Kräftige Erholung

Rheinmetall-Aktie wieder komfortabel über 1.200 Euro: Ist die Korrektur jetzt vorbei?


Rheinmetall-Aktie wieder komfortabel über 1.200 Euro: Ist die Korrektur jetzt vorbei?

Die Rheinmetall-Aktie hat sich nach dem Rückschlag im Juni deutlich erholt. Doch ein wichtiger Termin steht in dieser Woche noch auf der Agenda.

  • Rheinmetall-Aktie steigt von 940 auf über 1.200 Euro binnen Wochen
  • Vorläufige Quartalszahlen übertreffen die Markterwartungen deutlich
  • Auftragsbestand überschreitet erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro
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Die Rheinmetall-Aktie hat sich binnen fünf Wochen von einem heftigen Rückschlag erholt und verzeichneta am Mittwoch im Tagesverlauf auch Gewinne. Am Abend fiel das Papier jedoch zurück und wurde via XETRA schlussendlich bei 1.198,40 Euro gehandelt - ein Minus von 0,2 Prozent zum Vortagesschluss. Ende Juni notierte das Papier noch bei rund 940 Euro, inzwischen wurde aber die Marke von 1.200 Euro zurückerobert. Die entscheidende Frage für Anleger lautet nun, was diese Gegenbewegung trägt.

Gestrichenes Marineprojekt löste die Talfahrt aus

Ausgangspunkt der Schwäche war eine politische Entscheidung. Ende Juni erklärte das Bundesverteidigungsministerium, das milliardenschwere Fregattenprogramm F126 werde wegen Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen nicht weiterverfolgt. Rheinmetall hatte über seine Marinetochter NVL kurz vor der Übernahme des Programms gestanden, wie Konzernchef Armin Papperger im Vorfeld erklärt hatte. Statt an Rheinmetall ging der Ersatzauftrag über acht kleinere Fregatten an den Wettbewerber TKMS. Der Vorgang traf die Rheinmetall-Aktie in einer Phase, in der Investoren nach dem starken Kursverlauf der Vorjahre ohnehin genauer auf jede Enttäuschung schauten.

Rekordquartal bringt die Wende

Die Erholung setzte ein, als Rheinmetall am Anfang Juli dann per Ad-hoc-Mitteilung ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent für das zweite Quartal in Aussicht stellte. Ende desselben Monats folgten die vorläufigen Zahlen: Der Umsatz kletterte um rund 69 Prozent auf etwa 3,29 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stieg auf 562 Millionen Euro und lag damit fast 20 Prozent über der Markterwartung von 469,9 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben trugen alle Segmente zu dieser Verbesserung bei. Den vollständigen Halbjahresbericht will Rheinmetall morgen vorlegen.

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Auftragsbuch springt über 80 Milliarden Euro

Neben den Ergebniszahlen stützte vor allem der Auftragseingang den Kurs. Der Rheinmetall-Backlog überschritt im zweiten Quartal die Marke von 80 Milliarden Euro, nachdem Nominierungen von 11,371 Milliarden Euro verbucht wurden. Dazu zählen laut Unternehmensangaben der Vertrag über Loitering Munition mit der Bundeswehr sowie ein im Rahmen des EU-Programms SAFE unterzeichnetes Auftragspaket mit Rumänien. Einen Wermutstropfen lieferte der Konzern gleich mit: Für das zweite Quartal rechnet Rheinmetall mit einem deutlich negativen operativen Free Cashflow, weil sich Anzahlungen verschoben haben und Kundenforderungen sowie Lagerbestände gestiegen sind. Die Kapazitätsausweitung laufe davon unberührt weiter, hieß es.

Neue US-Aufträge stützen den Trend zusätzlich

Rückenwind kam zuletzt auch aus den USA, als die Tochter American Rheinmetall einen 18-monatigen Entwicklungsauftrag der US-Armee im Rahmen des Programms Project Sustainment meldete. Dabei geht es um autonome, hybridbetriebene unbemannte Bodenfahrzeuge für die Nachschubversorgung. Der Auftrag ist finanziell überschaubar, zeigt aber, dass Rheinmetall sein US-Geschäft neben dem europäischen Rüstungsmarkt gezielt ausbaut und damit ein Stück unabhängiger von einzelnen politischen Entscheidungen in Berlin wird, wie sie im Fall der F126 den Kurs belastet hatten.

Ob die Erholung tragfähig ist, entscheidet sich am Donnerstag. Im vollständigen Halbjahresbericht dürfte sich zeigen, wie belastbar der negative Free Cashflow tatsächlich ausfällt und ob Rheinmetall die Jahresprognose für Umsatz und Marge bestätigt oder anhebt.

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Ein Kursrückgang durch politische Entscheidungen wie im Fall der F126 bleibt ein Risiko, dem sich Anleger bei einem stark auftragsabhängigen Rüstungskonzern bewusst sein sollten.

Claudia Stephan, Martina Köhler, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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