Lenovo-Aktie +20 Prozent nach Rekordquartal und KI-Umsatzsprung
Ein Rekordumsatz im abgeschlossenen Quartal und ein Sprung beim KI-Geschäft haben die Lenovo-Aktie am Donnerstag kräftig nach oben getrieben.
- Lenovo meldet Rekordumsatz und Rekordgewinne in praktisch allen Sparten
- Hoher Sonderposten sorgt trotz starkem operativem Geschäft für Nettoverlust
- Infrastruktursparte wächst mit KI-Servern schneller als alle anderen Bereiche
Lenovo hat für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 einen Rekordumsatz vorgelegt und damit einen kräftigen Kurssprung ausgelöst: Die Lenovo-Aktie zog in Hongkong am Donnerstag letztlich um 20,18 Prozent auf 34,90 Hongkong-Dollar an. Der Computer- und Technologiekonzern aus China profitiert vom Boom der KI-Infrastruktur, alle Geschäftsbereiche erzielten Bestwerte bei Umsatz und operativem Gewinn.
Lenovo-Aktie steigt dank Rekordumsatz durch KI-Nachfrage
Lenovo meldete für das am 30. Juni 2026 abgeschlossene Quartal einen Konzernumsatz von 26,943 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und laut Unternehmensangaben die höchste Quartalswachstumsrate der vergangenen fünf Jahre. Der Wert markiert zugleich auch ein Allzeithoch für ein Quartal. Zudem erzielten laut Unternehmensmitteilung auch alle Geschäftsbereiche Rekordumsätze und Rekord-Betriebsgewinne für ein erstes Fiskalquartal. Der KI-bezogene Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 60 Prozent auf 9,3 Milliarden US-Dollar und machte damit 35 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Besonders kräftig legte die Infrastructure Solutions Group zu, die Server und Rechenzentrumstechnik bündelt: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 98 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar, der Betriebsgewinn erreichte mit 777 Millionen US-Dollar ein Allzeithoch, die operative Marge kletterte auf einen Rekordwert von 9,1 Prozent. Die Auftragspipeline für KI-Server wuchs im Vergleich zum vorangegangenen Quartal um 157 Prozent auf 54,0 Milliarden US-Dollar. Die Intelligent Devices Group, zu der PCs und Smart Devices zählen, steigerte den Umsatz um 27 Prozent auf 17,1 Milliarden US-Dollar, während die Solutions and Services Group mit 2,9 Milliarden US-Dollar den höchsten Quartalsumsatz der Unternehmensgeschichte verbuchte.
Sonderposten drückt auf das Ergebnis
Der bereinigte Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 176 Prozent auf 1,075 Milliarden US-Dollar und überschritt damit erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar. Unter dem Strich verbuchte der Konzern jedoch einen den Anteilseignern zurechenbaren Nettoverlust von 609 Millionen US-Dollar, nach einem Gewinn von 505 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten laut Reuters hier im Schnitt einen Gewinn von 589 Millionen US-Dollar erwartet. Lenovo erklärte laut der Nachrichtenagentur, der Verlust gehe primär auf einen nicht zahlungswirksamen Fair-Value-Verlust von 1,7 Milliarden US-Dollar aus der Neubewertung von 2025 ausgegebenen Warrants zurück.
CEO Yang Yuanqing erklärte gegenüber Reuters, man habe Lieferengpässe und Kostensteigerungen bei Speicherchips korrekt antizipiert und erfolgreich bewältigen können. Er zeigte sich zuversichtlich, das Wachstumstempo aufrechtzuerhalten und die langfristige Profitabilität weiter steigern zu können, und ergänzte, Lenovo sei auf Kurs, im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar zu erreichen.
Marktanteil trotz schwächerem PC-Markt verteidigt
Die weltweiten PC-Auslieferungen sanken im zweiten Kalenderquartal 2026 laut Counterpoint Research im Jahresvergleich um 2 Prozent auf 16,6 Millionen Einheiten, der erste Rückgang seit dem ersten Quartal 2025, bedingt durch den speicherbedingten Kostendruck. Laut Reuters verteidigte Lenovo jedoch seine Marktführerschaft mit einem Marktanteil von 25,6 Prozent.
Auch in der zweiten Jahreshälfte rechnet Lenovo nicht mit einer Umkehr des Trends bei PC-Verkäufen, verwies jedoch laut Reuters darauf, dass man den Absatz von Geräten außerhalb des PC-Segments, wie etwa Tablets, steigere. "Was die Stückzahlen betrifft, so wird die Nachfrage (nach PCs) begrenzt bleiben; da jedoch die durchschnittlichen Verkaufspreise steigen - beziehungsweise wir uns in Richtung höherpreisiger Segmente bewegen -, können wir dennoch den Umsatz steigern", wird CEO Yang zitiert. Zudem wolle Leonovo der weltweit wachsenden Nachfrage nach persönlichen KI-Geräten begegnen und entwickle dafür leistungsstärkere, KI-fähige PCs sowie Edge-Computing-Geräte, die KI-Modelle ausführen können.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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