SAP-Aktie im Blick: CEO warnt vor gefährlicher KI-Abhängigkeit von USA und China
Europa droht im KI-Wettlauf ins Hintertreffen zu geraten, warnt SAP-Chef Christian Klein. Der Konzern reagiert mit einer KI-Offensive und neuen Einstellungen.
- SAP-CEO Klein warnt vor gefährlicher KI-Abhängigkeit Europas von USA und China
- SAP will mit 400 bis 500 neuen Data Scientists gegensteuern
- Klein schließt einen Stellenabbau dennoch nicht aus
SAP-Chef Christian Klein warnte gegenüber der Süddeutschen Zeitung deutlich vor einer wachsenden Abhängigkeit Europas von amerikanischer und chinesischer künstlicher Intelligenz und machte damit die eigene Konzernstrategie zur politischen Ansage: "Wir müssen schnell agieren, niemand in den USA oder China wartet auf uns. Sie wollen uns alle schlagen", sagte der SAP-Chef laut dem Bericht.
Klein positioniert sich gegen die Rechenzentrums-Logik
Kleins Warnung ist keine neue Position, sie erhält durch seine aktuellen Aussagen aber frisches Gewicht. Bereits im März 2026 hatte der Manager im Podcast von Table.Briefings betont, dass digitale Souveränität für ihn weniger eine Frage des Serverstandorts als der Datenkontrolle sei. Damit widersprach er im Kern der Forderung von NVIDIA-Chef Jensen Huang, der bei seiner Europareise im Juni 2025 vor fehlenden Rechenkapazitäten gewarnt und neue Partnerschaften für europäische KI-Infrastruktur angekündigt hatte. Klein dagegen hält fünf neue KI-Datenzentren in Europa für überzogen, da die Nachfrage anders als in den USA schlicht fehle.
SAP vor großem Umbau wegen KI
Für die eigene Strategie zog Klein nun einen klaren Schluss: Europäische Unternehmen sollen bei der angewandten KI vorangehen, statt auf neue Serverfarmen zu warten, wird er von der Süddeutschen Zeitung wiedergegeben. Konkret will SAP 400 bis 500 neue Data Scientists einstellen. Ein Stellenabbau bleibe dennoch möglich, räumte Klein ein, dies zu leugnen wäre nicht ehrlich. Derzeit beschäftigt der Konzern weltweit rund 112.000 Menschen.
Der Umbau kommt nicht ganz freiwillig: Wegen der neuen Konkurrenz durch reine KI-Anbieter steht SAPs klassisches Geschäftsmodell unter Druck, die SAP-Aktie hat auf XETRA seit Jahresbeginn rund 20 Prozent verloren. Der CEO forderte daher auch mehr Tempo bei der Entwicklung eigener Produkte mit Künstlicher Intelligenz (KI). "Ich spüre den Druck", sagte Klein der "Süddeutschen Zeitung". Wenn das eigene KI-Werkzeug Geschäftsprozesse nicht besser verstehe als ein KI-Agent, den man mit Anthropic baut, dann habe SAP ein Problem.
Den Absturz der SAP-Aktie versuchte er jedoch etwas zu relativeren. Hier werde aktuell eine ganze Branche infrage gestellt, sagte er. Die große Frage sei, ob sich die Softwarebranche behaupten kann oder KI-Agenten neuer Anbieter die Software ersetzen. "Wie viele andere auch müssen wir bei SAP jetzt beweisen, dass wir KI liefern können", so Klein. Eine KI, die Geschäftsprozesse verstehe. Er sei da sehr zuversichtlich, allerdings bedeute das für SAP auch "eine sehr, sehr große Transformation". Der KI-Umbau sei noch größer als der Schwenk zur Cloud-Software.
Via XETRA schloss die SAP-Aktie 1,12 Prozent fester bei 169,26 Euro.
Carolin Ludwig, Martina Köhler, Evelyn Schmal, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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