Teradyne-Aktie gesucht: KI-Boom sorgt für Rekordquartal beim Chiptester
Rekordumsatz, ein kräftiger Gewinnsprung und eine Prognose, die selbst optimistische Analysten übertrifft, zeigen, wie sehr die KI-Welle die Testbranche erfasst hat.
- Teradyne meldet Rekordumsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal
- Gewinn je Aktie legt deutlich zu, getrieben von starker KI-Testnachfrage
- Für das dritte Quartal stellt Teradyne eine überraschend starke Prognose vor
Der US-Hersteller von Testsystemen für Mikroprozessoren Teradyne meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 1,329 Milliarden US-Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (652 Millionen US-Dollar). Laut Unternehmen ist es bereits das zweite Quartal in Folge mit einem Rekordumsatz, der zudem das obere Ende der eigenen Prognosespanne übertraf. Ein Beleg dafür, wie stark die Nachfrage nach Chips für künstliche Intelligenz inzwischen auch bei den Zulieferern der Halbleiterindustrie ankommt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte daneben im Berichtszeitraum auf 2,47 US-Dollar und lag damit rund 18 Prozent über dem laut Reuters von Analysten erwarteten Konsens von 2,09 US-Dollar.
Für das dritte Quartal stellt das Teradyne-Management einen Umsatz zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden US-Dollar in Aussicht, deutlich mehr als die von Analysten geschätzten rund 1,04 Milliarden US-Dollar. Vorstandschef Greg Smith führt die Stärke auf die Strategie zurück, Test- und Robotiklösungen "von der Waferfertigung bis zum KI-Rechenzentrum" anzubieten.
Speichergeschäft als Wachstumstreiber
Innerhalb des Quartalsumsatzes entfielen 1,122 Milliarden US-Dollar auf das Segment Halbleitertest, weitere 107 Millionen US-Dollar auf Produkttests und 100 Millionen US-Dollar auf die Robotiksparte. Nach Unternehmensangaben sei der Rekordumsatz mit Speichertests vor allem von anhaltend starker DRAM-Nachfrage und einer Erholung bei NAND-Flash-Tests getragen worden. Der Trend deckt sich mit dem, was Speicherhersteller wie Micron Technology zuletzt berichteten: Der Speicherkonzern hatte im Juni eine angehobene Jahresprognose vorgelegt und die Nachfrage nach Hochleistungsspeicher für KI-Rechenzentren als Haupttreiber genannt.
Ausblick bis 2027
Über das laufende Quartal hinaus verwies Teradyne-CEO Smith auf rasch steigende Investitionstätigkeiten bei neuen Fertigungsanlagen für Halbleiter, die aus seiner Sicht die Grundlage für weiteres Wachstum bis 2027 und darüber hinaus legen. Diese Einschätzung deckt sich ebenfalls mit den Kapitalausgabenplänen der Speicherbranche: Micron Technology kalkuliert für das laufende Geschäftsjahr mit Investitionen von rund 27 Milliarden US-Dollar und kündigte für 2027 einen weiteren Anstieg an. Für Testausrüster wie Teradyne bedeutet eine wachsende Investitionswelle in neue Fabriken in aller Regel zusätzliche Nachfrage nach Prüfsystemen, noch bevor die eigentliche Chipproduktion anläuft.
Teradyne-Aktie im Wettbewerbsumfeld
Am globalen Markt für Testsysteme konkurriert Teradyne vor allem mit dem japanischen Anbieter Advantest, der einen Großteil seines Geschäfts ebenfalls mit Speicher- und Logiktests für KI-Chips bestreitet. Die Teradyne-Aktie legt am Mittwoch an der NASDAQ nach der Ergebnisveröffentlichung um 8,42 Prozent auf 347,68 US-Dollar zu, seit Jahresbeginn ist das Papier bereits um mehr als 65 Prozent gestiegen, obwohl es seit Anfang Juli zu Gegenwind kam. Auch der Anteilsschein des Konkurrenten Advantest stand in Japan in den vergangenen Wochen unter Druck, sein Plus seit Jahresbeginn liegt noch bei rund 28 Prozent.
Risiken für die Teradyne-Aktie bleiben trotz der starken Zahlen weiterhin bestehen. Das Geschäft des Unternehmens hängt stark vom zyklischen Investitionsverhalten weniger Großkunden aus der Chipindustrie ab, und die Robotiksparte kämpft laut eigenen Angaben weiterhin mit schwächerer Nachfrage außerhalb des KI-Umfelds. Zudem verwies das Unternehmen selbst auf mögliche Belastungen durch US-Exportkontrollen für Halbleitertechnologie nach China.
Nichtsdestotrotz hat Goldman Sachs-Analyst James Schneider sein Buy-Rating für die Teradyne-Aktie nach der Zahlenvorlage bestätigt. Mit seinem bestätigten Kursziel von 465 US-Dollar sieht er weiterhin noch kräftiges Aufwärtspotenzial für den Anteilsschein.
Carolin Ludwig, Thomas Zoller, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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