Immobilienfinanzierungsgeschäft der Pfandbriefbanken bricht ein
BERLIN (Dow Jones)--Das Immobilienfinanzierungsgeschäft der Pfandbriefbanken ist im Jahr 2022 angesichts der hohen Inflation im Vorjahresvergleich um 11 Prozent eingebrochen. Nach Angaben des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) belief sich das Geschäft auf 158,5 Milliarden Euro nach 178,0 Milliarden im Vorjahr. Der Verband rechnet für das laufende Jahr mit einer vorerst weiterhin verhaltenen Kreditnachfrage. Die Neigung der Privathaushalte zum Immobilienerwerb dürfte 2023 wegen der realen Einkommenseinbußen eher gering bleiben.
Im vergangenen Jahr war nach vdp-Angaben im ersten Halbjahr noch ein deutliches Wachstum aufgrund von Vorzieheffekten wegen des zu erwartenden Zinsanstiegs zu verzeichnen. Im zweiten Halbjahr entwickelten sich die Darlehnszusagen aber mit zweistelligen Raten deutlich rückläufig, so der Verband.
Das Wohnimmobilienfinanzierungsgeschäft schrumpfte 2022 um 17,1 Prozent auf 98,2 Milliarden Euro. Das Gewerbeimmobilienfinanzierungsgeschäft der Pfandbriefbanken verzeichnete hingegen ein leichtes Plus von 1,2 Prozent auf 60,3 Milliarden Euro. Aber auch hier machte sich nach einem deutlichen Wachstum im ersten Halbjahr ein Rückgang bei der Kreditvergabe im vierten Quartal bemerkbar.
"Die Wende am Immobilienmarkt manifestiert sich auch im Immobilienfinanzierungsgeschäft der Banken. Die Zurückhaltung der Marktakteure, vor allem der privaten Darlehnsnehmer, ist eine Folge der hohen Inflation", erklärte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. Zum einen hätten die innerhalb kürzester Zeit spürbar gestiegenen Lebenshaltungskosten den finanziellen Spielraum der Privathaushalte verringert. Zum anderen sei die hohe Teuerungsrate eine Ursache für die nun deutlich höheren Kreditzinsen.
Verhaltene Nachfrage im laufenden Jahr
Mit Blick auf dieses Jahr dürfte dem Verband zufolge die Neigung zum Immobilienerwerb im wohnwirtschaftlichen sowie im gewerblichen Bereich verhalten sein. Abgesehen von den realen Einkommensverlusten hätten Immobilieninvestments auch im Vergleich zu anderen Anlageformen angesichts gestiegener Kapitalmarktzinsen an Attraktivität verloren.
"Impulse für eine steigende Nachfrage könnten dann entstehen, wenn die Maßnahmenvorschläge des Bündnisses bezahlbarer Wohnraum umgesetzt werden, wie z.B. eine flexiblere Gestaltung der Grunderwerbsteuer", sagte Tolckmitt. Für die Wohnungsunternehmen wären etwa auch die Schaffung einer verlässlichen Förderkulisse und die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren von Bedeutung, um neue Projekte angehen zu können.
Aufgrund des Rückgangs beim Neugeschäft hat sich auch der naturgemäß trägere Darlehensbestand der vdp-Mitgliedsinstitute weniger dynamisch als in den Vorjahren entwickelt. Mit 994,2 Milliarden Euro lag er zum Jahresende 2022 um 3,8 Prozent über dem Vorjahreswert. "Angesichts des weiter verhaltenen Immobilienfinanzierungsneugeschäfts ist zu erwarten, dass der Darlehensbestand der Pfandbriefbanken in diesem Jahr noch etwas geringer wächst, möglicherweise auch stagniert", sagte Tolckmitt.
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March 13, 2023 05:18 ET (09:18 GMT)