Goldman Sachs: Deutschland muss Exportziele diversifizieren
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Deutschlands Exportindustrie steht nach Ansicht von Goldman-Sachs-Volkswirt Christian Schnittker vor schwierigen Zeiten. Zwar werde sie kurzfristig von der Öffnung Chinas profitieren, doch stehe sie längerfristig vor der Herausforderung, wegen des langsameren chinesischen Wirtschaftswachstums dynamischere Exportpartner zu finden und mit einem wieder stärkeren Euro zurechtzukommen.
"Die größeren Wachstumschancen liegen außerhalb der EU, vor allem in Asien (Indien, Indonesien) und Südamerika (Kolumbien)", schreibt Schnittker in einer Analyse. Eine Diversifizierung bei Dienstleistungen würde auch zu mehr Exporten nach Nordamerika (Kanada) und Asien (Südkorea) führen, obwohl Dienstleistungsexporte tendenziell einen geringeren Anteil am deutschen Leistungsbilanzüberschuss ausmachten.
"Intensivierte Handelsbemühungen mit diesen Zielländern stünden jedoch im Einklang mit dem jüngsten Strategiepapier der Regierung, weshalb wir die Umsetzung der Handelsstrategie weiter beobachten werden, um die Aussichten für den deutschen Exportmotor zu beurteilen", schreibt Schnittker.
Er weist darauf hin, dass der deutsche Außenhandelsüberschuss bereits seit 2015 zurückgehe. Grund seien niedrigere oder stagnierende Ausfuhren von Autos, Stahl und chemischen Erzeugnissen. Eine spezielle Herausforderung besteht nach seiner Aussage darin, die Abhängigkeit von China bei der Einfuhr bestimmter strategischer Güter zu verringern.
Der Goldman-Sachs-Analyst erwartet, dass Deutschlands Handelsbilanzüberschuss von derzeit 2,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung auf 3,6 Prozent im zweiten Quartal steigen, aber 2024 und 2025 auf 2,6 und 1,9 Prozent zurückgehen wird. Gründe seien "strukturell rückläufige Autoexporte und allgemein niedrigere Exporte und höhere Importe aufgrund der Aufwertung des Euro".
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March 07, 2023 06:00 ET (11:00 GMT)