Geywitz will mit degressiver AfA für neue Wohngebäude den Bausektor stärken
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hat die Einführung einer zeitlich befristeten degressiven Abschreibemöglichkeit AfA für neue Wohnbauten von 2024 bis Ende 2030 vorgeschlagen, um so den Wohnungsbau anzukurbeln. Das von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) vorgeschlagene "Wachstumschancengesetz" für Deutschland unterstütze sie, aber es gebe darin eine "Lücke", die Geywitz mit ihrem Vorschlag schließen wolle. Zuerst hatte das Nachrichtenportal "The Pioneer" über das Vorhaben berichtet.
"Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Baugenehmigungen und damit verbunden dem Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Jahr brauchen Bau- und Immobilienwirtschaft dringend neue Investitionsanreize", sagte Geywitz in einer Stellungnahme. Daher schlage sie die Einführung einer zeitlich befristeten degressiven Afa für neu errichtete Wohngebäude ab dem 01.01.2024 vor.
"Die zeitlich befristete degressive Afa wäre ein wichtiger Beitrag, die Bauwirtschaft zu stabilisieren und damit mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland zu schaffen. Sie sollte daher Teil des Wachstumschancengesetzes werden. Wenn die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs kommen will, geht das nur mit einer starken Baukonjunktur", sagte die Ministerin.
Konkret schlägt sie vor, dass diese degressive AfA gelten soll für neue Wohngebäude, die auf Grund eines nach dem 31. Dezember 2023 und vor dem 01. Januar 2031 gestellten Bauantrags oder einer nach diesem Zeitpunkt getätigten Bauanzeige hergestellt oder auf Grund eines nach dem 31. Dezember 2023 und vor dem 01. Januar 2031 rechtswirksam abgeschlossenen obligatorischen Vertrags angeschafft worden sind.
Staffelung der degressiven AfA
Die degressive AfA soll gestaffelt werden. Demnach soll im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden 3 Jahren die degressive AfA bei 7 Prozent liegen, in den darauf folgenden 4 Jahren bei 5 Prozent und in den danach folgenden 26 Jahren bei 2 Prozent.
Hintergrund für die geplante Einführung ist, dass der Wohnungsbau deutlich unter dem von der Bundesregierung angestrebtem Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich zurückbleibt.
Im Jahr 2022 konnte zwar mit 295.300 neuen Wohnungen ein leichtes Plus bei den Baufertigstellungen gegenüber dem Vorjahr erzielt werden. Aber nach Ansicht des Ministeriums leidet die Nachfrage nach Wohnungsbauleistungen an den Baukosten- und Zinssteigerungen. Die Baugenehmigungen waren zuletzt weiter rückläufig: Die Zahl genehmigter Wohnungen von Januar bis Mai 2023 fiel 27 Prozent geringer aus als im Vorjahreszeitraum.
"Die Entwicklung macht deutlich, dass die bisherigen Begünstigungen wie die Erhöhung der linearen AfA und die Wiedereinführung der Sonderabschreibung nicht ausreichen, um ausreichend Investitionen für die dringend benötigten neuen Wohnungen zu schaffen", erklärte das Bauministerium.
Höhere Zinsen verkleinern heutigen Anreizeffekt der linearen AfA
Aufgrund der gestiegenen Zinsen hat sich dem Ministerium zufolge darüber hinaus der heutige Anreizeffekt aus der linearen AfA spürbar verkleinert, da (ferner) in der Zukunft liegende Abschreibungen bei höheren Zinsen einen geringeren Wert hätten. Bei der linearen Abschreibung wird in gleichbleibenden Jahresbeträgen über seine Nutzungsdauer hinweg abgeschrieben.
Bei einem Zinssatz von 1 Prozent betrage der Gegenwartswert einer linearen Abschreibung über 33 1/3 Jahre ca. 85 Prozent der Investitionssumme; bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent hingegen nur 58 Prozent, was einer deutlichen steuerlichen Verschlechterung gleichkomme, so das Ministerium.
"Daher müssen umgehend weitere Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. Hier bietet sich mit der degressiven AfA ein bewährtes Instrument an. Eine degressive AfA ist ökonomisch geboten, da sie den - im Umfeld stark gestiegener Zinsen - verminderten Anreizeffekt einer linearen AfA ausgleicht, indem sie höhere Abschreibungen in naher Zukunft ermöglicht", sagte das Ministerium.
Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com
DJG/aat/smh
(END) Dow Jones Newswires
August 02, 2023 05:57 ET (09:57 GMT)