So viele Milliarden hat Warren Buffett schon gespendet - und warum seine Kinder fast nichts erben


So viele Milliarden hat Warren Buffett schon gespendet - und warum seine Kinder fast nichts erben
• Buffett will beinahe sein gesamtes Vermögen spenden
• Warum seine Kinder kaum etwas Erben sollen
• Milliardengeschenke im Überblick: Größter Philanthrop aller Zeiten

"Die Gesellschaft hat eine Verwendung für mein Geld. Ich habe keine", erklärte Starinvestor Warren Buffett, ehemaliger Chef der Investmentholding Berkshire Hathaway und mehrfacher Milliardär, 2021 in einem Statement. "Über viele Jahrzehnte habe ich eine fast unfassbare Summe angehäuft, einfach indem ich das tue, was ich gerne tue. Ich habe kein Opfer gebracht, meine Familie auch nicht. Zinseszinsen, eine lange Ausrichtung, wunderbare Mitarbeiter und unser unglaubliches Land haben einfach ihre Magie entfaltet". So erklärte Buffett seine Motivation, einen Großteil seines Vermögens wohltätigen Zwecken zur Verfügung zu stellen.

Dass er dieses Versprechen, das er mit der Gründung von Giving Pledge, einer philantropischen Kampagne, die er gemeinsam mit seinem Freund und Microsoft-Gründer Bill Gates 2010 an den Start gebracht hatte, öffentlichkeitswirksam propagiert, auch in die Tat umsetzt, beweist Buffett seit mehreren Jahren eindrucksvoll. Insgesamt 99 Prozent seines Vermögens, das sich vorrangig aus Anteilsscheinen von Berkshire Hathaway zusammensetzt, sollen an wohltätige Stiftungen gehen, so das Versprechen des Anlageguru. In den vergangenen Jahren hat Buffett deshalb bereits einen beträchtlichen Teil seiner Berkshire-Aktien gespendet.

Kaum etwas soll an seine Kinder gehen

Dabei verfolgt Buffett eine klare Philosophie, die den Wert der eigenen Arbeit über das Privileg eines Erbes stellt. Statt seine Kinder mit einem milliardenschweren Anlageportfolio auszustatten, plant er, den Großteil seines Reichtums philanthropischen Zwecken zuzuführen. Seine Entscheidung basiert auf der langjährigen Beobachtung superreicher Dynastien und der festen Überzeugung, dass zu viel ererbtes Geld die Eigeninitiative lähmen kann. Er vertritt daher die Maxime: "Lassen Sie den Kindern genug, damit sie alles tun können, aber nicht genug, dass sie nichts tun müssen".

Buffett sieht in der Anhäufung von Reichtum über Generationen hinweg ein Modell, dessen Reiz in der modernen Gesellschaft glücklicherweise nachlasse. Für ihn selbst ist der Verzicht auf die Weitergabe des Geldes innerhalb der Familie kein Opfer, sondern eine logische Konsequenz aus seinem Erfolg. Er betont, dass sein Wohlstand das Ergebnis glücklicher Umstände und gesellschaftlicher Strukturen sei, weshalb er das Kapital nun dorthin zurückgeben möchte, wo es einen Nutzen stiftet. Er erklärt treffend: "Die Gesellschaft hat eine Verwendung für mein Geld; ich nicht".

Milliardenspende im Juni 2024

Auch im Jahr 2024 hält der Philanthrop an diesem Vorgehen fest und hat als Teil seiner jährlichen Spendenaktion im Sommer weitere Berkshire Hathaway-Aktien im Gesamtwert von 5,3 Milliarden US-Dollar gespendet. Den 19. Sommer in Folge gingen Anteile an der Investmentholding an wohltätige Stiftungen.

