Jahresziele bestätigt

E.ON-Aktie gibt nach: Verzögerte Investitionen bremsen Gewinnwachstum


E.ON-Aktie gibt nach: Verzögerte Investitionen bremsen Gewinnwachstum

Der Energiekonzern E.ON setzt bei seinen Investitionsvorhaben auf die kommenden Monate.

Im ersten Halbjahr lagen die Investitionen etwa für Energieinfrastruktur und Digitalisierung mit 3 Milliarden Euro rund 7 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Grund dafür waren nach Konzernangaben witterungsbedingte Verzögerungen zu Jahresbeginn, die im Jahresverlauf nachgeholt werden sollen. Für 2026 stehen bei den Essenern weiterhin 8,7 Milliarden Euro im Plan, was etwas mehr wäre als 2025. Auch die Ergebnisziele bestätigte das Management zur Vorlage des Halbjahresberichts. Anleger reagierten verhalten.

Werbung

Die Aktie verlor via XETRA zuletzt 1,63 Prozent auf 18,71 Euro. Etwa seit Anfang Juli bewegt sich das Papier überwiegend seitwärts. Zuvor hatte es etwas Federn gelassen, nachdem der Kurs Mitte März ein Niveau von mehr 20 Euro erreicht hatte. Seit Jahresbeginn steht momentan ein Plus von fast 17 Prozent zu Buche.

Bislang bremsen die verzögerten Investitionen des DAX-Konzerns auch das Ergebniswachstum aus. Denn der operative Gewinn bei E.ON ist in weiten Teilen an den Ausbau des Energienetzes geknüpft, dessen Betrieb den Löwenanteil zum Ergebnis beiträgt. Das um nicht-operative Effekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im ersten Halbjahr nur leicht auf 5,4 Milliarden Euro.

Der Ergebnisbeitrag aus dem wichtigen Netzgeschäft blieb dabei quasi stabil. Das Vertriebsgeschäft bewegte sich leicht unter Vorjahresniveau. Im Geschäft mit Städten, Gemeinden, Gewerbe und Industrie legte E.ON zu, der Bereich steuert allerdings am wenigsten zum Gesamtergebnis bei. Der bereinigte Gewinn des Konzerns verbesserte sich um 5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

Werbung

Die Resultate hätten im Einklang mit den Schätzungen von Analysten gelegen, schrieb Experte Alexander Wheeler von der kanadischen Bank RBC. Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies sieht die Ergebnisse sogar etwas über der Konsensschätzung. Das Unternehmen sei auf gutem Weg, die Jahresziele zu erreichen, schrieb er.

Im Gesamtjahr strebt E.ON ein operatives Ergebnis von 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro an und einen bereinigten Überschuss von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro. Bis 2030 soll das operative Ergebnis auf 13 Milliarden und der bereinigte Gewinn auf 3,8 Milliarden Euro zulegen. Zudem sind für die Jahre 2026 bis 2030 rund 48 Milliarden Euro Investitionen das Ziel.

Der Schwerpunkt liegt dabei unverändert im Ausbau, der Modernisierung und Digitalisierung des Verteilnetzes: 40 Milliarden Euro nimmt E.ON allein für den Netzausbau in die Hand. Vor allem das Strom-Verteilnetz spielt eine wichtige Rolle beim Energie-Umbau Deutschlands hin zur Klimaneutralität. So speisen fast alle Wind- und Solaranlagen ihren Strom in das Verteilnetz ein. Um das erklärte Ziel einer emissionsfreien Stromerzeugung in Deutschland 2035 zu erreichen, braucht es deshalb hohe Investitionen, unter anderem in Neuanschlüsse und die Modernisierung.

Werbung

Vor allem im Netzgeschäft ist E.ON allerdings stark an die von der Bundesnetzagentur vorgegeben Bedingungen gebunden. Und wie diese ab 2029 für das Strom-Geschäft aussehen sollen, ist in einigen Aspekte noch offen. Zumindest Metzler-Experte Guido Hoymann sieht zunehmende Chancen auf Zugeständnisse seitens der Regulierungsbehörde. Er verwies auf die dringende Notwendigkeit, den Netzausbau zu beschleunigen. Hier habe die Bundesregierung kürzlich die Notwendigkeit einer solchen Beschleunigung bekräftigt und Maßnahmen zur Erleichterung der Umsetzung in Aussicht gestellt.

E.ON-Chef sieht große Gefahr durch Drohnen-Angriffe auf Energieinfrastruktur

In der Debatte um Drohnen-Abwehr warnt E.ON-Chef Leonhard Birnbaum vor möglichen Angriffen auf die Energieinfrastruktur. "Das attraktivste Angriffsziel ist die Höchstspannung der Übertragungsnetzbetreiber und das 110.000-Volt-Netz von E.ON", sagte der Manager am Mittwoch in Essen bei Vorlage des Halbjahresberichts. Birnbaum forderte Nachbesserungen beim Schutz und sieht den Staat in der Pflicht. Er geht aber auch davon aus, dass ein vollständiger Schutz "illusorisch" ist.

"Wir schaffen es in Deutschland zurzeit nicht, die Flughäfen zu sichern, und nicht mal die großen wenigen Flughäfen. Wie sollte ich Ihnen jetzt sagen, dass wir aber unsere vielen hundert verteilten Verteilnetzpunkte alle unter Kontrolle haben? Das ist natürlich nicht der Fall", sagte Birnbaum. In der vergangenen Woche war eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden.

"E.ON arbeitet seit Jahren daran, die physische Absicherung der Anlagen zu verbessern", sagte Birnbaum. Bei Drohnen sei der Fortschritt aber so schnell und groß, dass ein vollständiger Schutz derzeit nicht gewährleistet sei. "Wir können sicherstellen, dass es nicht einfach ist, aber wir können nicht sicherstellen, dass es unmöglich ist, uns anzugreifen." Weiterhin sei es wichtig sich darauf vorzubereiten, dass nach einer gegebenenfalls erfolgreichen Attacke, die Versorgung schnell wieder hergestellt werde.

Der Chef des DAX-Konzerns plädierte für eine bessere Vernetzung der Akteure. "Wir brauchen einfachere Lösungen, die auch ineinandergreifen", sagte Birnbaum und verwies auf die unterschiedlichen Zuständigkeitsgebiete etwa von Bundes-, Landespolizei und privaten Unternehmen, wie E.ON. "Wir brauchen aus meiner Sicht ein System, das realistisch funktionieren kann."

"Deutschland, Europa muss da flächendeckend besser werden", sagte Birnbaum. Dies sieht er als staatliche Aufgabe. "Wir werden unseren Beitrag zu dieser staatlichen Aufgabe tun, aber wir können es nicht ersetzen, wenn der Staat es nicht gewährleisten kann."

E.ON ist Deutschlands größter Stromversorger und -netzbetreiber. Der Konzern zählt im Heimatmarkt rund zwölf Millionen Strom- und zwei Millionen Erdgaskunden. Mit rund 700.000 Kilometern Leitungslänge gehört fast ein Drittel des deutschen Strom-Verteilnetzes dem Essener Konzern.

ESSEN (dpa-AFX)

Bildquellen: 360b / Shutterstock.com, PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Werbung