HDE: Erholung der Verbraucherstimmung schwächt sich weiter ab
BERLIN (Dow Jones)--Das aktuelle Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) ist im Juli im Vergleich zum Vormonat nur marginal gestiegen. Der Index kletterte auf 94,51 Punkte von 94,29 Zählern im Juni. Der Verband betonte, der seit Herbst vergangenen Jahres anhaltende positive Trend bei der Verbraucherstimmung habe bereits in den Vormonaten deutlich an Schwung verloren. "Auch im Juli trübt sich die Stimmung nun zwar nicht ein, doch die positive Entwicklung kommt nahezu zum Erliegen", erklärte der HDE. "In den nächsten Monaten ist daher eine anhaltende Schwäche des privaten Konsums zu erwarten."
Die Anschaffungsneigung der Verbraucherinnen und Verbraucher wächst laut den Angaben weiter. Während sie dem Konsum etwas offener gegenüberständen als noch im Vormonat, steige allerdings auch ihre Sparneigung. Begünstigt werde der gleichzeitige Anstieg von Anschaffungs- und Sparneigung durch die Erwartung der Verbraucher, dass ihr eigenes Einkommen zunehmen werde. Mit Blick auf die weitere Einkommensentwicklung zeigten sie sich optimistischer als noch im Vormonat. Daher planten sie grundsätzlich mehr Geld für Anschaffungen und zum Sparen ein. Allerdings falle die Entwicklung insgesamt nur schwach aus. Mit einem starken Wachstumsimpuls für den privaten Konsum sei nicht zu rechnen.
Der konjunkturelle Ausblick für Deutschland habe sich zur Jahresmitte deutlich eingetrübt. Das gehe aus den jüngsten Konjunkturprognosen hervor, und auch unter den Unternehmen nehme der Pessimismus zu. Die Verbraucherinnen und Verbraucher schätzten die Situation ähnlich ein. Bereits im Vormonat seien ihre Konjunkturerwartungen rückläufig gewesen. Dieser negative Trend setze sich fort, und ihre Erwartungen gingen weiter zurück. Wenngleich ihr konjunktureller Optimismus etwas gedämpft worden sei, sei er noch immer stärker ausgeprägt als vor einem Jahr.
Die Verbraucherstimmung in Deutschland habe sich in den vergangenen Monaten stetig erholt, wenn auch zuletzt nur in kleinen Schritten. Ihr Einbruch nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine sei inzwischen wieder aufgeholt. Dennoch sei die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher von früheren Höchstständen weit entfernt. Nach der ersten Hälfte des Jahres überwiege daher die Ernüchterung. Da in diesem Jahr nicht mehr mit einer signifikanten gesamtwirtschaftlichen Erholung gerechnet werden könne, trete die Verbraucherstimmung nahezu auf der Stelle. In den kommenden Monaten werde sich der private Konsum vor diesem Hintergrund voraussichtlich nur schwach entwickeln. Ein Wachstumstreiber werde er erst im nächsten Jahr wieder sein können.
Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com
DJG/ank/apo
(END) Dow Jones Newswires
July 03, 2023 03:21 ET (07:21 GMT)