JENOPTIK-Aktie schnellt hoch: Mehr Zuversicht für 2026 nach starkem Quartal
JENOPTIK hat im zweiten Quartal den Gewinn deutlich überproportional zum Umsatz gesteigert.
Der Technologiekonzern JENOPTIK profitiert weiter vom KI-Boom und hat im zweiten Quartal überraschend viel verdient. Vor allem wegen der starken Entwicklung im Halbleiterbereich formuliert das Management seine Jahresziele nun etwas optimistischer. Schub gab zuletzt ein starker Auftragseingang nicht allein aus der Chipindustrie. Das hohe Buchungsniveau müsse sich aber nicht zwangsläufig auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, warnte Finanzchefin Prisca Havranek Kosicek in einer Analystenkonferenz am Mittwoch.
Unter dem neuen Vorstandschef Dominic Dorfner ist zudem die nach einem Personalwechsel oft übliche strategische Überprüfung angelaufen. Ergebnisse soll es aber nicht vor Jahresende geben. Der studierte Physiker löste Anfang August seinen langjährigen Vorgänger Stefan Träger an der Unternehmensspitze ab, der bereits Mitte Februar das Unternehmen verlassen hatte.
JENOPTIK peilt für das Gesamtjahr nun einen Umsatz und die operative Marge (Ebitda-Marge) jeweils in der oberen Hälfte der bisherigen Prognosespannen an. Bislang ist für 2026 ein Erlösplus im einstelligen Prozentbereich vorgesehen und eine Marge von 19 bis 21 Prozent.
Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz im Vorjahresvergleich um 3 Prozent auf 262 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 28 Prozent auf 54,5 Millionen Euro, die Marge von 16,7 auf 20,8 Prozent. Analysten hatten weniger erwartet. Nach Steuern verdiente JENOPTIK 23 Millionen Euro, 43 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Der Konzern profitierte neben den Kostensenkungen des Vorjahres von einem besseren Produktmix, höherer Auslastung und einem kräftigen Ergebnissprung im Halbleiterbereich. Auch im Geschäft mit optischen und digitalen Systemen für Verkehrsüberwachung und öffentliche Sicherheit zog der Betriebsgewinn deutlich an. Das Segment "Metrology & Production Solutions" schrieb im zweiten Quartal dagegen rote Zahlen, unter anderem wegen der weiterhin schwierigen Lage der Autoindustrie.
Analysten reagierten positiv. Jefferies-Experte Henrik Paganetty sprach von einem starken Bericht. Der Auftragseingang habe im zweiten Quartal 15 Prozent über den durchschnittlichen Erwartungen gelegen. Auch Malte Schaumann von Warburg Research hob den starken Auftragseingang hervor.
Noch im vergangenen Jahr hatte JENOPTIK unter der schwächeren Nachfrage aus Chip- und Automobilindustrie gelitten und Umsatz und Gewinn eingebüßt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 stabilisiert sich aber das Halbleitergeschäft, und seit Jahresbeginn ist eine echte Trendwende mit stark steigenden Aufträgen zu beobachten. Treiber ist das KI-Geschäft, da die Branche massiv in Rechenzentren und immer effizientere Chips für Künstliche Intelligenz investiert.
Im zweiten Quartal zog JENOPTIK mit 366,6 Millionen Euro gut ein Drittel mehr Aufträge an Land als vor einem Jahr. Der Konzern beliefert unter anderem den weltgrößten Chipindustrieausrüster ASML. Laut Finanzchefin Havranek Kosicek trugen auch große Buchungen im Photonikbereich bei, insbesondere aus den Branchen Life Science und Verteidigung, die früher als erwartet eingingen.
Im Halbleiterbereich sei der Aufschwung "voll im Gange", ergänzte die Managerin. Für das zweite Halbjahr zeigte sie deshalb für das Halbleitergeschäft zuversichtlich, da es bisher keinerlei Vorzieheffekte gegeben habe. Eine direkte Fortschreibung der zuletzt außergewöhnlich hohen Bestellniveaus sei aber nicht zwingend zu erwarten.
