EZB: Großunternehmen berichten von stagnierenden Geschäften
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Geschäfte von Großunternehmen im Euroraum stagnieren nach Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank (EZB) weitgehend, wobei es jedoch erhebliche Unterschiede sowohl zwischen als auch innerhalb der Sektoren gibt. In dieser Hinsicht habe sich seit Anfang des Jahres nicht viel geändert, teilte die EZB im Ergebnis einer Umfrage unter 73 Großunternehmen mit. Die Unternehmen sehen die Entwicklung der Geschäftstätigkeit nach wie vor weitgehend davon abhängig, wie sich die Auswirkungen vergangener Schocks (Pandemie und Ukraine-Krieg) und der laufende Strukturwandel (Digitalisierung und Dekarbonisierung) auf Angebot und Nachfrage in ihrer Branche auswirken.
Im Industriesektor konzentrierte sich die Schwäche vor allem auf das Baugewerbe und die Vorleistungsgüterindustrie, während die Entwicklung in der Konsum- und Investitionsgüterindustrie uneinheitlicher verlief. Die Produktion des Dienstleistungssektors wurde durch eine starke Nachfrage nach Reisen und Freizeit, eine gewisse Widerstandsfähigkeit des Einzelhandels und ein Wachstum bei den digitalen Dienstleistungen angekurbelt, während die Aktivität in vielen anderen Dienstleistungsbereichen stabil oder rückläufig war.
Die gegenwärtigen Konjunkturtrends dürften sich im dritten Quartal fortsetzen, wobei die Risikobilanz für die nächsten Quartale leicht nach unten tendiere, erklärte die EZB. Im verarbeitenden Gewerbe rechneten einige Unternehmen mit einer Erholung der Auftragseingänge im späteren Verlauf des Jahres, wenn sich der Lagerhaltungszyklus umkehrt, während andere mit einem Produktionsrückgang rechneten, falls sich die Aufträge nicht erholen sollten. Besorgnis erregte die schwächer als erwartet ausgefallene Erholung der chinesischen Wirtschaft und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Exporte und den Importwettbewerb.
Die Lohnerwartungen deuteten auf eine leichte Abschwächung des Lohnwachstums im nächsten Jahr hin, teilte die EZB mit. Im einfachen Durchschnitt der Mittelwerte der angegebenen quantitativen Angaben erwarteten die Unternehmen eine Verlangsamung des Lohnwachstums von etwa 5,5 Prozent in diesem Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2024. Etwa die Hälfte der Befragten rechnete damit, dass das Lohnwachstum 2024 ähnlich ausfallen würde wie 2023, während vier von zehn Befragten davon ausgingen, dass der Lohnanstieg im nächsten Jahr geringer ausfallen würde.
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July 28, 2023 04:52 ET (08:52 GMT)