IMK: Rezessionsrisiko erneut zurückgegangen


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland haben sich in den vergangenen Wochen nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung weiter aufgehellt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in nächster Zeit in eine Rezession gerät, ist dementsprechend erneut gesunken, und zwar den vierten Monat in Folge", erklärte das Institut. Das signalisiere der Konjunkturindikator des IMK, der zum ersten Mal seit Februar 2022 nach dem Ampelsystem auf "gelb-grün" schalte. "Das steht für ein moderates Wachstum", betonte das IMK.

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Für die drei Monate von Februar bis Ende April weist der Indikator, der Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt, laut den Angaben ein Rezessionsrisiko von 21,7 Prozent aus. Anfang Januar waren es noch 29 Prozent für die folgenden drei Monate. Die statistische Streuung sei mit 16,4 Prozent zwar weiterhin relativ hoch und nur wenig zurückgegangen. Rezessionswahrscheinlichkeit und Streuung zusammengenommen unterschritten nun aber die Schwelle, ab der der Indikator eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit ausweise.

Die erneute Entspannung bei der Rezessionswahrscheinlichkeit ergebe sich im Wesentlichen aus positiven Trends bei Stimmungs- und Finanzmarktindikatoren. Insbesondere die Exportaussichten hellten sich auf, unter anderem weil sich die US-Wirtschaft trotz hoher Zinsen robust entwickle und sich die wirtschaftliche Situation in China normalisiere. Der Einkaufsmanagerindex für Deutschland habe die Expansionsschwelle erreicht, für den Euroraum überschreite er sie bereits. Uneinheitlich seien die Signale aus der Realwirtschaft, daher hätten sie aktuell keinen großen Einfluss auf die Entwicklung des Indikators.

Die neue Drei-Monats-Vorschau des Indikators stehe im Einklang mit der aktuellen Konjunkturprognose des IMK, nach der ab dem zweiten Quartal mit einer konjunkturellen Erholung zu rechnen sei, erklärte Konjunkturforscher Thomas Theobald: "Die deutsche Wirtschaft dürfte die Talsohle durchschritten haben." Doch trotz der positiveren Aussichten blieben konjunkturelle Unsicherheiten, warnte er. Ob die Erholung im Jahresverlauf mehr als ein gedämpftes Wachstum erlaube, sei angesichts weiter steigender Zinsen mit einem Fragezeichen zu versehen. "Als Sorgenkind erweist sich zudem die Entwicklung der Produktion in energieintensiven Industriezweigen."

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Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/smh

(END) Dow Jones Newswires

February 16, 2023 03:46 ET (08:46 GMT)