Für den Hochlauf im Halbleitergeschäft baut JENOPTIK selbst Kapazitäten und Belegschaft aktuell aus und fährt parallel die Lieferketten hoch. Echte Engpässe gebe es derzeit nicht, die Situation werde aber genau beobachtet.
JENOPTIK ist aus dem Carl-Zeiss-Konzern hervorgegangen und hat in den vergangenen Jahren den Umbau zur Photonik vorangetrieben. Das Unternehmen fokussiert sich auf Wachstumsmärkte wie Halbleiter und Elektronik, Medizintechnik, Biowissenschaften und Smart Mobility.
Dazu trennte sich der Konzern von diversen Unternehmensteilen, etwa 2022 von der Militärtechniksparte Vincorion. Auf der Verkaufsliste steht noch der Automatisierungsspezialist Prodomax. An den strategischen Verkaufsabsichten habe sich trotz der zuletzt leicht verbesserten Auftragslage beim kanadische Unternehmen nichts geändert, so die Finanzvorständin.
So reagiert die Aktie
Die Aktien von JENOPTIK haben am Mittwoch nach dem Quartalsbericht den höchsten Stand seit vier Wochen erreicht. Allerdings dauerte es im Laufe des Vormittags zunächst etwas, bis Anleger davon überzeugt waren, dass optimistischere Jahresziele dem Kurs auf seiner Erholung weiter helfen werden.
Nach Schwankungen im frühen Handel, die von Plus acht Prozent bis knapp ins Minus reichten, pendelte sich der Kurs zuletzt in der Mitte der Tagesspanne ein. Mit 41,26 Euro betrug das Plus via XETRA zuletzt 5,15 Prozent. Damit haben sie seit dem Zwischentief von Ende Juli fast 17 Prozent an Wert gewonnen. Zwischenzeitlich wurden also am Morgen Gewinne mitgenommen.
Als Zulieferer von Halbleiterausrüstern wie ASML hat das Photonik-Unternehmen im zweiten Quartal überraschend stark vom KI-Boom profitiert. Vor diesem Hintergrund werden Umsatz und operative Marge nun jeweils in der oberen Hälfte der bisherigen Spannen gesehen. Laut dem Jefferies-Analysten Henrik Paganetty haben die Auftragseingänge im zweiten Quartal die Erwartungen um 15 Prozent übertroffen.
Im Tagesverlauf weckten starke Resultate des US-Optoelektronik-Unternehmens Lumentum dann zusätzliches Interesse an der JENOPTIK-Aktie. Die Titel des US-Konzerns wurden in New York vorbörslich mehr als acht Prozent höher gehandelt. Analysten äußern sich positiv zu den Ergebnissen des vierten Geschäftsquartals und zum Ausblick von Lumentum, da die Erwartungen übertroffen wurden.
"Aktien aus dem Optik-Bereich boomen, da sie im KI-Sektor eine Art Flaschenhals bilden", sagte Portfoliomanager Michael Monaghan von Founder ETFs mit Blick auf Lumentum. Diese Entwicklung stärke die Preissetzungsmacht, den Auftragseingang und die positive Dynamik, die neben Lumentum auch den Kurs von JENOPTIK schon länger ausmachen - trotz einer zeitweisen Korrektur bis Ende Juli. Er geht davon aus, dass die Branchentitel ihren Aufwärtstrend fortsetzen, solange sich die Investitionen weiter beschleunigen.
Auch JENOPTIK profitierte im zweiten Quartal von den Geschäften mit der Halbleiterindustrie. 2026 gehören die Titel der Jenaer - stark getrieben vom KI-Boom - mit einer Kursverdopplung neben Halbleiterausrüstern wieAIXTRON und SUSS MicroTec oder dem Waferzulieferer Siltronic zu den besten MDAX-Werten. Wegen der massiven Investitionen in Rechenzentren werde im KI-Bereich "eine deutlich positive Entwicklung erwartet", hieß es im Quartalsbericht von Jenoptik.
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Bildquellen: JENOPTIK, TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images