
"Unter dem Strich sind die Auswirkungen des grünen Übergangs auf die Preise für fossile Brennstoffe nicht eindeutig. Sie wird davon abhängen, welche Kanäle vorherrschen, was weitgehend von den technologischen Entwicklungen und der von den Regierungen weltweit umgesetzten Politik bestimmt wird", sagte Panetta laut veröffentlichtem Redetext. Die verschiedenen Wirkungskanäle könnten gegensätzliche Auswirkungen haben und zu unterschiedlichen Zeitpunkten dominieren.
Der EZB-Direktor widersprach damit Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die wegen des geplanten Abschieds von der fossilen Energieversorgung mittelfristig höhere Zinsen in Aussicht gestellt haben.
Panetta beschrieb in seiner Rede Effekte der Energiewende, die preissenkend wirken würden. So würden Anbieter fossiler Energien ihre Investitionen vielleicht nicht wie weithin unterstellt zurückfahren (was preissteigernd wirken würde), sondern möglicherweise danach streben, ihre Reserven zu mobilisieren, solange sie noch Kunden dafür hätten. Das würde ebenso preissenkend wirken wie etwa Fortschritte bei der CO2-Speicherung.
Auch auf der Nachfrageseite sieht der EZB-Direktor mögliche preissenkende Effekte: So könnte durch Innovation mehr nachhaltige Energie verfügbar gemacht werden, was die Nachfrage nach fossiler Energie senken würde. Auch sei denkbar, dass Kunden einfach mehr nachhaltige Energie nachfragten. Als Beispiel für diesen "Präferenz-Kanal" nannte Panetta die Marktanteilsgewinne von E-Autos.
Panetta zufolge muss die Politik Anreize schaffen, um die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen zu einem bestimmten Preis nach Steuern zu senken. "Dies würde den Aufwärtsdruck auf die Energiepreise während des grünen Übergangs begrenzen und - was wichtig ist - zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen", sagte er.