Bechtle-Aktie trotzdem tiefer: Gewinn steigt - Vorräte werden aufgestockt
Der IT-Dienstleister Bechtle rüstet sich für den Aufschwung.
Das Unternehmen baute im zweiten Quartal mit viel Geld Vorräte für den rekordhohen Auftragsbestand auf. Aus dem operativen Geschäft flossen Finanzmittel in Höhe von 112,4 Millionen Euro ab, wie das MDAX-Unternehmen am Mittwoch in Neckarsulm mitteilte. Ein Jahr zuvor war es ein Zufluss von 45,2 Millionen gewesen.
Der Vorratsbestand sei durch die starke Belebung des Geschäfts - insbesondere im Juni - sehr deutlich erhöht worden, hieß es dazu vom Unternehmen. Im Gesamtjahr sei jedoch weiter mit einem deutlichen Zufluss von Mitteln aus dem Tagesgeschäft zu rechnen.
Analyst Martin Comtesse von der US-Investmentbank Jefferies sah in den finalen Zahlen für das zweite Quartal nach den Eckdaten keine besonderen Neuigkeiten mehr. Das klare Anziehen des Geschäfts in Deutschland bereite den Nährboden für das zweite Halbjahr und darüber hinaus. Angesichts der schwachen Zahlen des Rivalen CANCOM sehe das Umsatzwachstum von Bechtle gar noch stärker aus. Die Firma bleibe für ihn ein Kernstück, um von steigenden deutschen Infrastrukturausgaben zu profitieren, schrieb Comtesse.
Der Nettogewinn zog im Jahresvergleich um ein gutes Fünftel auf 57,8 Millionen Euro an, teilte Bechtle am Mittwoch mit. Das Unternehmen hatte bereits mit den Eckdaten Ende Juli wegen der Belebung des zuvor tristen Geschäfts die Jahresprognose angehoben. Der Umsatz war um 16,5 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro nach oben geklettert, der Vorsteuergewinn um ein Fünftel auf 80,2 Millionen. Im Gesamtjahr strebt Chef Thomas Olemotz nun bei beiden Kennziffern ein Wachstum von 5 bis 10 Prozent an.
"Nach der hervorragenden Entwicklung im ersten Halbjahr und mit einem Rekordwert beim Auftragsbestand sind wir zuversichtlich, auch im zweiten Halbjahr unseren erfolgreichen Kurs beibehalten zu können", sagte Finanzchef Christian Jehle. Ende des ersten Halbjahrs betrug der Auftragsbestand 3,5 Milliarden Euro.
Ein Bestandsrisiko durch die auf Lager gelegten Vorräte gebe es nicht, sagte Jehle. Die Vergrößerung der Vorräte sei durchweg durch Aufträge gedeckt. Im Cashflow zeigten sich sehr große stichtagesbezogene Effekte. Ware sei teils schon ausgeliefert, aber noch nicht bezahlt worden. Strukturell hätten sich die Bedingungen verbessert, Forderungen würden im Schnitt schneller beglichen, und bezogen auf das Geschäftsvolumen seien sie anteilsmäßig zurückgegangen.
Der Ende des Jahres ausscheidende Vorstandschef Thomas Olemotz warnte vor Euphorie wegen der zuletzt besseren Geschäftszahlen. Die Rahmenbedingungen am Markt hätten sich nicht gebessert, sondern seien weiter herausfordernd. Bechtle komme aber zusehends besser damit zurecht, daher auch die jüngste Prognoseerhöhung. Er erwarte zwar noch Preiserhöhungen, aber nicht mehr so stark wie in der ersten Jahreshälfte.
Bechtle rüstet Behörden und gewerbliche Kunden vor allem aus dem Mittelstand mit PCs und Netzwerkgeräten aus und vertreibt auch selbst Hardware über den eigenen Onlinehandel.
In den vergangenen Monaten sind hauptsächlich die Preise für Speicherchips stark gestiegen, weil sie im Zuge des Ausbaus von Rechenzentren und Infrastruktur für Künstliche Intelligenz knapp geworden sind und auf Sicht wohl auch bleiben. Das trübte die Aussichten vieler Hardwareanbieter und Dienstleister deutlich ein, weswegen auch Bechtle zunächst mit Vorsicht ins Jahr gestartet war.
So reagiert die Bechtle-Aktie
Die Aktien von Bechtle haben am Mittwoch nur ganz kurz von einer Prognoseerhöhung profitiert. Nach dem endgültigen Quartalsbericht starteten die Papiere des IT-Dienstleisters im Plus, drehten dann jedoch ab und landeten fast 5 Prozent im Minus. Inzwischen verlieren die Aktien nur noch 0,83 Prozent auf 35,70 Euro.
UBS-Experte Christopher Tong sieht die höheren Jahresziele durch den deutlichen Anstieg des Auftragsbestands zum Vorjahresquartal untermauert. Das Management habe die Jahresziele als durchaus ambitioniert bezeichnet, sei aber zuversichtlich, dass der positive Trend anhalte. Tong sah kaum Kursimpulse, nachdem die Eckdaten schon bekannt waren.
Diese hatte Bechtle am 28. Juli vorgelegt und damit eine Kursrally losgetreten. In der Folge war es zeitweise um rund 18 Prozent aufwärts gegangen. Seit der Vorwoche korrigieren die Kurse jedoch. Bei CANCOM flaute der Schub bereits am 29. Juli ab und die Aktien gerieten zuletzt wieder klar unter Druck. Beide Aktien liegen 2026 mit 19 Prozent im Minus. Bechtle hatten 2025 aber mit 40 Prozent Plus deutlich besser performt als CANCOM.
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NECKARSULM (dpa-AFX)
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Bildquellen: Bechtle AG