Intel-Aktie nach Rekordquartal: Wiegt der KI-Sprung schwerer als die hohe Bewertung?
Intels Datacenter-Sparte wächst so kräftig wie lange nicht, doch an der Börse bleibt nach den Zahlen Skepsis.
- Intels KI-Rechenzentrumsumsatz springt im zweiten Quartal um 59 Prozent
- Gesamtumsatz wächst so schnell wie seit rund 15 Jahren nicht mehr
- Steigende Investitionen und eine hohe Bewertung dämpfen die Kursfantasie
Bei Intel hat das Geschäft mit Rechenzentrums- und KI-Chips im zweiten Quartal 2026 einen ordentlichen Satz gemacht: Wie aus der Quartalsmitteilung des Unternehmens vom 23. Juli hervorgeht, kletterte der Umsatz der Sparte "Data Center and AI" um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 6,3 Milliarden US-Dollar. Der Konzernumsatz insgesamt stieg um 25 Prozent auf gut 16,1 Milliarden US-Dollar und lag damit deutlich über dem zuvor erwarteten Analystenkonsens von 14,42 Milliarden US-Dollar. Für Anleger stellt sich damit sofort die Anschlussfrage, ob der Wachstumssprung die zugleich angekündigte, deutliche Erhöhung der Investitionsausgaben rechtfertigt.
Rekordwachstum im Datacenter-Geschäft
Das Tempo des Wachstums ist historisch: Der Konzernumsatz legte laut Unternehmensangaben so schnell zu wie seit rund 15 Jahren nicht mehr. Das Geschäft mit klassischen PC-Chips, die Client Computing Group, wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 8,9 Milliarden US-Dollar und bleibt damit weiterhin das umsatzstärkste Segment. Die Foundry-Sparte, in der Intel Chips für externe Kunden fertigen will, kam laut der Quartalsmitteilung auf ein Umsatzplus von 31 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar, blieb operativ aber weiterhin ein Verlustbringer. Auf bereinigter Basis lag der Gewinn je Aktie bei 0,42 US-Dollar und damit etwa doppelt so hoch wie der zuvor erwartete Analystenkonsens von 0,21.
"KI treibt eine beispiellose Nachfrage nach Rechenleistung", erklärte Intel-Chef Lip-Bu Tan in der Mitteilung des Unternehmens zu den Ergebnissen. Laut der bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Quartalsmitteilung verbuchte Intel unter dem Strich dennoch einen Verlust nach US-GAAP, der maßgeblich auf eine buchhalterische Neubewertung der im Rahmen des CHIPS-Act-Abkommens an die US-Regierung ausgegebenen Aktien zurückgeht und damit ein Sondereffekt ohne operativen Charakter ist.
Intel-Aktie im Blick: Kapitalmarkt reagiert verhalten auf die Zahlen
Trotz des deutlichen Gewinn- und Umsatzsprungs fiel die Reaktion der Analysten gedämpft aus: Die meisten Investmentbanken beließen ihre Einstufungen zur Intel-Aktie zunächst unverändert. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon hob sein Kursziel in einer Studie vom vergangenen Freitag zwar von 100 auf 110 US-Dollar an, blieb mit der Einstufung "Market Perform" aber neutral. Er begründete das unter anderem damit, dass die "Stärke im Servergeschäft weiterhin über den ohnehin schon optimistischen Erwartungen liegt", zugleich aber die Bewertung angesichts der stark steigenden Investitionsausgaben schwer einzuschätzen bleibe.
Laut "The Motley Fool" wirkt die Bewertung der Aktie angesichts des aktuellen Kursniveaus ambitioniert, mit einem KGV auf Basis der erwarteten Gewinne im dreistelligen Bereich. Der Analystenkonsens für die Intel-Aktie liegt bei einem durchschnittlichen Kursziel von 86,86 US-Dollar aus acht ausgewerteten Einschätzungen (Stand: 24. Juli 2026) und damit unter dem von Bernstein genannten Wert, was die Spannbreite der Einschätzungen unter den Analystenhäusern verdeutlicht.
Ausblick: Mehr Investitionen, mehr Nachfrage, mehr Unsicherheit
Für das laufende Quartal stellte Intel einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,38 US-Dollar in Aussicht, beides oberhalb des zuvor erwarteten Analystenkonsens von 15,1 Milliarden US-Dollar und 0,27 US-Dollar. Zugleich hob das Unternehmen die Investitionsplanung für das laufende Geschäftsjahr auf über 20 Milliarden US-Dollar an, nach zuvor rund 18 Milliarden US-Dollar, und stellte für das kommende Jahr eine nochmals deutlich höhere Summe in Aussicht.
"Kunden signalisieren weiterhin ein starkes und nachhaltiges Investitionsumfeld", sagte Intel-Finanzchef Dave Zinsner am Tag der Zahlenvorlage in der Telefonkonferenz mit Analysten. Nach eigenen Angaben kann Intel die Nachfrage nach Serverprozessoren derzeit nicht vollständig bedienen und hat deshalb zehn langfristige Lieferverträge mit Kunden abgeschlossen, die entweder feste Preise oder garantierte Abnahmemengen vorsehen.
Der nächste Prüfstein dürfte die Frage sein, ob Intel im Laufe des Jahres einen ersten namhaften externen Kunden für seine fortschrittlichste Fertigungstechnologie 14A gewinnen kann und ob sich die Ausbeuten bei der bereits laufenden 18A-Fertigung wie geplant weiter verbessern. Beide Punkte gelten an der Wall Street als Gradmesser dafür, ob sich das Foundry-Geschäft langfristig aus der Verlustzone herausarbeitet.
Wer über ein Engagement in der Intel-Aktie nachdenkt, sollte zwei Risiken im Blick behalten: Die kräftig steigenden Investitionsausgaben sind noch nicht durch bestätigte externe Fertigungsaufträge abgesichert, sodass ein Teil davon ins Leere laufen könnte. Zudem bleibt die Foundry-Sparte operativ tief in der Verlustzone, während die aktuelle Bewertung der Aktie bereits einen erheblichen Teil der erhofften Wende vorwegnimmt.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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