IMK Prognose: Deutsches BIP sinkt 2023 um 0,5 Prozent
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt nach der neuen Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) 2023 im Jahresdurchschnitt um 0,5 Prozent und wächst 2024 um 1,2 Prozent. Gegenüber seiner vorherigen Prognose vom März senkte das IMK damit seine Erwartung für 2023 um 0,5 Prozentpunkte und bestätigte die Prognose für 2024. "Eine nur langsame Erholung nach der Winterrezession führt dazu, dass die deutsche Wirtschaft auch im Gesamtjahr 2023 leicht schrumpft", erklärte das zur Hans-Böckler-Stiftung gehörende Institut.
Die Arbeitslosenquote steigt nach der Prognose im Durchschnitt dieses Jahres leicht auf 5,5 Prozent und bleibt 2024 auf diesem Niveau. Das entspreche knapp 2,6 Millionen Menschen ohne Job - 150.000 mehr als 2022. Die Inflationsrate werde im Jahresdurchschnitt 2023 noch hohe 5,3 Prozent betragen, im Jahresverlauf verringere sich der Preisauftrieb aber. 2024 dürfte die Teuerungsrate mit 2,4 Prozent wieder relativ nahe am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.
Für den absehbaren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und die schleppende wirtschaftliche Erholung vor allem in diesem Jahr gibt es laut IMK eine Reihe von Gründen: Die Preissteigerungen hätten die Haushalte Kaufkraft gekostet, was den privaten Konsum dämpfe, der rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmache. Der Staatskonsum sei deutlich zurückgegangen, nachdem die Corona-Maßnahmen weggefallen seien. Die Bauinvestitionen sänken drastisch. Hinzu komme eine eher verhaltene Entwicklung des Außenhandels. 2023 legen die deutschen Ausfuhren nach der Prognose nur um 0,4 Prozent zu und die Importe sinken um 1,5 Prozent. 2024 legen die Exporte demnach um 2,1 Prozent und die Importe um 2,3 Prozent zu.
Auf der konjunkturellen Habenseite für die deutsche Wirtschaft stehen laut IMK neben der nachlassenden Inflation kontinuierlich wachsende Ausrüstungsinvestitionen, für die 2023 ein Anstieg um 3,5 Prozent und 2024 um 2,5 Prozent erwartet wird. Gründe dafür seien unter anderem die ökologische Transformation der Wirtschaft und wachsende Rüstungsausgaben des Staates. Vor diesem Hintergrund sei in diesem Jahr "nach der leichten Rezession im Winterhalbjahr und einer Stagnation im zweiten Quartal in der zweiten Jahreshälfte mit einer zögerlichen Erholung der deutschen Konjunktur zu rechnen".
IMK-Chef Sebastian Dullien nannte die Ausschläge nach unten angesichts der enormen wirtschaftlichen Herausforderungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine moderat. "Die deutsche Wirtschaft erweist sich einmal mehr als robust", betonte er. Mit Blick auf Konjunktur und Finanzmarktstabilität sei es wichtig, dass sich die Notenbanken bis auf Weiteres mit weiteren Zinserhöhungen zurückhielten: "Da die Inflation sich absehbar in Richtung des Ziels der EZB von 2 Prozent entwickelt, zugleich aber die kräftigen Zinserhöhungen der vergangenen Monate ihre volle Wirkung erst mit Zeitverzögerung entfalten, sollte die EZB mit ihren Zinsschritten nun zunächst eine Pause einlegen und die weitere Entwicklung abwarten."
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June 21, 2023 03:58 ET (07:58 GMT)