KI-Infrastruktur

Alphabet-Aktie im Blick: Warum NVIDIAs Milliarden-Finanzierungsdeal die Google-Chips bedroht


Alphabet-Aktie im Blick: Warum NVIDIAs Milliarden-Finanzierungsdeal die Google-Chips bedroht

Sechs Finanzriesen wollen NVIDIA-Rechenleistung leichter finanzierbar machen. Analysten sehen Folgen für Alphabets Chip-Strategie.

  • Große Finanzhäuser sollen NVIDIA-Rechenleistung leichter zugänglich machen
  • Kundenspezifische Chips könnten ihren Vorteil gegenüber Standard-GPUs verlieren
  • Analysten bleiben für Alphabet trotz des neuen Wettbewerbsdrucks größtenteils optimistisch
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NVIDIA hat mit sechs großen Finanzinstituten Absichtserklärungen unterzeichnet, um langfristig mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für den Ausbau von KI-Rechenzentren zu mobilisieren. Analysten sehen darin einen Belastungsfaktor für Alphabet, das kundenspezifische Tensor Processing Units als Alternative zu NVIDIA-Hardware positioniert.

NVIDIA baut neue Finanzierungsplattformen auf

NVIDIA teilte zu Wochenbeginn mit, gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Absichtserklärungen unterzeichnet zu haben. Ziel ist der Aufbau unabhängiger Compute-Finanzierungsplattformen, über die künftig dedizierte Kapitalpools zu attraktiven Konditionen für NVIDIA-Kunden bereitstehen sollen. Konzernchef Jensen Huang beschrieb den Schritt als Übergang vom reinen Chipverkauf zu einer neuen Anlageklasse: Rechenleistung werde zu einem produktiven, investierbaren Infrastrukturgut. NVIDIA signalisierte zudem, im Rahmen bestimmter Finanzierungsvereinbarungen selbst bis zu 25 Prozent des Risikos abzusichern.

Die Verträge sind noch nicht final, die Partnerschaften bleiben der Ausarbeitung endgültiger Vereinbarungen unterworfen. Zwischen der Unterzeichnung der Absichtserklärungen und der tatsächlichen Bereitstellung von 500 Milliarden US-Dollar an Kapital liegt nach Einschätzung von Marktbeobachtern eine erhebliche Lücke.

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Alphabets TPU-Strategie steht auf dem Prüfstand

Für Alphabet, den Google-Mutterkonzern mit Cloud-, Werbe- und KI-Geschäft, ist der neueste Coup von NVIDIA nach Einordnung von Marktbeobachtern relevant, weil die Exklusivitätsprämie für kundenspezifische Chips wie die Tensor Processing Units (TPU) dadurch deutlich schwerer zu rechtfertigen werde. Genau diese sind aber ein wesentlicher Bestandteil der KI-Strategie des Unternehmens. Wenn NVIDIA-Infrastruktur über attraktive Finanzierungsoptionen bereitgestellt werde, könnten kundenspezifische Chip-Lösungen für Kunden weniger attraktiv werden, kommentierte Analyst Jeffrey Favuzza von Jefferies laut MarketWatch. Letztlich könne der Deal "unter dem Strich negativ für kundenspezifische ASICs" sein, so Favuzza weiter.

Alphabet hat über Jahre eigene TPUs entwickelt, die der Cloud-Plattform und internen KI-Projekten einen Wettbewerbsvorteil verschaffen sollen. In diesem Jahr hat der Konzern zudem damit begonnen, die TPUs auch direkt an ausgewählte externe Kunden für deren eigene Rechenzentren zu verkaufen. Kundenspezifische Chips erfreuen sich laut MarketWatch insgesamt seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit, da Unternehmen zunehmend nach kostengünstigeren Alternativen zu den GPUs von NVIDIA suchen. Dem KI-Platzhirsch Marktanteile abzunehmen, ist jedoch nicht leicht - und dürfte zukünftig durch die neue Finanzierungsoffensive noch schwerer werden. NVIDIA unterstützt gewöhnlich die Fremdkapitalaufnahme seiner KI-Partner, was den eigenen Chipumsatz stützt und laut Marktbeobachtern zugleich Sorgen über konzentrierte Risiken im KI-Sektor nährt, in dem auch Alphabet als Chip-Anbieter und Cloud-Betreiber positioniert ist.

Auch Amazon und Microsoft, die beide ebenfalls in eigene Custom-Silicon-Programme investiert haben, dürften sich einem wettbewerbsintensiveren Umfeld gegenüber sehen, sollte der GPU-Zugang durch die neuen Finanzierungsplattformen breiter verfügbar werden.

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Analysten bleiben bei Alphabet mehrheitlich zuversichtlich

Trotz des zusätzlichen Wettbewerbsdrucks durch NVIDIAs Finanzierungsoffensive bewerten Analysten die Alphabet-Aktie überwiegend positiv: Von zwölf erfassten Stimmen votierten mit Stand 13. August elf für "Buy" und eine für "Hold". Das mittlere Kursziel lag zu diesem Zeitpunkt bei 430,70 US-Dollar, die Spanne reichte von 379 bis 475 US-Dollar. Bank of America Securities-Analyst Justin Post bestätigte etwa am 11. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 430 US-Dollar. Im NASDAQ-Handel am Donnerstag stand de Alphabet-Aktie letztlich bei 346,36 US-Dollar (+0,82 Prozent).

Ob sich NVIDIAs Finanzierungsoffensive tatsächlich in einer veränderten Kundennachfrage nach Alphabets TPUs niederschlägt, dürfte sich erst zeigen, wenn aus den Absichtserklärungen konkrete Verträge werden und die Kreditpools auch in Anspruch genommen werden.

Carolin Ludwig, Martina Köhler, Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

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