Hyperscaler

Schuldenfinanzierter KI-Boom: Goldman Sachs schlägt bei Big Tech-Aktien wie Meta, Alphabet und Microsoft Alarm


Schuldenfinanzierter KI-Boom: Goldman Sachs schlägt bei Big Tech-Aktien wie Meta, Alphabet und Microsoft Alarm

Der Ausbau der KI-Infrastruktur durch die großen US-Technologiekonzerne erreicht Dimensionen, die sich zunehmend nicht mehr allein aus eigenen Mitteln stemmen lassen.

• Goldman Sachs erwartet, dass 2027 rund 35 Prozent der Investitionsausgaben der Hyperscaler über Fremdkapital finanziert werden
• Die Anleiheausgabe der Hyperscaler lag 2025 bereits beim 3,4-fachen des Fünfjahresdurchschnitts
• Private Kreditmärkte und Projektfinanzierungen sollen die entstehende Finanzierungslücke schließen

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KI-Boom vor Wendepunkt in der Finanzierung

Die Investmentbank Goldman Sachs beobachtet seit einiger Zeit eine Verschiebung in der Art, wie Technologiekonzerne ihre KI-Ausbauten bezahlen. Amanda Lynam, die bei Goldman Sachs die Credit Strategy Research leitet, bezeichnete das Thema in einem am 5. August 2026 veröffentlichten Gespräch der Reihe Goldman Sachs Exchanges als das derzeit dominierende Thema an den Kreditmärkten. Sie verwies darauf, dass die Investitionsausgaben der Branche mittlerweile so schnell wachsen, dass sie sich dem operativen Cashflow der Unternehmen annähern, wodurch Fremdkapital eine zunehmend wichtige Rolle in der Finanzierung einnimmt.

Nach Angaben von Lynam lag der Anteil der über Anleihen finanzierten Investitionsausgaben bei den Hyperscalern 2025 bei 26 Prozent. Für 2026 rechnet Goldman Sachs mit einem Anstieg auf etwa ein Drittel, für 2027 mit einem Höchststand von 35 Prozent. Diese Prognose bildet den Kern der Warnung, mit der die Bank in den vergangenen Monaten verstärkt auf die veränderte Finanzierungsstruktur des KI-Booms aufmerksam macht.

Wie stark die Investitionen der Hyperscaler wachsen

Die Dimension der Ausgaben erklärt, warum Eigenmittel allein nicht mehr ausreichen. Wie aus Berechnungen von Goldman Sachs hervorgeht, die Yahoo Finance vorliegen: Die fünf Hyperscaler Amazon, Alphabet, Meta Platforms, Microsoft und Oracle gaben 2025 zusammen 405 Milliarden US-Dollar für Investitionen aus. Für 2026 rechnet die Bank mit einem Sprung auf rund 750 Milliarden US-Dollar, für 2027 mit rund 1,2 Billionen US-Dollar.

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Diese Zahlen decken sich mit einer Analyse von Reuters, die sich ebenfalls auf Goldman-Sachs-Schätzungen stützt und für 2026 einen operativen Cashflow der Hyperscaler von etwa 778 Milliarden US-Dollar nennt, also nur knapp über den erwarteten Investitionsausgaben von 750 Milliarden US-Dollar. Genau diese Annäherung zwischen Investitionsbedarf und verfügbarem Cashflow gilt bei Goldman Sachs als zentraler Treiber für die wachsende Bedeutung der Fremdfinanzierung.

Warum Schuldenfinanzierung beim KI-Boom an Bedeutung gewinnt

Die betroffenen Konzerne verfügen weiterhin über beträchtliche Barmittel, was die Frage aufwirft, warum sie überhaupt verstärkt Anleihen ausgeben. Lynam erklärte dazu im Gespräch mit Goldman Sachs Exchanges, dass es sich um eine strategische Vorbereitung auf einen mehrjährigen Investitionszyklus handle. Die Unternehmen würden nach und nach verschiedene Kapitalquellen ausschöpfen, darunter Fremdkapital, Eigenkapital und interne Mittel, um sich für die kommenden Jahre finanziell zu positionieren.

Ein weiterer Faktor liegt laut Lynam in der Bonität der Konzerne. Die Hyperscaler seien bislang so hoch geratet und so gering verschuldet gewesen, dass erheblicher Spielraum bestehe, zusätzliches Fremdkapital aufzunehmen, ohne das Investment-Grade-Rating zu gefährden. Ähnliche Muster habe man bereits in der Pharma- und Telekombranche gesehen, wenn Unternehmen ihre Kapitalstruktur strategisch anpassten. Nach ihrer Einschätzung bleibe selbst ein leicht höherer Kapitalkostensatz für die Hyperscaler wirtschaftlich sinnvoll, solange die Rendite auf das eingesetzte Kapital die Mehrkosten übersteigt.

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Welche Risiken Goldman Sachs beim KI-Boom sieht

Goldman Sachs stuft das Ausfallrisiko der einzelnen Hyperscaler selbst als gering ein, da die Konzerne über umfangreiche Barreserven verfügen. Die eigentliche Sorge der Bank betrifft die Kreditmärkte als Ganzes. Lynam erläuterte, dass zwischen theoretischer Verschuldungsfähigkeit und tatsächlicher Aufnahmefähigkeit des Marktes ein wichtiger Unterschied bestehe. Würden die Hyperscaler ihre Verschuldung bis zu einem Verhältnis von zwei zur Nettoverschuldung oder drei zur Bruttoverschuldung ausweiten, ergäbe sich eine theoretische zusätzliche Kapazität von rund zwei Billionen US-Dollar. Der begrenzende Faktor sei jedoch, wie viel der US-Markt für Investment-Grade-Anleihen realistisch aufnehmen könne.

Zum Vergleich zog Lynam die größten US-Banken heran, die im Investment-Grade-Index jeweils nicht mehr als 175 Milliarden US-Dollar an indexfähigen Schulden und nicht mehr als 2,3 Prozent des Index ausmachen. Würden die Hyperscaler auf dieses Niveau gebracht, ergäbe sich daraus eine zusätzliche Kapazität von rund 510 Milliarden US-Dollar im US-Investment-Grade-Markt allein, wobei sie einräumte, dass dieser Vergleich aus Sicht einiger institutioneller Investoren zu großzügig bemessen sein könnte, da diese bereits über Aktienengagements ein hohes Risiko im Technologiesektor tragen. Auch Guy LeBas, Chief Fixed Income Strategist bei Janney Capital Management, bestätigte gegenüber Fortune, dass die zusätzliche Anleiheversorgung bereits Spuren an den Märkten hinterlasse. Nach seinen Angaben stieg der Renditeaufschlag von Investment-Grade-Anleihen gegenüber Staatsanleihen von rund 70 Basispunkten auf etwa 85 Basispunkte, mit dem Potenzial für einen weiteren Anstieg auf bis zu 95 Basispunkte, sollte die Emissionstätigkeit der Hyperscaler anhalten.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Maren Winter / Shutterstock.com, Poetra.RH / Shutterstock.com

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