Der größte Profiteur der Spende war einmal mehr die Bill & Melinda Gates-Stiftung, die seit 2006 in jedem Jahr von Buffett bedacht wird. Aktien im Wert von über vier Milliarden US-Dollar vermachte der Investor der Wohltätigkeitsorganisation, die Bill Gates gemeinsam mit seiner Ex-Frau gegründet hat. Ein weiteres Aktienpaket in Höhe von 400 Millionen US-Dollar ging an die Stiftung seiner verstorbenen Frau, die Susan Thompson Buffett Foundation. Wohltätigkeitsorganisationen von Buffetts Kindern, die Sherwood Foundation, die Howard G. Buffett Foundation und die NoVo-Stiftung, wurden mit Aktien im Wert von jeweils 285 Millionen US-Dollar bedacht.

Rückzug aus dem operativen Geschäft bei Berkshire und Rekordspende in 2025

Im Juni 2025 setzte Warren Buffett dann einen neuen Meilenstein in seiner beispiellosen philanthropischen Laufbahn: Mit einer Rekordspende von rund 6 Milliarden US-Dollar in Form von Berkshire Hathaway-Aktien markierte er die größte jährliche Zuwendung seit Beginn seines bereits zwei Jahrzehnte andauernden Spendenvorhabens.

Der Löwenanteil dieses Pakets, rund 9,43 Millionen Aktien, floss an die Gates Foundation. Den verbleibenden Teil verteilte der Investor auf die Susan Thompson Buffett Foundation sowie die Stiftungen seiner drei Kinder - die Howard G. Buffett Foundation, die Sherwood Foundation und die NoVo Foundation.

In einem Aktionärsbrief vom November 2025 kündigte die Investmentlegende schließlich seinen schrittweisen Rückzug aus dem operativen Geschäft von Berkshire Hathaway an. Zukünftig werde er weder die traditionellen jährlichen Briefe verfassen noch auf den Hauptversammlungen als Sprecher auftreten. Die operative Führung sowie die Verantwortung über das gewaltige Barvermögen übergab er an seinen Nachfolger Greg Abel. Buffett betonte, dass gute Investmentideen aufgrund der Marktgröße zwar selten seien, er jedoch weiterhin punktuell beratend zur Seite stehe: "Gelegentlich habe ich eine nützliche Idee (...) gute Ideen sind selten - aber nicht null."

Parallel zu seinem Rückzug beschleunigt Buffett im Jahr 2025 zudem die Verteilung seines Privatvermögens zu Lebzeiten. Er plant, das Spendentempo an seine vier Familienstiftungen massiv zu erhöhen. Konkret gehen 1,5 Millionen Aktien der Klasse B an die Susan Thompson Buffett Foundation. Seine drei Kinder erhalten für ihre jeweiligen Stiftungen - die Sherwood Foundation, die Howard G. Buffett Foundation und die NoVo Foundation - jeweils 400.000 Aktien. Buffett begründet diesen Schritt mit dem vollen Vertrauen in die nächste Generation: "Alle drei Kinder haben heute die Reife, den Verstand, die Energie und die Instinkte, um ein großes Vermögen zu verteilen."

Größter Philanthrop aller Zeiten

Warren Buffetts Rückzug markiert zwar das Ende einer Ära, doch die Spendensumme seines bisherigen Lebenswerks, die sich inzwischen auf weit über 60 Milliarden US-Dollar beläuft, festigt seinen Ruf als größter Philanthrop aller Zeiten.

Buffett selbst bezeichnet seine Philanthropie als "die einfachste Sache der Welt", weil "das Geben schmerzlos ist und zu einem besseren Leben für Sie und Ihre Kinder führen kann". Er habe über viele Jahrzehnte eine fast unfassbare Summe angesammelt, indem er einfach das tat, was er gerne tue, erklärt er einst in einem Interview gegenüber CNBC. "Weder ich noch meine Familie haben Opfer gebracht. Zinseszinsen, eine lange Laufzeit, wundervolle Mitarbeiter und unser unglaubliches Land haben einfach ihre Wunder gewirkt. Die Gesellschaft hat eine Verwendung für mein Geld; ich nicht."

Thomas Zoller, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net