KI-Boom

Keine neue Dotcom-Blase? Warum die heutige KI-Aktienrally anders tickt


Keine neue Dotcom-Blase? Warum die heutige KI-Aktienrally anders tickt

Der S&P 500 legt seit 2022 kräftig zu, doch Franklin Templeton sieht die KI-Rally fundamental anders aufgestellt als den Internet-Boom der späten 1990er Jahre.

  • KI-Rally bleibt hinter Dotcom-Boom zurück
  • Franklin-Templeton-Stratege Weyerer sieht KI-Aktien breiter aufgestellt
  • Fokus verschiebt sich zu Infrastruktur-Anbietern
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Seit seinem Tief im Jahr 2022 hat der S&P 500 bis Ende Juli 2026 um rund 108 Prozent zugelegt, verglichen mit etwa 127 Prozent im entsprechenden Abschnitt des Dotcom-Zyklus der späten 1990er Jahre. Für Marcus Weyerer, Director of ETF Investment Strategy bei Franklin Templeton, ist der viel diskutierte Vergleich zwischen heutiger KI-Rally und damaligem Internet-Boom trotzdem zu kurz gegriffen, berichtet investing.com. Aus seiner Sicht trennen fundamentale Unterschiede in der Substanz der beteiligten Unternehmen beide Marktphasen deutlicher, als es die reine Kursentwicklung nahelegt.

KI-Aktien: Warum die aktuelle Rally moderater verläuft

Sowohl in der Dauer als auch im Ausmaß fällt der gegenwärtige Anstieg geringer aus als die Rally der Dotcom-Ära zum gleichen Zeitpunkt, heißt es. Weyerer führt das auf die Qualität der heutigen Marktführer zurück. Vielen der damals gefeierten Internet-Firmen fehlte es an "Profitabilität, Cashflow und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen", erklärte der Stratege gemäß investing.com. Die heutigen Schwergewichte im KI-Umfeld agierten dagegen auf mehreren Ebenen des Ökosystems gleichzeitig, von Chips über Cloud-Infrastruktur und Software-Plattformen bis zu proprietären Daten. Das könnte ihnen helfen, Preissetzungsmacht und Margen deutlich länger zu verteidigen als es den Dotcom-Werten damals möglich war.

Hohe Kapitalkosten als Eintrittsbarriere

Ein zweiter struktureller Unterschied liegt laut Weyerer in der Kapitalintensität der KI-Infrastruktur. Der Aufbau von Rechenzentren sowie ausreichender Halbleiter-, Speicher- und Stromkapazität erfordere erhebliche Investitionen, deutlich höhere als in vielen früheren Technologiezyklen. Wer im KI-Ökosystem mithalten will, brauche demnach nicht nur eine gute Idee, sondern auch die finanzielle Kraft für physische Infrastruktur. Das erschwere es unterkapitalisierten Herausforderern, etablierte Anbieter kurzfristig zu verdrängen, und unterscheide die heutige Konstellation von der vergleichsweise niedrigen Eintrittsschwelle der späten 1990er Jahre.

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Anlegerfokus wandert zu den Infrastruktur-Anbietern

Die Aufmerksamkeit der Anleger hat sich nach Beobachtung des Franklin-Templeton-Strategen von den Hyperscalern, die KI-Anwendungen entwickeln, hin zu den sogenannten Picks-and-Shovels-Unternehmen verschoben, die die dafür nötige Infrastruktur liefern. Für Weyerer signalisiert das "eher eine Reifung des KI-Investitionszyklus als ein Abklingen des Themas", wie investing.com den Experten zitiert. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob sich diese strukturelle Einschätzung auch in den Geschäftszahlen bestätigt.

Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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