Alphabet braucht Milliarden für KI - Anleger reißen sich um die Anleihen - So reagiert die Aktie
Nach dem angehobenen Investitionsplan sucht der Google-Konzern frisches Fremdkapital und stößt am Anleihemarkt auf ungewöhnlich große Resonanz.
- Alphabet vermarktet eine Anleihe in bis zu zehn Tranchen mit Laufzeiten 2 bis 40 Jahre
- Orderbuch erreichte wohl rund 115 Milliarden US-Dollar bei 25 Milliarden-US-Dollar-Ziel
- Kapitalausgabenprognose 2026 liegt nach zwei Anhebungen bei bis zu 205 Milliarden US-Dollar
Der Techriese Alphabet geht erneut an den US-Anleihemarkt und bietet Investoren eine Anleihe in bis zu zehn Tranchen mit Laufzeiten zwischen zwei und 40 Jahren an. Der Schritt folgt wenige Wochen auf die angehobene Investitionsprognose für 2026, die zuvor einen Ausverkauf bei KI-nahen Anleihen ausgelöst hatte, und soll frisches Kapital für den Ausbau der Rechenzentren-Infrastruktur sichern.
Orderbuch übertrifft Zielvolumen deutlich
Die Google-Mutter Alphabet begann am Donnerstag mit der Vermarktung der Anleihe. Für die am längsten laufende Tranche wurde zunächst ein Renditeaufschlag von rund 1,55 Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren US-Staatsanleihen in Aussicht gestellt. Das geplante Emissionsvolumen lag bei bis zu 25 Milliarden US-Dollar.
Nach Bloomberg-Angaben erreichte das Orderbuch rund 115 Milliarden US-Dollar bei einem Zielvolumen von bis zu 25 Milliarden US-Dollar. Der Zeitpunkt für den Schritt ist spannend, denn das Investoreninteresse an Bonds zur Finanzierung der KI-Infrastruktur hatte sich im Juli spürbar abgekühlt. Ein an BlackRock angebundenes Vehikel hatte in der Woche zuvor 12,5 Milliarden US-Dollar an Anleihen für ein Meta Platforms Rechenzentrumsprojekt in Texas platziert, wobei die Anfangsnachfrage verhalten ausfiel, ähnlich wie zuvor bei einer Emission von Amazon. Neu emittierte KI-nahe Anleihen etwa von SpaceX verzeichneten am Sekundärmarkt eine Ausweitung der Spreads.
Alphabet-Aktie: Finanzierungswelle nach Investitionsrekord
Alphabet hatte seine Investitionsprognose für 2026 zuletzt auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben, nachdem der Wert zuvor bereits von ursprünglich 175 bis 185 Milliarden US-Dollar auf 180 bis 190 Milliarden US-Dollar gestiegen war. Finanzchefin Anat Ashkenazi kündigte für 2027 nach eigenen Angaben nochmals deutlich höhere Ausgaben an. Im zweiten Quartal 2026 flossen laut Unternehmensangaben 44,9 Milliarden US-Dollar allein in neue Rechenzentren und Server, was maßgeblich dazu beitrug, dass der freie Cashflow im selben Quartal erstmals seit dem Börsengang 2004 negativ ausfiel.
Der aktuelle Bond-Deal reiht sich in eine bereits umfangreiche Finanzierungsstrategie ein: Im ersten Halbjahr 2026 hatte Alphabet bereits mehr als 50 Milliarden US-Dollar an Anleihen platziert und im Februar den US-Markt angezapft, bevor Emissionen in Schweizer Franken, britischen Pfund, Euro, kanadischen Dollar und japanischen Yen folgten. Zusätzlich sicherte sich der Konzern 2026 rund 85 Milliarden US-Dollar über eine Aktienemission, an der sich unter anderem Berkshire Hathaway beteiligte, sowie eine seltene 100-jährige Anleihe. Hyperscaler wie Amazon, Alphabet, Meta Platforms und Oracle haben bis Ende Juli 2026 zusammen rund 194 Milliarden US-Dollar an Anleihen begeben, ein Plus von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Goldman Sachs geht davon aus, dass 2026 rund ein Drittel der Kapitalausgaben der Hyperscaler fremdfinanziert wird, da zwischen Investition und Monetarisierung der KI-Infrastruktur mehrere Monate bis zu zwei Jahre liegen.
Geschäftszahlen liefern Rückenwind
Das operative Geschäft lieferte im zweiten Quartal 2026 Rückenwind für die Finanzierungspläne: Der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar, der Google-Cloud-Umsatz legte um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar zu und die operative Marge verbesserte sich von 32 auf 34 Prozent. Der Auftragsbestand von Google Cloud kletterte auf 514 Milliarden US-Dollar. Der ausgewiesene Rekordgewinn von 112,1 Milliarden US-Dollar enthielt allerdings einen Bewertungsgewinn von rund 99 Milliarden US-Dollar auf Minderheitsbeteiligungen, bereinigt lag der Gewinn je Aktie mit rund 2,85 US-Dollar knapp unter der Analystenschätzung von 2,89 US-Dollar.
Analysten sehen Alphabet-Aktie weiter mit Potenzial
Am Aktienmarkt bewerten Analysten die Alphabet-C-Aktie überwiegend positiv. Von 12 Experten, die die Aktie unter die Lupe nehmen, haben elf eine Kaufempfehlung vergeben, das durchschnittliche Kursziel liegt laut TipRanks bei 430,70 US-Dollar. Damit hätte die Alphabet-Aktie noch ein Aufwärtspotenzial von 20,77 Prozent zum Schlusskurs am Donnerstag. Am Freitag gab die Aktie an der NASDAQ 0,88 Prozent auf 353,47 US-Dollar nach.
Die abschließende Preisfestsetzung der einzelnen Tranchen wird zeigen, ob die anfänglichen Spread-Gespräche von rund 1,55 Prozentpunkten Bestand haben. Wie sich die im dritten Quartal 2026 anstehenden Kapitalausgaben auf den Cashflow des Konzerns auswirken, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Evelyn Schmal, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Anzeige: Alphabet-Aktie provisionsfrei traden statt teuer, jetzt zu finanzen.net zero wechseln.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Alphabet A (ex Google)
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Alphabet A (ex Google)
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: rvlsoft / Shutterstock.com, Fenixx666 / Shutterstock.com