KI-Speicherboom

Micron-Aktie im Blick: Wie Amazons 220-Milliarden-Offensive den Speicherchip-Hersteller antreiben könnte


Micron-Aktie im Blick: Wie Amazons 220-Milliarden-Offensive den Speicherchip-Hersteller antreiben könnte

Amazon erhöht seine Investitionspläne um 20 Milliarden US-Dollar - warum Speicherchip-Hersteller Micron davon besonders profitieren könnte.

  • Ein Hyperscaler schraubt seine Ausgabenpläne wegen teurer Speicherchips hoch
  • Vertraglich gesicherte Milliardenerlöse verschaffen einem Zulieferer Planungssicherheit
  • Analysten sehen bei Micron deutliches Aufwärtspotenzial
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Amazon hat seine Investitionsprognose für 2026 auf rund 220 Milliarden US-Dollar angehoben und dafür explizit gestiegene Speicherchip-Kosten verantwortlich gemacht. Von dieser Entwicklung profitiert nach Einschätzung der Analyseplattform "The Motley Fool" vor allem Micron, ein Speicherchip-Hersteller mit Fokus auf DRAM und NAND-Flash. Die Aktie steht damit im Zentrum der milliardenschweren KI-Investitionswelle der Hyperscaler.

Amazon erhöht Capex wegen Speicherpreisen

Auf dem Earnings Call zum zweiten Quartal kündigte Amazon-Chef Andy Jassy an, die Cash-Capex-Prognose für das laufende Jahr von zuvor rund 200 Milliarden auf etwa 220 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Als Grund nannte er die gestiegenen Kosten für Speicherchips. Selbst mit der aufgestockten Summe werde die Kapazität nicht ausreichen, um die gesamte Nachfrage im Jahr 2026 zu decken, so Jassy weiter, eine Dynamik, die er auch für 2027 erwarte. In der offiziellen Guidance verwies Amazon zudem ausdrücklich auf Volatilität bei Ressourcen und Lieferketten, insbesondere bei Speicherchips, als Risikofaktor.

Die Konzernzahlen selbst fielen kräftig aus: Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis kletterte um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden US-Dollar. Der AWS-Umsatz wuchs um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig drehte der freie Cashflow auf Zwölfmonatsbasis wegen der massiven Investitionen ins Negative, ein Rückgang, den Amazon primär auf einen Anstieg der Sachinvestitionen um 66,1 Milliarden US-Dollar im Jahresvergleich zurückführte, getrieben durch Investitionen in künstliche Intelligenz.

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Micron als Nutznießer der Speicherknappheit

Die Analyseplattform "The Motley Fool" identifizierte Micron Anfang August 2026 als größten Profiteur der Amazon-Ausgabenoffensive. Autor Keithen Drury verwies darauf, dass Amazon die Erhöhung seiner Investitionspläne um 20 Milliarden US-Dollar explizit mit Speicherkosten begründet habe, und stufte Micron als das Unternehmen ein, das davon vor allem profitiere. Micron selbst hatte im eigenen Earnings Call zum dritten Fiskalquartal 2026 eine anhaltende Angebotsknappheit bestätigt, die nach eigener Einschätzung über das Kalenderjahr 2027 hinaus bestehen bleiben dürfte, getrieben durch KI-Nachfrage über alle Segmente hinweg sowie strukturelle Angebotsbeschränkungen.

Micron erzielte im dritten Fiskalquartal 2026 einen Rekordumsatz von 41,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 346 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei einer Bruttomarge von 84,9 Prozent. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 25,11 US-Dollar. Im Fiskal-Q3 entfielen 76 Prozent des Umsatzes auf DRAM und 24 Prozent auf NAND. Inzwischen hat Micron 16 sogenannte Strategic Customer Agreements abgeschlossen, die dem Unternehmen zufolge erhöhte Sichtbarkeit auf die langfristige Nachfrage sowie mehr Planungssicherheit für Investitionen liefern. Die vertraglich gesicherten Mindesterlöse summieren sich auf rund 100 Milliarden US-Dollar, hinzu kommen projizierte Cash-Deposits von 22 Milliarden US-Dollar.

Micron-Aktie: Investitionen und Analystenausblick

Für das Fiskaljahr 2026 plant Micron Investitionen von rund 27 Milliarden US-Dollar, für das vierte Fiskalquartal allein etwa 10 Milliarden US-Dollar. Für das Fiskaljahr 2027 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anstieg der quartalsweisen Investitionen über das Niveau des vierten Fiskalquartals 2026 hinaus. Ein Teil dieser Mittel fließt in den Ausbau der Fabs ID1 und ID2 in Idaho, wobei der erste Wafer-Ausstoß von ID1 für Mitte des Kalenderjahres 2027 und von ID2 für Ende 2028 vorgesehen ist.

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An der Wall Street gilt Micron nach Einstufung mehrerer Analysehäuser aktuell als "Strong Buy", bei 29 von 30 Analysten mit Kaufeinschätzung und einem Analysten mit "Hold"-Votum. Das mittlere Kursziel liegt bei 1.560,74 US-Dollar, die Spanne reicht von 1.100 bis 2.200 US-Dollar. Citi-Analyst Atif Malik bestätigte am Freitag seine "Buy"-Einstufung, senkte das Kursziel jedoch von zuvor 1.400 auf 1.150 US-Dollar. Bernstein-Analyst Mark Li hatte Ende Juli ein Kursziel von 1.300 US-Dollar bei "Buy"-Einstufung genannt, KeyBanc-Analyst John Vinh sah die Aktie Mitte Juli mit "Buy"-Rating bei einem Kursziel von 1.750 US-Dollar. Die an der NASDAQ gelistete Micron-Aktie verlor 1,89 Prozent auf 861,00 US-Dollar.

Ob sich die Nachfrageerwartungen der Hyperscaler in den kommenden Quartalszahlen von Micron niederschlagen, dürfte sich beim nächsten Zahlentermin zeigen.

Thomas Zoller, Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Sundry Photography / Shutterstock.com

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