EZB: Großunternehmen sehen Stagnation im dritten Quartal


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Geschäftstätigkeit von Unternehmen im Euroraum hat sich nach Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank (EZB) verlangsamt und dürfte dies im vierten Quartal fortsetzen. Wie die EZB im Ergebnis einer Umfrage unter 69 Großunternehmen mitteilte, meldeten die Kontaktpersonen "insgesamt eine deutliche Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit, die im Großen und Ganzen einer Stagnation entspricht", wie die EZB in ihrem Bericht schreibt. Die Unternehmensumfrage ist eine neuere Ergänzung zu der zeitgleich veröffentlichten Umfrage unter Ökonomen im Rahmen des Survey of Professional Forecasters.

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Laut EZB zeichnet sich für das vierte Quartal eine rückläufige Aktivität ab. Viele Unternehmen hätten ihre höheren Energiekosten bereits an die Kunden weitergegeben, aber ein substanzieller Anteil von ihnen werde das weiterhin oder erstmals 2023 tun.

Von den Kontakten, die quantitative Angaben zu ihren Erwartungen für das Lohnwachstum angaben, erwartete eine große Mehrheit für 2023 Erhöhungen von 4 Prozent oder mehr - in vielen Fällen sogar deutlich mehr. Einige hielten höhere Lohnforderungen demnach für angemessen, andere zeigten sich besorgt über die Auswirkungen der steigenden Kosten auf die Rentabilität.

Berichte über rückläufige Verkäufe und/oder Produktionsrückgänge im dritten Quartal konzentrierten sich auf den Vorleistungsgütersektor (insbesondere in energieintensiven Branchen) und in Teilen des Konsumgütersektors (hauptsächlich Haushaltsgeräte). Die Gründe hierfür waren steigende Produktionskosten und ein wahrgenommener bzw. erwarteter Rückgang der Endverbrauchernachfrage, weil sich der Konsum von Waren auf Dienstleistungen verlagerte und die hohe Inflation die Kaufkraft aufzehrte. Außerdem seien einige Unternehmen vom Auf- zum Abbau von Lagerbeständen übergegangen.

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"Dessen ungeachtet haben viele Kontakte im verarbeitenden Gewerbes (insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern, einschließlich Kraftfahrzeugen) über stabile oder steigende Produktionsmengen vor dem Hintergrund anhaltend hohen Auftragsbeständen und nur allmählich nachlassenden Versorgungsengpässen berichtet", heißt es in dem Bericht.

Mit Blick auf die Zukunft rechneten die Gesprächspartner mit einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftstätigkeit, was auf eine Schrumpfung im vierten Quartal hinausläuft. In den Sektoren, die bereits schrumpften, wurde allgemein erwartet, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen würde.

In Sektoren, in denen Lieferengpässe zu hohen Auftragsbeständen geführt haben, dürfte das derzeitige oder erhöhte Produktionsniveaus zumindest bis Anfang nächsten Jahres aufrechterhalten werden. Die Aussichten für die Zeit danach wurden als ungewiss bezeichnet.

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Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/smh

(END) Dow Jones Newswires

October 28, 2022 04:00 ET (08:00 GMT)